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Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
22. Jahrgang - Nr.6 November/Dezember 2006 - erscheint zweimonatlich
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Südtirol im Wandel
Signale des Umdenkens im rechten italienischen Lager
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Südtirol und das Vaterland Österreich
Eine sachliche Bilanz
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Wirkliche Demokratie braucht echte Mitentscheidungsrechte
Plädoyer für direkte Demokratie in Südtirol
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Die Sammelpartei auf dem Prüfstand
Was wollen eigentlich die "Arbeitnehmer in der SVP"?
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Die Völker Italiens
Eine geschichtliche Klarstellung
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Abschied
Die "Südtiroler Nachrichten" stellen ihr Erscheinen ein
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In memoriam Dr. Luis Lunger

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Buchpräsentation

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Falsche Töne - falsche Freunde

Man kann nicht übersehen, daß auch in Südtirol in letzter Zeit recht schrille "rechte Töne" zu hören sind. Besonders in Grenzregionen haben rechte Agitatoren oft Erfolg, weil sie die berechtigten Anliegen der Minderheit dazu mißbrauchen, um ihr rechtes, faschistoides Gedankengut zu verbreiten. Besonders die ältere Generation erinnert sich noch an den Propagandafeldzug, den die Nazis anläßlich der Option des Jahres 1939 starteten.
Begünstigt durch die schwerwiegenden Fehleinschätzungen des italienischen Faschismus und seiner minderheitenfeindlichen Politik konnte die Naziagitation unter dem wirksamen Motto "deutsch bleiben" einen Großteil der Südtiroler Bevölkerung dazu bewegen für die "Heimkehr ins Reich" zu optieren. Glückliche Umstände, nicht zuletzt der Eintritt Italiens in den Krieg auf der Seite Deutschlands. haben verhindert, daß die Südtiroler zu den vertriebenen deutschen Minderheiten in Europa gehörten. Das vielfach kritisierte Gruber-Degasperi- Abkommen hat schließlich mit der Gründung der Region Trentino-Tiroler Etschland die Basis für eine demokratische Regelung der Südtirolfrage gelegt.
Im Zuge der langen Verhandlungen, die zwischen Italien, Österreich und den Südtirolern stattgefunden und die zur Paketlösung geführt haben, hat es immer wieder Versuche von neonazistischen Gruppen gegeben sich da einzuschalten. Diese Versuche sind meist von besonnen Politikern erkannt und entschieden abgewehrt worden.
Obwohl heute Südtirol über eine gefestigte autonome Selbstverwaltung verfügt und die Minderheit keineswegs gefährdet ist, gibt es doch immer wieder Stimmen im Land, die mit rechtem Gedankengut Unruhe unter die Bevölkerung bringen. Ein Thema, das sich dazu gut eignet ist die Zuwanderung, wobei vor allem der Zuzug von Menschen aus dem Osten Europas oder aus außereuropäischen Ländern gemeint ist.
Die gute wirtschaftliche Entwicklung Südtirols in den letzten Jahrzehnten hat dazu geführt, daß eine starke Nachfrage nach Arbeitskräften aufgetreten ist, die im Lande und in der Region nicht mehr vorhanden sind. Zum Teil sind saisonale Arbeiter wie zum Beispiel bei der Einbringung der Ernte gefragt, zu einem großen Teil sucht man nach ständigen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Ein spezielles Kapitel stellen in dieser Hinsicht die Personen dar, die zur Pflege alter Menschen dringend gebraucht werden, da hat sich ein Schwarzmarkt etabliert, der kaum noch zu kontrollieren ist.
Auch das gute soziale Netz, das Südtirol aufweist zieht die Einwanderer an und nachdem diese oft an hohes Maß an Bedürftigkeit aufweisen, kommt es vor, daß sie bei gewissen sozialen Einrichtungen z.B. der Zuweisung einer Wohnung eher drankommen als die Einheimischen. Solche Fälle werden von gewissen Kreisen dazu benützt, um Ängste und Vorurteile zu schüren, man spricht dann von einer Überfremdung und der Notwendigkeit drastische Maßnahmen zur Eindämmung der Zuwanderung zu verabschieden.
Besonders der Abgeordnete der Union für Südtirol Andreas Pöder, der seltsame rechte Freundschaften gepflegt hat, ist durch solche Interventionen aufgefallen. Er wird diesbezüglich von den Südtiroler Freiheitlichen übertroffen, die völlig im Fahrwasser ihrer rechtslastigen österreichischen Parteifreunde sind. Ihre Parolen finden besonders unter den Jugendlichen Gehör. In diesem Rahmen fällt die Abgeordnete der Südtiroler Freiheitlichen, Ulli Mair, durch ihre flotten und aggressiven Sprüche besonders auf. Erst vor kurzem hat sie in einer Aussendung ihrer Partei die Zuwanderungspolitik der SVP scharf kritisiert und sich als Verteidigerin der "abendländischen Kultur und christlicher Werte" ausgegeben.

Die Abgeordnete der Südtiroler Freiheitlichen Ulli Mair und die Chefin von Forza Nazionale Alessandra Mussolini beim Heurigen in Wien

Stutzig wird man, wenn man erfährt in welcher Gesellschaft Frau Mair diesen Kampf führen will. Da gibt es ein Foto, das sie in freundlicher Zweisamkeit mit Alessandra Mussolini zeigt, der Chefin einer postfaschistischen und nationalistischen Splitterpartei, die sich rechts von der postfaschistischen Partei des Gianfranco Fini positioniert. Anlaß dafür war ein Treffen in Wien der neugegründeten EU-Parlamentsfraktion, der neben der österreichischen FPÖ auch die Enkelin des Duce und der Franzose Le Pen angehören.
Frau Mair behauptet, daß sie niemals für den Beitritt der Südtiroler Freiheitlichen zu dieser Fraktion gestimmt habe, obwohl maßgebliche FPÖ-Politiker dies ausdrücklich bestätigen. Momentan hängt deswegen der Haussegen zwischen den österreichischen Freiheitlichen schief und die Entfremdung scheint unwiderruflich. Außerdem hat sich Frau Mair jetzt für dieses Foto bei der Südtiroler Bevölkerung entschuldigt.
Fest steht, daß mit solchen Aktionen und Freundschaften Südtirol in ein schiefes Licht gerückt wird. Zu frisch sind noch die schrecklichen Erfahrungen mit den italienischen und deutschen Faschisten.

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