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Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
22. Jahrgang - Nr.6 November/Dezember 2006 - erscheint zweimonatlich
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Südtirol im Wandel
Signale des Umdenkens im rechten italienischen Lager
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Südtirol und das Vaterland Österreich
Eine sachliche Bilanz
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Wirkliche Demokratie braucht echte Mitentscheidungsrechte
Plädoyer für direkte Demokratie in Südtirol
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Die Sammelpartei auf dem Prüfstand
Was wollen eigentlich die "Arbeitnehmer in der SVP"?
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Falsche Töne - falsche Freunde
Rechte Agitation in Südtirol
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Abschied
Die "Südtiroler Nachrichten" stellen ihr Erscheinen ein
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In memoriam Dr. Luis Lunger

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Buchpräsentation

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Die Völker Italiens

Was die fanatischen Nationalisten besonders auszeichnet ist ihre grenzenlose geschichtliche Ignoranz. Das trifft besonders auf Micaela Biancofiore zu, die als Chefin von Forza Italia in Südtirol auch Abgeordnete im römischen Parlament ist. Dort ist es ihr gelungen mit Mehrheitsbeschluß eine Tagesordnung zu verabschieden, die besagt, daß Italienisch die einzige offizielle Sprache der Republik ist. Biancofiore feiert dies als einen großen nationalen Sieg besonders gegenüber den ethnischen Minderheiten, denen sie wieder zeigen will, wer eigentlich Herr im Hause ist. Natürlich hat sie dabei die Zustimmung des Ultranationalisten Donato Seppi von Unitalia und anderer Nostalgiker eingeheimst. Sie alle sollten aber die vaterländische Geschichte etwas genauer studieren und nicht Unwahrheiten verbreiten.
Der erste König von Italien aus dem Hause Savoyen, Viktor Emanuel II hat stets von den Völkern Italiens gesprochen. Das ist korrekt und entspricht der geschichtlichen Wahrheit. Zahlreiche Völker haben im Laufe der Geschichte Italien besiedelt und dem Land ihren Stempel aufgedrückt. Das macht die kulturelle Vielseitigkeit dieses einmalig schönen Teiles Europas aus. Italienisch ist die Sprache der großen Mehrheit der Bevölkerung, wobei es eine ganze Reihe von dialektalen Formen gibt, die wiederum Ausdruck einer speziellen Identität sind. Man kann sagen, daß erst das Fernsehen den Durchbruch zu einer nationalen Einheitssprache ermöglicht hat.
Daneben gibt es auf dem Territorium der heutigen Republik Italien eine Reihe von ethnischen und sprachlichen Minderheiten, die nicht als Italiener bezeichnet werden können, weil sie einem anderen Kulturkreis angehören. Zuerst das Königreich und später die Republik haben sich verpflichtet die Eigenart dieser Minderheiten zu achten und zu schützen. Diese Minderheiten umfassen die Frankophonen, die Deutschsprachigen, die Slowenen, die Griechisch- und Albanischsprechenden, die Katalanen und Okzitanen
Leider gab es in Italien in der 20jährigen Herrschaft des faschistischen Regimes, einen Rückfall in einen barbarischen Nationalismus, der darauf abzielte diese Minderheiten zu italianisieren. Eine halbgebildete Schicht von Kleinbürgern, die sich ganz zu Unrecht als Nachfolger des römischen Imperiums betrachtete, hat damals versucht mit Rizinusöl, brachialem Terror, systematischer staatlicher Unterdrückung ethnische Säuberungen durchzuführen, wobei ganz besonders die slawischen Bevölkerungen im Osten der Republik betroffen waren. Das Ergebnis dieses national-imperialen Feldzuges waren die kulturelle Verkümmerung und die Verarmung ganzer Regionen -man denke nur an Triest - und das Verschwinden der italienischen Präsenz in Istrien und Dalmatien.
Der Postfaschist Giorgio Holzmann trifft den Nagel auf den Kopf, wenn er anmerkt, daß Biancofiores Antrag nur eine billige Provokation ist, die niemanden nützt. Aber Nationalisten lernen aus der Geschichte nichts, weil sie uneinsichtig und dumm sind.

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