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Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
22. Jahrgang - Nr.5 September/Oktober - erscheint zweimonatlich
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Der Dialog
In beiden ethnischen Lagern häufen sich die Stimmen, die einen sachlichen Gedankenaustausch wünschen
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Mehr Gleichheit und soziale Gerechtigkeit
Die sozialen Probleme drängen auch in Südtirol in den Vordergrund
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Solidarität...
Falsche Förderung
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Der ethnische Murks
Wenn die Sanität mißbraucht wird
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Leserbriefe
Feinstaub, Alkohol und Geschäft
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Buchpräsentation

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Falsche Signale

Vor kurzem hat sich in Südtirol ein überparteiliches Komitee konstituiert, das die Einigung Tirols im Zeichen der Selbstbestimmung vorantreiben will, wobei offensichtlich die Angliederung Südtirols an Österreich angestrebt wird. Man beruft sich dabei auf die Erklärungen und den Gesetzesentwurf, den der Ex-Staatspräsident Francesco Cossiga im Senat einbringen wollte; demnach sollten die .Südtiroler über ihre Staatszugehörigkeit entscheiden können. Cossiga ist für seine Improvisationen bekannt und er hat, zu seinem Ärger, dafür keine sonderliche Unterstützung gefunden. Nur einige Vertreter des Heimatbundes und der Union für Südtirol fanden dafür lobende Worte.
Man muß gleich klarstellen, daß diese Initiative von falschen historischen Voraussetzungen ausgeht. Das geschichtliche Tirol war kein deutsches, sondern ein mehrsprachiges Gebilde, das von Kufstein bis Ala reichte und zum Vielvölkerstaat der Habsburger gehörte. In diesem Tirol lebten ziemlich einträchtig Deutsche, Italiener und Ladiner zusammen, dies über einen Zeitraum von 600 Jahren.
Der Nationalismus des 19. Jahrhunderts bekämpfte alle multinationalen Staatsgebilde, nach den Vorstellungen der Nationalisten sollten Staat und Nation identisch sein. Für Europa, das eigentlich aus einer Vielfalt von Minderheiten besteht, war diese Theorie der Grund für eine Reihe von Angriffskriegen, Gebietseroberungen, Vertreibungen, die im zweiten Weltkrieg ihren dramatischen Höhepunkt fanden.
Mit dem Zerbrechen des Habsburgerstaates ging auch die Zerreißung Tirols einher, der südliche Teil des deutschsprachigen Tirols wurde dem italienischen Staat einverleibt. Mit der Niederlage von Faschismus und Nationalsozialismus konnten in Südtirol wieder demokratische Institutionen eingeführt werden und die international garantierte Autonomie hat sich seither äußerst positiv entwickelt. Die Existenz der deutschösterreichischen Minderheit im Rahmen der italienischen Republik ist eine Tatsache, die nur von einigen Exaltierten und Radaumachern bestritten wird.
Sicherlich gibt es noch im Zusammenleben der drei Volksgruppen immer wieder Auseinandersetzungen ethnischer Natur, aber im Wesentlichen sind die individuellen Freiheiten gewahrt, es gibt einen bisher unerreichten Wohlstand, die Staatsgrenzen sind kaum merkbar und die Bevölkerung ist mit diesem Status weitgehend zufrieden. Es herrscht seit 60 Jahren Frieden und das kann nur derjenige richtig schätzen, der den Trümmerhaufen Europa im Jahre 1945 noch selber erlebt hat.
Es ist deshalb nicht verständlich, warum jetzt ein neuer Konflikt vom Zaun gebrochen werden soll, dessen Ausgang niemand voraussehen kann. Ein abschreckendes Beispiel bietet der Balkan, wo nach dem Auseinanderfallen Jugoslawiens mörderische Kriege geführt worden sind.


Völker, die oft dieselbe Sprache sprechen, fielen plötzlich übereinander her, zerstörten und verwüsteten weite Gebiete und blieben in Armut und Not zurück. Heute muß das Vereinte Europa "da drunten" nicht nur den Frieden sichern, sondern zum Wiederaufbau kräftig beitragen.
Man muß aus der Geschichte lernen, man kann nicht mit den Ideologien und den Instrumenten von gestern die Zukunft gestalten. Der Zusammenschluß Europas, der trotz mancher Hindernisse weitergeht, ist ein richtiger Weg, der nicht durch kleinliche Querelen aufgehalten werden soll. Kaum ein Südtiroler hätte noch vor 20 Jahren gedacht, daß der Brennerpaß einmal nur ein geographischer Ort sein werde, den man anstandslos passiert.
Diejenigen, die zur Begründung ihrer staatlichen Veränderungswünsche von einer Gefahr des Identitätsverlustes der Südtiroler reden, verfälschen die Realität. Wenn schon, ist es die allgemeine Verflachung der Kultur und der zunehmende Konsumismus, der in ganz Europa, ja sogar weltweit, die lokalen Traditionen und Sitten gefährdet. Mit der staatlichen Zugehörigkeit hat das gar nichts zu tun, man muß noch hinzufügen, daß Südtirol sich in dieser Hinsicht ein hohes Maß an Eigenständigkeit bewahrt hat, das von anderen österreichischen und deutschen Regionen besonders anerkannt wird.
Die Verbindung zum deutschsprachigen Kulturraum ist ungehindert. Die Republik Österreich hat sich seit jeher um die Belange der Südtiroler gekümmert und übt weiterhin ihre Schutzfunktion aus. Auch in Italien genießt die Südtiroler Minderheit ein hohes Maß an Respekt, die letzten Ereignisse haben bestätigt, daß die Stimme der Minderheit in den parlamentarischen Gremien gehört und beachtet wird. Das sind die Fakten die zählen und deshalb ist jede irredentistische Agitation unnötig und schädlich.

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