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Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
22. Jahrgang - Nr.4 Juli/August 2006 - erscheint zweimonatlich
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60 Jahre Pariser Vertrag
Eine aktuelle kritische Bilanz
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Im Sommerloch
Schützenmitglieder ohne Glied
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Prodis Dilemma
Wer füllt das Bilanzloch?
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Verwirrung
Widersprüche in der Südtirolpolitik
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Durnis Traum vom Fliegen
Die unsichere Zukunft des Bozner Flugplatzes
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Nationalratswahlen in Österreich
Sozialdemokraten auf Platz eins
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Mutterschaft statt Karrieresprung
Zur Stellung und Aufgabe der Frau in der Gesellschaft.

Sicherlich können auch Frauen hervorragende Panzerfahrerinnen, Schiffskapitäne, Konzernchefinnen und Bankdirektorinnen sein. Sicherlich können die Frauen in diesen Funktionen jene Härte und Entschlossenheit an den Tag legen, die angeblich ihre männlichen Kollegen auszeichnet. Da haben die Feministinnen recht.
Was die Feministinnen in diesem Zusammenhang nicht sagen ist, daß die Frauen dank ihres Status Möglichkeiten und Eigenschaften haben, die den Männern vorenthalten sind und, daß diese speziellen weiblichen Eigenschaften nicht nur für das Wohlergehen der Frauen, sondern auch für die Entwicklung der Gesellschaft weitaus wichtiger sind, als deren berufliche Erfolge

aus "Le Monde"

Dieses Thema wird seit dem Erscheinen des Buches der ehemaligen Nachrichtensprecherin Eva Hermann "Das Eva-Prinzip" im gesamten deutschsprachigen Raum diskutiert und allein diese Tatsache beweist, wie sehr dieses Problem die Menschen beschäftigt. Dabei ist das Buch der Hermann kein Pamphlet, sie macht den Frauen keine Vorschriften, sie spricht nicht von einer bestimmten Rollenverteilung. Frau Hermann berichtet von ihrer persönlichen Erfahrung als Karriere-Frau, von ihrer Entscheidung mitten in dieser Karriere ein Kind zu bekommen und von den Schwierigkeiten und Konflikten, die sich daraus ergeben haben. Es ist eine scharfe und schonungslose Kritik an der feministischen Bewegung und ihren Zielen.
Wie sehr die treffenden Analysen des gut recherchierten Buches ins Schwarze treffen, das beweisen die heftigen persönlichen Angriffe gegen die Autorin, man will mit diesen Unterstellungen und Diffamierungen dem Kern des Problems ausweichen. Dieser Kern besagt, daß drei Jahrzehnte Frauenbewegung der Frau nicht das versprochene Glück sondern neue schwere Belastungen gebracht haben. Noch nachhaltiger und schwerwiegender sind die Folgen, die daraus für die Gesellschaft entstanden sind.


Es war sicherlich richtig einen Kampf um die Gleichbezahlung von Frauen und Männern zu führen und gewisse patriarchalische Privilegien in einigen Standesorganisationen abzubauen. Falsch war und ist jedoch die Vorstellung die Frau könne sich durch ihren beruflichen Erfolg besser als in der Familie verwirklichen und sie könne diese berufliche Karriere mit ihrer Rolle als Frau und Mutter verbinden. Das sind Rezepte, die meist an der Wirklichkeit scheitern.
Die junge Frau von heute ist im Durchschnitt schon dreißig Jahre alt ehe sie nach Abschluß ihrer Ausbildung in den beruflichen Wettbewerb eintreten kann. Sie muß in dieser Zeit ihre Fertilität systematisch unterdrücken, wenn sie "mitmachen" und auf der Karriereleiter nach oben gelangen will. Sie ist dann schon meistens nahe den Vierzigern, als sie feststellt, daß sie eine ihrer schönsten Privilegien, die Mutterschaft, kaum mehr verwirklichen kann. Ihr von der Natur vorgegebener Fertilitätszyklus neigt sich nämlich dem Ende zu, die Ovarien machen schlapp und nun muß die Medizin einspringen. Teure und oft belastende langwierige gynäkologische Sitzungen müssen das leisten, was in jüngeren Jahren ein erfreulicher Koitus geschafft hätte.
An diesem Beispiel zeigt sich wie lebensfremd das ganze westliche Gesellschaftssystem bereits geworden ist. Der Fertilitätszyklus der Frau ist eine von der Natur vorgegebene Tatsache, demnach sollten Frauen ihr erstes Kind möglichst zwischen dem 20. und dem 30. Lebensjahr zur Welt bringen. Je älter die Gebärende ist, um so größer sind die Risiken für die Frau und das Kind, das belegen eindeutig die medizinischen Statistiken.
Der militante Feminismus hat zu dieser Fehlentwicklung beigetragen indem er den Frauen vorgaukelt der berufliche Erfolg sei ein Lebensziel und auch eine Garantie für ein glückliches Leben. Das Beispiel der Eva Hermann und auch vieler anderer Frauen zeigt aber, daß dies nicht stimmt und, daß so eine Lebensauffassung für die Frau-
en selbst und auch für die Gesellschaft extrem negative Folgen hat. Übrigens ist auch für den Mann. der Beruf nur ein Mittel zum Zweck. der Mann verwirklicht sich letztlich in seiner Familie, seinen Nachkommen und seinem sozialen Umfeld. Man arbeitet um zu leben und man lebt nicht um zu arbeiten.
Der militante Feminismus bringt die Frau in eine Situation, die ihr große Opfer abverlangt, sie muß aus Karrieregründen eine ihrer schönsten Aufgaben. die Mutterschaft, hintanstellen oder mit einem großen Kraftaufwand versuchen Mutterschaft und Karriere schlecht und recht zu vereinen. Das bedeutet für sie meist Streß, Verzicht, Frust. Die Folge ist, daß dadurch auch die Beziehung zum Partner nachhaltig gestört ist. Der Feminismus schürt einen Kampf der Geschlechter, der beiden Teilen nur Nachteile bringt.
Heute geht es nicht darum den Frauen neue berufliche
Möglichkeiten zu eröffnen und sie zu "besseren Män-
ern" zu machen, sondern es geht darum den Frauen, die Kinder kriegen wollen - das ist die überwiegende Mehrzahl - durch gesetzlichen Maßnahmen zu garantieren, daß sie als Mütter finanziell abgesichert sind und die Zeit und die Möglichkeit haben sich um die Erziehung dieser Kinder zu kümmern. Derzeit wird darüber viel geredet, aber nichts Konkretes unternommen
Die eindrucksvollen Beispiele, die Frau Herman in ihrem Buch bringt, aber auch die Beobachtungen, die fast jeder con uns im Alltag machen kann, sagen, daß weite Teile Europas in dieser Hinsicht Notstandsgebiet geworden sind. Wenn zum Beispiel nur 18 Prozent der Haushalte in der Stadt Hamburg Kinder aufweisen, wenn wie Bundespräsident Köhler anmerkte, in Deutschland über zwei Millionen Kinder an der Armutsgrenze lebt, so sieht man wie ernst die Lage ist. Nicht nur die Politiker,
sondern alle Schichten der Gesellschaft sind dabei gefordert, denn es geht um die Zukunft unserer westlichen Gesellschaft. Die Gesellschaft, die keine Jugend mehr hat, hat auch keine Zukunft.
Bereits jetzt zeichnet sich ab, daß das Rentensystem, so wie es bisher konzipiert worden ist, nicht haltbar ist, weil die demographische Basis fehlt. Man sieht auch welche Lücken sich im Gesundheitswesen auftun, wo das Versicherungsprinzip nicht mehr greift und Steuermittel eingesetzt werden müssen, um die jetzigen Leistungen zu erhalten.
Noch schlimmer als die wirtschaftlichen Folgen sind jedoch die sich daraus ergebenden Veränderungen in der Gesellschaft. Wir sind eine extrem individualistische, egoistische, kalte Gesellschaft geworden, die nur mehr nach finanziellen Zweckmäßigkeiten ausgerichtet ist. Das erklärt auch den Zerfall der familiären Strukturen mit all ihren dramatischen Folgen. Wenn wir diesen Zerfallsprozeß aufhalten wollen müssen wir umdenken und die Rolle der Familie und die Aufgabe der Frau und Mutter aufwerten und honorieren.
Einen Schritt in diese Richtung hat erst in diesen Tagen in Deutschland die Regierung Merkel getan, dort hat die CDU-Ministerin Ursula von der Leyen eine alte sozialdemokratische Forderung umgesetzt und das Elterngeld eingeführt. Demnach erhalten die Eltern, die sich der Betreuung ihres neugeborenen Kindes widmen 14 Monate lang bis zu 67 Prozent ihres Nettolohnes. Dabei muß auch der Vater für mindestens zwei Monate in diese Betreuung eingebunden sein. Es ist ein revolutionäres Gesetz, das endlich zukunftsweisende Signale setzt. Allerdings ist es nur ein erster Baustein, denn es fehlen noch die gesetzlichen Stützmaßnahmen für die Mutter und die Familie nach diesen ersten 14 Monaten.
Eines ist klar: wir stehen heute in Europa im harten Wettbewerb mit anderen Gesellschaftsformen und Kulturen, die eine große Dynamik entfalten und uns täglich herausfordern. Wir können nur bestehen, wenn wir unsere Werte glaubhaft verteidigen und dafür auch eintreten. Das römische Reich ist nicht von den "Barbaren" überrollt worden, die "Barbaren" haben es schrittweise übernommen, nachdem die römische Gesellschaft moralisch abgedankt hatte.

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