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Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
22. Jahrgang - Nr.4 Juli/August 2006 - erscheint zweimonatlich
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60 Jahre Pariser Vertrag
Eine aktuelle kritische Bilanz
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Prodis Dilemma
Wer füllt das Bilanzloch?
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Mutterschaft statt Karrieresprung
Zur Situation der Frau in der Gesellschaft
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Verwirrung
Widersprüche in der Südtirolpolitik
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Durnis Traum vom Fliegen
Die unsichere Zukunft des Bozner Flugplatzes
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Nationalratswahlen in Österreich
Sozialdemokraten auf Platz eins
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Im Sommerloch

Im Sommer haben es die Journalisten schwer. Die Politiker gehen auf Urlaub, die Wähler auch und die Wetterberichte werden wichtiger, als die parteipolitischen Mitteilungen. Wie soll man nun die Gazetten füllen?
Früher hatte man in solchen Notzeiten bewährte Standardmeldungen, zum Beispiel über das Ungeheuer von Loch Ness in Schottland, das in dieser Jahreszeit regelmäßig auftauchte. Südtirol konnte in diesem Sommer allerdings eine Nachricht anbieten, die das Sommerloch voll ausgefüllt hat und immer noch die Gemüter bewegt.
Zur Sache: In Oberwielenbach, einer kleinen Fraktion der Gemeinde Innichen besteht eine Schützenkompanie. Eine junge Frau des Ortes, Claudia Antenbacher, bewarb sich um die Mitgliedschaft in diesem Verein und wurde prompt angenommen. Sie mußte lernen wie man ein Gewehr auseinandernimmt und wieder zusammensetzt, wie man marschiert und exerziert und wie man sich als heimattreuer Schütze zu benehmen hat. Der Vorgang wurde im Ort als selbstverständlich hingenommen, bis die oberste Führung der Schützen davon erfuhr. Diese stellte fest, daß im Reglement weibliche Schützen gar nicht vorgesehen waren, eine Frau in Hosen und mit Gewehr sei eher für einen Fasnachtzug geeignet und folglich sofort zu verbieten. Es wurde darauf hingewiesen, daß bei den Schützen Frauen nur als Marketenderinnen vorgesehen seien, als "Zierde der wehrhaften Männerwelt".
Diese Aussage rief nun unsere stets kämpferischen Feministinnen auf den Plan, die eine solche Diskriminierung nicht hinnehmen wollten. In einer Zeit, da Frauen als Panzerfahrerinnen und Astronautinnen tätig sind, kann man einem Tiroler Madl nicht den Dienst am Gewehr vorenthalten. Übrigens- so wußten es die Feministinnen- sei der Hinweis auf die Marketenderinnen aus historischer Sicht äußerst zweideutig, denn die Marketenderinnen, die seinerzeit zum Troß der großen Heer gehört hatten, waren im Grunde genommen nichts anderes als Sexarbeiterinnen. sprich Huren, die letztlich verhinderten, daß brave Bürgersfrauen vom solchen Zwangsdiensten verschont blieben.
Diese Feststellung erboste die ehrenwerte Kategorie der Marketenderinnen, die sich entschieden dagegen verwehrten in die Kategorie der Huren gestellt zu werden. Es hagelte Proteste und Richtigstellungen, die Diskussion lief aus dem Ruder. Ergebnis: das nette Pusterer Madl mußte trotz ihrer Proteste die Schützenuniform ausziehen und der Schützenbund wahrte die heilige Tradition.

Mitglieder des Schützenverbandes, die ohne Glied sind werden in Zukunft in eigenen Verbänden zusammengefaßt, nach einer entsprechenden Bezeichnung wird noch gesucht, eine Kommission wurde bereits eingesetzt. Zur Wahrung unserer großen Tradition und unserer bewährten Regeln ist es diesen Ohne-Glied-Mitgliedern inzwischen strengstens untersagt Hosen zu tragen und im Stehen zu urinieren

Der Oberoberste Kommandant

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