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Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
22. Jahrgang - Nr.3 Mai/Juni 2006 - erscheint zweimonatlich
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Die Qual mit den Reformen
Die Neuordnung der staatlichen Strukturen
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An den wahren Problemen vorbei
Zur Reform des Sanitätswesens
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Wenn der Sport mißbraucht wird

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Selbsbstimmung: warum nicht zur Schweiz?
Ein provokativ-aktueller Vorschlag
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Südtirol und die österreichische Verfassung

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Prodis Kampf gegen die Liberalisierung

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Israels Staatsterrorismus
Der Krieg im Mittleren Orient
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Hinterfotzigkeit

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Geschichte lernen…

"Lernen`S Geschichte, Herr Redakteur" hat einmal Bundeskanzler Bruno Kreisky einem Journalisten zugerufen, der offensichtliche Mängel in dieser Sparte aufwies. Diese Aufforderung muß man jetzt an jene Politiker und Funktionäre richten, die mit großem Aufwand den 200sten Jahrestag des Tiroler Bauernaufstandes von 1809 feiern wollen. 15 Millionen € will Nordtirols Landeshauptmann Herwig Van Staa dafür aufbringen und es soll ein ganz gewaltiges Spektakel werden. In letzter Zeit hat sich auch Südtirols Kulturlandesrätin Sabine Kasslatter Mur zu Wort gemeldet und angekündigt, daß sie bei diesem Ereignis "nachhaltige und innovative" Projekte fördern will Was sie darunter versteht hat sie nicht geklärt, immerhin gehört sie zu den sogenannten Arbeitnehmer in der SVP und hat zeitweilig sozialdemokratische Anwandlungen.


Wir wissen. daß solche Gedenkfeiern sich meist in großangelegten Sauf-und Freßgelagen erschöpfen, die von der Tourismusindustrie werbewirksam vermarktet werden. Garniert wird das Ganze durch unzählige Ansprachen von Politikern und von Verbandsfunktionären aller Couleurs , die ihren persönlichen, meist bescheidenen Senf dazu geben .
Es wäre eine echte Innovation, wenn man die historische Wahrheit berücksichtigen und mit all jenen Lügen und Geschichtsklitterungen aufräumen würde, die um dieses Ereignis mittlerweile entstanden sind. In diesem Sinne sollte man festhalten , daß es sich 1809 um einen Bauernaufstand gehandelt hat, das Bürgertum war daran kaum beteiligt. Klerikale Kreise hatten die Tiroler Bauern aufgewiegelt und gegen die Reformen mobilisiert, die eine deutsch- bayerische Verwaltung eingeführt hatte. Diese Reformen hatten das Land aus einem Zustand der Rückständigkeit und der Armut befreit und überholte Privilegien der Kirche und des Adels abgeschafft. Diese Reformen richteten sich nicht - wie der Klerus behauptete- gegen den katholischen Glauben, sondern gegen den Aberglauben und die Ignoranz.
Der Sandwirt Andreas Hofer, den die Bauern zu ihrem Anführer ernannten, bewies in dieser Funktion persönli-
chen Mut und Organisationstalent, hatte aber einen äußerst beschränkten politischen Horizont und wurde ein willfähriges Instrument der klerikalen Reaktion. Seine kurze Regierungszeit in der Innsbrucker Hofburg ist durch die Rücknahme aller gesellschaftlichen Reformen gekennzeichnet, dafür gab es Erlasse über die Züchtigkeit der Frauenbekleidung. Auch Hofers unnötiger Heldentod war die Folge seiner falschen Lageeinschätzung, denn der Aufstand war bereits beendet und der französische Militärkommandant Louis Barraguay d´Hillers hatte Hofers Courage anerkannt und ihm Straffreiheit zugesichert.
Deutschnationale Kreise "entdeckten" in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts den biederen, frommen, katholischen, kaisertreuen Andreas Hofer und verwandelten ihn in einen Vorkämpfer der deutschen Reichseinheit. Man unterschlug , daß er und seine Bauern einen mörderischen Bruderkampf gegen die "bayerisch-deutsche Fremdherrschaft" geführt hatten und machte aus ihm einen deutschen Helden, der im Namen des Reiches den Kampf gegen den welschen Napoleon aufgenommen hat. Diese bewußte Geschichtsfälschung wurde systematisch weiter betrieben, so daß selbst die Nazis den Andreas Hofer in ihre Heldengalerie aufnehmen konnten.
Die Tiroler lieben ihre falschen Mythen und pflegen sie intensiv. So werden wir erleben, daß Volk und Führung, ahne Unterschied des Standes und der parteipolitischen Zugehörigkeit, das Jahr2009 mit patriotischer Begeisterung feiern werden. Dazu werden alle die Landeshymne "in Mantua in Banden" singen, deren Text so falsch und verlogen ist, wie die entsprechende Geschichtsschreibung.

e.j.

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