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Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
22. Jahrgang - Nr.3 Mai/Juni 2006 - erscheint zweimonatlich
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Die Qual mit den Reformen
Die Neuordnung der staatlichen Strukturen
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An den wahren Problemen vorbei
Zur Reform des Sanitätswesens
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Wenn der Sport mißbraucht wird

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Südtirol und die österreichische Verfassung

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Prodis Kampf gegen die Liberalisierung

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Israels Staatsterrorismus
Der Krieg im Mittleren Orient
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Geschichte lernen…

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Hinterfotzigkeit

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Selbsbstimmung: warum nicht zur Schweiz?

von Thomas Benedikter

Cossigas unerbetene Selbstbestimmungsofferte hat die SVP sichtlich in Verlegenheit, und alle Selbstbestimmungsverfechter ob der "vertanen historischen Chance" in Entrüstung versetzt. Etwas hat schon recht erstaunt an dieser gütigen Avance des Ex-Staatspräsidenten, der es so gut meint mit dem Tiroler Volk da oben in den Bergen. Zu Österreich dürften wir zurück, ein Freistaat werden oder gar das südlichste Bundesland Deutschlands werden. Da könnte man den neuen Basistunnel am besten gleich nach bis Rosenheim verlängern. Doch eine Option fehlt, für die es eine Fülle guter Argumente gäbe: warum nicht Südtirol als neuer Schweizer Kanton?
Mit der Angliederung Südtirols an die Schweiz hätten doch alle Südtiroler eine Freude, quer durch die Volksgruppen, Parteien und sozialen Gruppen. Die SVP zuallererst, hat doch die christlich-soziale Schwesterpartei auch in der Eidgenossenschaft das Sagen und die schwere Last, in eternum Sammelpartei sein zu müssen, fiele von den Schultern unserer Landesväter.
Auch versprengte Sozialdemokraten bekämen Auftrieb, ist dieser Staat doch per Eid eine "Genossenschaft" mit einer traditions- und noch einflußreichen Sozialdemokratie.
Die Italiener Südtirols hätten nichts zu fürchten, denn der Kanton Graubünden ist genauso dreisprachig wie wir und das Tessin überhaupt italienisch.
Freuen würden sich natürlich die Ladiner, denn Rätoromanen sind in der Schweiz so gleichberechtigt und kulturbewußt, wie es sich die richtigen Grödner gar nie wünschen würden.
Euphorie ohne Zweifel in Südtirols Finanzwelt und unter den Großanlegern: sie müßten ihr Kapital nicht mehr ins Nachbarland transferieren, denn sie wären schon dort und alles Kapital, einschließlich der hinterzogenen Millionen könnte in sicheren Schweizer Franken deponiert werden. Die Unternehmen litten zwar zunächst unter Entzugserscheinungen nach Entfall der lockeren Südtiroler Subventionen, doch die geringeren Steuersätze der Schweiz wären doch nicht zu verachten.
Die Arbeitnehmer Südtirols wären kaum abgeneigt, denn die Schweiz gehört zu Europas Ländern mit den höchsten Löhnen und der niedrigsten Arbeitslosigkeit.
Schon fast in Trance geräten die Direktdemokraten, denn die Schweiz ist die Urheimat gelebter direkter Demokratie. Bei jedem Wetter würde das Volk auf die Dorfplätze gerufen, um über Politikerdiäten abzustimmen: ein Wermutstropfen für die SVP, denn so viel Volk läßt Mächtige nicht immer gut schlafen.
Auftrieb auch für die Freiheitlichen, denn auch in der Schweiz treiben’s Fremdenfeinde á lá Haider bunt, die dort halt Blocher heißen.


Jubel schließlich bei den Transitgegnern, denn der Beitritt zur Schweiz wäre der einzige wirklich wirksame Schritt zur Eindämmung des Transits: erst wenn der EU-Zwang zum grenzenlosen freien Warenverkehr gebannt wäre, könnte man selbst bestimmen, wieviel Verkehr zu welchem Preis durch unsere Täler fließen darf.
Und die Schweiz selbst? So abgeneigt gegenüber diesem Neuzugang könnten sie nicht sein, denn mit den Vinschgern sind sie jüngst gut ausgekommen, die ihrerseits den Schweizern die Calvenschlacht nicht mehr nachtragen. Schließlich käme mit Südtirol ein neuer preisgünstiger Wein- und Apfellieferant hinzu und niemand müßte mehr zwischen Rütli und Brunnen mit der Armbrust Obst von Kinderköpfen schießen.
Aber nichts für ungut, Herr Senator Cossiga: Sie sind im Vorlegen und Zurückziehen von Gesetzesvorhaben so schnell wie Südtiroler beim Watt-Karten-Ausgeben. Da ließe sich die Option "Sag Grüezi zur Schweiz!" beim nächsten Anlauf schon noch einbauen. Zumindest einige dieser seltsamen Älpler da oben würden es Ihnen danken.

Thomas Benedikter

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