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Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
22. Jahrgang - Nr.2 März/April 2006 - erscheint zweimonatlich
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Prodi am Zug
Knapper Sieg der Mitte-Links-Koalition - die SVP behält ihre Positionen
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Nachwahlpanorama
Gewinner und Verlierer dieser Wahl in Südtirol
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Vom Krötenschlucken

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Die SVP-Cliquenwirtschaft
Kein Mut zur Veränderung
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Die Buchbesprechung
Tirolese per scemi
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Der neue Staatspräsident Giorgio Napolitano
Ein Freund Südtirols
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Falsche Politik und dumme Sprüche

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Denkmäler und Symbole

Beide Südtiroler Oppositionsparteien, die Union für Südtirol und die Freiheitlichen, haben in diesen Wochen eine Kampagne gegen die in Südtirol noch bestehenden faschistischen Denkmäler gestartet Angefangen hat die Jungschar in der Union, die eine Plakataktion gestartet hat, in der die Objekte dargestellt sind, die in Südtirol von den Faschisten erreichtet worden sind: das reicht vom Siegesdenkmal in Bozen bis zu den Beinhäusern an den Grenzen in Reschen, Gossensaß und Innichen und umfaßt die verschiedenen Obelisken und Reliefs, die den Faschismus und dessen Führer Mussolini verherrlichen. Die kategorische Aufforderung lautet: weg mit dem faschistischen Dreck!
Die Freiheitlich konnten in diesem Wettstreit nicht nachstehen und erinnerten daran, daß sie bereits vor einem Jahr einen diesbezüglichen Beschlußantrag im Regionalrat eingebracht hatten, der keine Mehrheit gefunden hatte. Sie beklagten, daß sie dabei keine Unterstützung von der SVP und den Grünen bekommen hätten.
Die Thematik der faschistischen Relikte in Südtirol ist seit Jahrzehnten immer wieder angesprochen und debattiert worden., die Protokolle im Landtag und Regionalrat haben bereits Buchumfang. Die Fronten sind dabei ganz klar: die Südtiroler haben stets darauf gedrängt, daß wenigstens die. beleidigenden Sprüche am Siegesdenkmal entfernt und, daß die gröbsten Geschichtsfälschungen, zum Beispiel die Ossarien an den Grenzen, beseitigt würden. Die italienischen Parteien, selbst diejenigen der demokratischen Linken, mußten sich aber dem Druck ihrer Anhänger beugen, die solche Änderungen ablehnten. Die meisten Italiener sehen nämlich diese Denkmäler nicht als "faschistisch", sondern als Zeugen der italienischen Präsenz im Lande an.
Dieses grundlegende Mißverständnis erklärt auch recht skurrile Begebenheiten. So wurde zum Beispiel das große Relief, das heute das Finanzamt von Bozen ziert und das Mussolini hoch zu Ross zeigt, bereits vor dem zweiten Weltkrieg bei einem anerkannten Südtiroler Künstler in Auftrag gegeben, es sollte die Front des Parteihauses der Faschisten von Bozen schmücken. Nach Kriegsende wurde aus dem geplanten Parteihaus das Finanzamt und nun wurde trotzdem in den 50er Jahren das Relief dort angebracht. Man kann sich kaum vorstellen, daß zu dieser Zeit ein Nazirelief auf einem öffentlichen Gebäude in Deutschland oder Österreich hätte angebracht werden können.
Ähnliche Erfahrungen machten gutwillige demokratische Italiener, als sie vor vier Jahren auf Drängen der Südtiroler eine Entschärfung des Siegesplatzes in die Wege leiteten. Auf Vorschlag des damaligen italienischen Bürgermeisters Salghetti wurde der Platz in Friedensplatz umbenannt. Die Rechtsparteien setzten jedoch eine Volksbefragung durch, die diese Namensänderung mehrheitlich ablehnte.


Auch in diesem Falle wurde in der Öffentlichkeit verkündet, man habe ein wichtiges Symbol italienischer Präsenz in Südtirol und kein faschistisches Bauwerk verteidigt. Es ist verständlich, daß die deutschsprachigen Südtiroler sich mit solchen Ausreden nicht zufrieden geben können. Gering ist auch ihr Verständnis für die Restaurierungsarbeiten, die angeblich auf Befehl Roms derzeit am "Siegesdenkmal" stattfinden.
Trotzdem kann man feststellen, daß in gewissen Teilen der italienischen Öffentlichkeit des Landes allmählich ein Umdenkungsprozeß hinsichtlich dieser patriotischen Symbole eingesetzt hat. So marschiert das italienische Militär nicht mehr vor dem Siegesdenkmal auf, solche Demonstrationen sind nur noch den unverbesserlichen Nationalisten von AN und Forza Italia vorbehalten. Selbst in den gemäßigten Kreisen der italienischen Rechten ist man bemüht das Thema aus der politischen Diskussion heraus zu halten.
So erscheint die jetzige massive Plakataktion der Union, die verbal auch von den Freiheitlichen unterstützt wird, weder sinnvoll noch zielführend. Es ist kaum anzunehmen, daß solche Initiativen, die auch in Ton und Stil zu wünschen übrig lassen, tatsächlich zur Beseitigung solcher Relikte führen. Meist ist das Gegenteil der Fall: die nationalistischen italienischen Gruppen bekommen dadurch die Möglichkeit sich als Verteidiger der "italianitá" aufzuspielen und zum Gegenangriff zu blasen. Die politische Atmosphäre wird dadurch vergiftet und die Gemäßigten in beiden Lagern werden in die Defensive gedrängt.
Viel schlimmer als die faschistischen Denkmäler sind die nationalistischen Vorbehalte und Parolen , die in den Köpfen vieler hier lebenden Menschen noch bestehen. Diese Vorurteile beruhen vielfach auf Unwissenheit und auf dem mangelnden Geschichtskenntnissen der Menschen, die deshalb den Hetzparolen nationalistischer Agitatoren auf den Leim gehen. Wenn es gelingt durch Aufklärung und Information dagegen anzukämpfen, werden die faschistischen Relikte ihre Symbolkraft verlieren und schließlich auch abgebaut werden können.

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