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| Leopold Gratz |
Am 2. März starb in Wien Leopold Gratz, einer der prominentesten Sozialdemokraten der Ära Kreisky. Zu den zahlreichen Titeln, die "Poldi", wie ihn seine Freunde nannten, in seinem Leben zugesprochen wurden, ist einer noch hinzuzufügen: Freund und Förderer Südtirols. Diese Freundschaft begann im Herbst 1964, als ich auf Betreiben des damaligen Außenministers Bruno Kreisky auf die Kandidatenliste der SVP für die Wahl zum Landtag gesetzt wurde. Kreisky beauftragte den damaligen Zentralsekretär der SPÖ Leopold Gratz den Südtiroler Gesinnungsfreunden zu helfen.. Gratz veranlaßte, daß ein Verbindungsmann aus der SPÖ Nordtirol, Sepp Greber, diese Aufgabe übernahm. Er selber kam in dieser Zeit mehrmals nach Südtirol und zusammen mit ihm, dem Sepp Greber und unserem gemeinsamen Freund Heinz Damian haben wir die Basis für eine sozialdemokratische Organisation in Südtirol geschaffen.
Nach dem Sieg der SPÖ im März 1970 übernahm Gratz das Unterrichtsministerium, zur großen Maifeier in Wien
lud er den gesamten Vorstand der Sozialen Fortschrittspartei Südtirols ein. In dieser Funktion hat Gratz Initiativen für Südtirol ergriffen, die von landespolitischer Bedeutung waren. Dazu gehörte die Verwirklichung eines geförderten Wohnbaues im Viertel Haslach in Bozen, ein wichtiges Unterfangen, das von seinem Nachfolger Fred Sinowatz konsequent weiter geführt wurde. Auch in den folgenden Jahren, als Gratz Bürgermeister von Wien und später Außenminister geworden war, konnten die Südtiroler Genossen stets auf seine aktive Hilfe und Unterstützung rechnen. Die persönlichen Beziehungen zu ihm bestanden weiter, auch nachdem es keine organisierte Sozialdemokratie in Südtirol mehr gab. Gratz war ein liebenswürdiger Mensch, ein Mann der leisen Töne, ein leidenschaftlicher Parlamentarier und ein profunder Kenner der Geschichte Österreichs. Im Herbst 1985 schuf Gratz anläßlich eines Treffens in Innsbruck die Voraussetzungen für die Herausgabe der "Südtiroler Nachrichten", auch dafür sei ihm noch nachträglich herzlich gedankt.
Egmont Jenny
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