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Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
22. Jahrgang - Nr.1 Jänner/Februar 2006 - erscheint zweimonatlich
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Berlusconi schlagen
Italien wieder auf europäischen Kurs bringen
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Es grünt... die alte SVP-Garde
Politisches Recycling
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Die Petition der Südtiroler Bürgermeister
Eine Bewertung
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Die Meinung der SPÖ dazu

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Zu Heimatpflege und Umweltschutz
Eine kritische Analyse
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Rodeln oder jodeln
Falsche Töne bei Südtiroler Olympiasieg
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"Im Zweifel auf Seiten der Schwachen"
Eine Biographie des Journalisten und Historikers Claus Gatterer
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Tod eines Freundes

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Die Reform der Reform
Wurschtler am Werk
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Forza Italia
Eine Glosse
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Leserbriefe

Wenn ich als kritischer Zeitgenosse den Wirbel um die sogenannte Schützenpetition verfolge wird mir klar, wie verfahren die derzeitige politische Situation in Südtirol eigentlich ist. Die Diskussion verläuft immer entlang alter festgefahrener Schienen. Der ewigen Zitterpartie um die Autonomie, die von unserer mächtigen Partei geschickt zu ihrer Machterhaltung genützt wird, steht die "Italianitá"; die von vielen Italienern im Lande vehement verteidigt wird, gegenüber. Dann gibt es noch eine kleine radikale Gruppe, die auf die Gewährung des Selbstbestimmungsrechtes und den Anschluß an Österreich hin arbeitet. Auf den ersten Blick die einfachste und gerechteste Lösung, aber nach meiner Meinung beim heutigen Ist-Zustand in Südtirol zu blauäugig und nicht mehrheitsfähig. Daß diese konfusen und etwas utopischen Gedankengänge auch bei vielen Jugendlichen immer mehr Anhänger finden konnte ich mich bei einer von den Schützen veranstaltetet Podiumsdiskussion unter dem Titel "Südtirols Jugend ohne Vaterland" selbst überzeugen. Andere Gedanken und Lösungen werden von den Kontrahenten erst gar nicht angedacht. Einen interessanten Beitrag lieferte in diesem Zusammenhang Prof. Romano, früherer italienischer Botschafter in Moskau, Journalist und Autor, als er meinte:" Die Ehe zwischen Italien und Südtirol ist gescheitert". Besser als eine Scheidung könnten jedoch neue Formeln sein. Nach seiner Meinung könnte Italien Österreich eine Art italo-österreichisches Kondominium vorschlagen. Damit wäre die erste europäische Region zwischen zwei Staaten geschaffen. Die Südtiroler könnten durch Abgeordnete sowohl in Wien als auch in Rom vertreten sein und Italien könnte auch einige fundamentale Garantien für die italienische Minderheit in Südtirol verlangen. Soweit Prof. Romano. Ich meine wenn man an einem friedlichen Zusammenleben im Lande interessiert ist und daran führt kein Weg vorbei, sollte man auch über andere zukunftsweisende Lösungen nachdenken.

Franz Pattis , Tiers


Ob man die Petition der 113 und des E.P.Rolle befürwortet oder nicht darüber sind die Meinungen quer durch die Parteien und Sprachgruppen sehr unterschiedlich. Mir scheint allerdings, daß die italienisch sprechenden Südtiroler eine Option noch vollkommen nicht in Betracht gezogen haben. Meiner Meinung nach sollten sich auch die italienisch sprechenden Südtiroler der Petition anschließen und unterschreiben, denn dadurch würde dieses Theater erst richtig ad absurdum geführt und interessant. Die österreichische Regierung, bekannt für ihr sensibles Verständnis und ihren Umgang mit sprachlichen und kulturellen Minderheiten (Slowenen in Kärnten) würde somit sicherlich sofort der bedrohten "italienischen Minderheit" in Südtirol zu Hilfe eilen und einen entsprechenden Vermerk in der Verfassung Österreichs einfügen.

Kurt Duschek , Meran


Es mag stimmen , daß die Petition der Bürgermeister im Moment Unruhe verursacht und manche Kritik herausfordert. Es ist dies ein eher positives Zeichen, denn es bestätigt, daß sich allmählich neue Gedanken durchsetzen und alte, scheinbar zementierte Vorurteile ins Wanken kommen. In diesem Sinne ist auch die vom Botschafter Sergio Romano im "Corriere della Sera" lancierte Idee eines österreichisch -italienischen Condominiums in Südtirol zu bewerten.
Die Zeit der Nationalstaaten geht allmählich dem Ende zu und man kann dies nur mit Befriedigung zur Kenntnis nehmen Das 19. und das 20.Jahrhundert standen im Zeichen des Nationalismus, das Ziel war die Verwirklichung des Nationalstaates. Das Ergebnis war katastrophal. Die Idee, daß Menschen gleicher Sprache in demselben Staat leben müssen, hat sich als falsch erwiesen und war die Ursache für sinnlose mörderische Kriege, in denen sich die Völker Europas zerfleischt haben Diese Irrlehre endete im Rassenwahn der Nazis und in den ethnischen Säuberungen, die nach dem zweiten Weltkrieg zur Norm geworden sind. In Wirklichkeit sind diese Vorgänge ein Zeichen von demokratischer Unreife und Barbarei, ganz gleich, ob sie von Nazis, Kommunisten oder bürgerlichen Nationalisten vom Schlage eines Benes praktiziert werden.
Europa besteht aus einer Vielfalt von Völkern, die zusammenleben müssen und in dieser Solidarität ihr estes geben können; wichtig für das Bestehen der Gemeinschaft ist nicht eine gemeinsame Sprache sondern es sind gemeinsame kulturelle Werte und gesellschaftliche Regeln. Ein Beispiel dafür war, trotz gewisser geschichtlicher Mängel, das Habsburgerreich.
Auf Südtirol bezogen bedeutet dies, daß ein Anschluß Südtirols an die Republik Österreich jetzt weder sinnvoll noch machbar ist. Es wäre eine Scheinlösung nationalistischer Art. Denkbar ist dagegen, daß mit der fortschreitenden Überwindung des Nationalstaates, der nur eine vorübergehende Etappe in der geschichtlichen Entwicklung darstellt, neue Formen der staatlichen Organisation entstehen, die den Wünschen der betroffenen Bevölkerung besser entsprechen

C.L. Meran

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