Suedtirolernachrichten Logo
Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
22. Jahrgang - Nr.1 Jänner/Februar 2006 - erscheint zweimonatlich
| ZUR EINSTIMMUNG... | ARCHIV | KONTAKTIERE UNS|
Spacer
Spacer
Spacer
Berlusconi schlagen
Italien wieder auf europäischen Kurs bringen
Spacer
Spacer
Die Petition der Südtiroler Bürgermeister
Eine Bewertung
Spacer
Spacer
Die Meinung der SPÖ dazu

Spacer
Spacer
Zu Heimatpflege und Umweltschutz
Eine kritische Analyse
Spacer
Spacer
Leserbriefe

Spacer
Spacer
Rodeln oder jodeln
Falsche Töne bei Südtiroler Olympiasieg
Spacer
Spacer
"Im Zweifel auf Seiten der Schwachen"
Eine Biographie des Journalisten und Historikers Claus Gatterer
Spacer
Spacer
Tod eines Freundes

Spacer
Spacer
Die Reform der Reform
Wurschtler am Werk
Spacer
Spacer
Forza Italia
Eine Glosse
Spacer
Spacer
Es grünt... die alte SVP-Garde

von Raeticus

Die Südtiroler Grünen stehen derzeit im Glück: sie bekommen Zulauf und Aufmerksamkeit. Sie können prominente Zugänge vermerken und ihre Ankündigungen beherrschen zeitweilig die Medien. Bei näherem Hinschauen sind die Erfolge allerdings eher bescheiden. Es sind nicht neue junge dynamische Kräfte, die sich in der grünen Partei engagieren, sondern vor allem alte Parteistrategen, die in dieser Formation ein neues politische Leben anstreben.
So hat der Beitritt des alten SVP-Kämpfers Hubert Frasnelli für Aufmerksamkeit gesorgt, besonders sein ehemaliger Kollege in der SVP-Arbeitnehmerschaft, der Europa-Abgeordnete Sepp Kusstatscher hat diesen Schritt gewürdigt. Frasnelli hat in einem Jahrzehnt fast alle Stufen einer brillanten SVP-Karriere erklommen bis hin zum stellvertretenden Partei-Obmann. Sein Hauptverdienst bestand wohl darin, daß er im Auftrag der Parteispitze in der Ära Magnago, von oben herab einen "linken" Flügel in der SVP etabliert hat. Es ging darum eine echte sozialdemokratische Partei in Südtirol zu verhindern und das ist auch schließlich gelungen. Heute noch zehren die sogenannten Arbeitnehmer in der SVP von dieser Tat. Als die "rote Gefahr" in Südtirol gebannt war, sank auch Frasnellis Stern in der SVP und er mußte Jüngeren Platz machen. Er hat das schlecht verkraftet und hofft offensichtlich auf Revanche. Ob er nun mit seinem plötzlichen Bekenntnis zur grünen, multikulturellen, interethnischen, ökosozialen Gesellschaft glaubhaft wirkt, das ist fraglich..
Damit setzt sich in der grünen Partei Südtirols eine Entwicklung fort, die bereits in der letzten Legislaturperiode, die von der Rivalität zwischen Christine Kury und Alessandra Zendron gekennzeichnet war, begonnen hatte.. Kury bestimmte den Kurs: mit der Verpflichtung Sepp Kusstatschers als Kandidat für Brüssel landete sie einen großen Coup, denn die Grünen grasten nun mit Erfolg in den Wähler-Weideflächen der SVP. Das hatte allerdings auch andere Auswirkungen, denn die SVP fühlte sich in ihrem eigenen Bereich herausgefordert, außerdem führte dieser deutsche Zuwachs zum Wegfall eines erheblichen Teiles der vor allem in städtischen Milieu angesiedelten Italiener.
Letztere hatten die Grünen meist nicht wegen ihrer ökologischen Ziele, sondern wegen ihrer entschiedenen Gegnerschaft zur deutschen SVP gewählt. Besonders Alexander Langer hatte auf diesem Klavier recht erfolgreich gespielt und deshalb nationale Bedeutung erlangt Er gilt heute noch vielen Italienern als der Vorkämpfer jener Vermischungspolitik, die in diesen Kreisen immer noch als die wahre Lösung der Südtirolfrage angesehen wird. Die Wahl Kusstatschers nach Brüssel hat wohl den bei den Landtagswahlen durchgefallenen italienischen Grünen Riccardo Dello Sbarba in den Landtag befördert, aber das ethnische Unbehagen in der Partei wurde dadurch eher größer Bei den Gemeindewahlen von Bozen ist die italienische. Wählerschaft der Grünen deutlich geschrumpft.


Es ist schwer verständlich, daß Politiker , die bisher volkstumspolitische Brandreden gehalten haben, nunmehr mit Personen wie Frau Christine Kury zusammenarbeiten können, die diese Volkstumspolitik als völlig verfehlt bezeichnet und sie entschieden bekämpft. Ähnliche Bedenken bestehen auch gegenüber dem Grünen L.Abg. Riccardo Dello Sbarba, der immer wieder Reformen des Autonomiestatutes fordert, die sich nicht von jenen der Postfaschisten und der extrem nationalistischen Michaela Biancofiore von Forza Italia unterscheiden. Die immer wiederholte Forderung nach einer ethnischen Rotation in den hohen Ämtern des Landes, sowie das Verlangen nach einer völlig neuen Schulpolitik sind kaum nach dem Geschmack der Südtiroler.
Die Taktik der jetzigen grünen Führung in allen Wahlkreisen eigene Kandidaten, vor allem Deutsche aufzustellen, ist zweischneidig. Man wird damit der SVP einige Protestwähler abnehmen, aber für welche Politik stehen diese Kandidaten, welche Ziele verfolgen sie? Wenn es darum geht bessere Beziehungen zu den autonomiefreundlichen Italienern herzustellen, so hat die SVP in letzter Zeit wesentlich mehr getan als die Grünen. Das beweist das Abkommen, das die SVP mit Prodi und der Unione, also auch den lokalen Parteien von Mitte-Links, abgeschlossen hat.
Im Rahmen dieses Abkommens haben die Grünen scheinbar die Bedingung gestellt, daß der Grüne Riccardo Dello Sbarba zum nächsten Landtagspräsidenten gewählt werden soll. Als politisches Programm ist dies, auch angesichts der Einstellung des Herrn Dello Sbarba, wohl zu wenig. Es ist auch nicht begreiflich, wie man einerseits mit den nationalen Grünen in Rom als Regierungspartei auftreten und andererseits auf lokaler Ebene eine entschiedene Oppositionspolitik zur SVP betreiben will. Das läßt sich schwer vereinbaren und gerade die Präsenz der alten SVP-Garde im grünen Kleidchen wird die Sache nicht erleichtern. Prodi hat diesbezüglich klare Vorstellungen geäußert und daran werden sich auch die Südtiroler Grünen halten müssen.

  go to the top

Valid HTML 4.01!  Valid CSS!