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Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
21. Jahrgang - Nr.5 September/Oktober 2005 - erscheint zweimonatlich
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Der Bürgersinn hat sich durchgesetzt
Kommentar zum Ergebnis der Gemeindewahlen in Bozen
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Die SVP und der "italienische Südtiroler"
Das Edelweiß übernimmt einen Begriff der Südtiroler Sozialdemokraten
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Armut in einer der reichsten Regionen der EU -kein Handlungsbedarf?
Eine kritische Bestandsaufnahme
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Austriaca
Aus für Schüssels Koalitionsakrobatik?
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Der sprachliche Graben
Ignoranz und Nationalismus gegen das Zusammenleben
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Eine Klarstellung
Die falsche Rolle der SVP-Arbeitnehmer als "Ersatzsozialdemokratie"
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In Erinnerung an Gerhard Riedmann

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Leserbrief

von Hubert von Wenzl
Südtirol-spezifische Demokratie

In Südtirol scheint die demokratische politische Kultur noch immer nicht so weit gediehen zu sein, dass es nicht als selbstverständlich gesehen wird, neben einer allmächtigen "Mutterpartei" noch andere (deutsche) Oppositionsparteien zu haben. Die MP nimmt für sich in Anspruch, allumfassend und im Alleinvertretungsanspruch für alle Südtiroler zu sprechen und zu handeln. Diese so genannte Sammelpartei umfasst eben alle, vom Unternehmer bis zum Arbeiter, und die darin immanenten Widersprüche und Interessenskonflikte werden scheinbar wie von Wunderhand einfach "weggebügelt" (wobei von den "Arbeitnehmern" keine großen Schwierigkeiten und Widerstände geleistet werden). Deshalb wird es geradezu als "Freiheitsanmaßung" angesehen, wenn Leute glauben, dass es auch noch andere Südtiroler Parteien in unserem Land geben soll. Die MP gibt sich gerne als konstruktiv und für alle Schichten das Beste wollend aus. Ob das überhaupt möglich sein kann, ist eine andere Frage. Eine Partei ist eben nun mal eine Interessensvertretung. Der Opposition wird der destruktive Part zugeschoben und unterstellt. Sie schimpft nur, ist immer dagegen, setzt womöglich durch "Experimente" den wirtschaftlichen Wohlstand aufs Spiel und bringt Unruhe und Unfrieden in das friedliche und genügsame Volk. Außerdem gefährdet sie den Fortbestand unserer Minderheit. Dass solche Leute mit ihrem oppositionellen Verhalten ihrer Karriere selbst im Wege stehen, haben sie sich dann selbst zuzuschreiben. So ist es eben nicht möglich, wie in der MP die Karriere "hinaufzufallen". Deshalb verdient sie auch nichts anderes als verfemt und angefeindet, ausgegrenzt und wenn es sein muss, auch lächerlich gemacht zu werden.
Wer das Pro und "Contra" (welches es mangels Redemöglichkeit der Contra-Seite de facto nicht gab) vom 25.10.05 im Fernsehen sah, konnte miterleben, welchen Respekt hohe Exponenten dieser MP vor anderen Meinungen haben. Die Contra-Seite kam durch den Redeschwall des T. Widmann gar nicht zu Wort oder es wurde ihr gleich abgeschnitten. Dass der Moderator es scheinbar nicht wagte, dazwischenzugehen und für Chancengleichheit zu sorgen, passt wunderbar in dieses System. Dass der Zuschauer so nicht mitbekam, welche Argumente die Gegner dieses "Motorsportzentrums" haben, war eben Demokratie und "Meinungsaustausch" auf südtirolerisch. Dass solches Verhalten in Südtirol nun nicht mehr stillschweigend hingenommen wird, zeigt eine wahre Lawine von Leserbriefen in den Dolomiten vom 03.11.2005.

Ich möchte hier einen kleinen Auszug aus der FF vom November 2004 bringen, wo es hieß: "Causa Heiss. Innsbrucker Professor Michael Gehler zeigt dem System Südtirol die rote Karte. Einzigartig in ganz Europa, trage es inzwischen Züge repressiver Regimes. Vor 15 Jahren ist die Berliner Mauer gefallen, wenig später zerbröselte der Ostblock, der Kalte Krieg gehört seitdem der Vergangenheit an. Nicht so in Südtirol, findet Gehler (Historiker und Zeitgeschichtler): ‚Der Kalte Krieg des Gesinnungszwangs unter Ausschaltung alternativen und anderen Denkens scheint hier - wie die Causa Heiss zeigt - offenbar noch Wirklichkeit zu sein.’ Schuld daran sei eine europaweit einzigartige "Einparteienhyperdominanz’".

Deshalb sollte die MP nicht gar so wehleidig tun, wenn die Opposition sich "erdreistet", gegen die weisen Beschlüsse der MP zu stimmen. Die MP geht in den meisten Fällen gar nicht auf die Argumentation der Opposition ein und setzt kraft ihrer "Stärke" ihre Vorhaben (die sowieso dann für alle gut sind) durch.
Hubert von Wenzl, Bruneck

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