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Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
21. Jahrgang - Nr.4 Juli/August 2005 - erscheint zweimonatlich
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Die Herausforderung
LR Theiner versucht gegen viele Widerstände im eigenen Lager das teure und ineffiziente Gesundheitssystem zu reformieren.
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Südtirol und die phantomatische österreichische Nation
Eine Sommerlochdiskussion
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Richtige Entscheidung der SVP-Führung
Volle Unterstützung des italienischen Mitte-Linkskandidaten bei der Gemeinderatswahl in Bozen
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Grünes...

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EinVorschlag zur Stärkung der Rechte und Funktion des Landtages

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Ruck nach Link
Kommentar zur Bundestagswahl
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Meraner Probleme
Die sogenannten Thermen und der Feinstaub
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Das umstrittene und völlig überflüssige Motorsportzentrum in der "Frizzi-Au"

Es gibt in diesem Land einige mit viel Energie vorangetriebene Projekte (wie großzügige Straßenausbauten oder große Löcher im Berg für die Brennerbahn), die Befürworter wie Gegner gleichermaßen auf den Plan rufen. Und dann gibt es südlich von Bozen noch dieses geplante Motorsport- und Fahrsicherheitszentrum, welches zwar viele Gegner, aber keine nennenswerten Befürworter kennt.
Das geplante Motorsportzentrum ist 15 Hektar groß (20 große Fußballfelder), es kostet die Kleinigkeit von 15,5 Millionen Euro (also nur dreimal so viel wie das Fahrsicherheitszentrum in Innsbruck), es hat eine Zone für Schleuderkurse (mit eigenem Gebäude mit Restaurant), eine Motocross-Rennbahn (mit eigenem Gebäude mit Restaurant) und eine Go-Kart-Rennbahn (mit eigenem Gebäude mit Restaurant). Zu den beiden Rennbahnen gehören spezielle Räume zur Erstversorgung verletzter Motorsportler, weshalb die Anlage auch "Fahrsicherheitszentrum" genannt wird. Der Sicherheit dienen vermutlich auch der über zwei Meter hohe Zaun um das gesamte Areal sowie die Überwachung mit Videokameras. Dass es weder ein Konzept für den Betrieb noch für die Finanzierung der Anlage gibt, regt höchstens Krämer und Erbsenzähler auf.
Ein Problem sind nach wie vor die Anrainer. Diese wollen einfach nicht einsehen, dass man in einem Gemeinwesen auch Opfer bringen muss. Sture Zeitgenossen! Es mag ja sein, dass ihre Häuser zwischen Autobahn und Zuggeleise eingezwängt sind, direkt unterhalb der Einflugzone für den Flughafen und nur eine Nasenlänge von der Mülldeponie entfernt liegen. Aber was soll dieses ewige Lamento über Verkehr und Lärm? Landesrat Widmann hat versprochen, dass auf dem neuen Gelände keine Rennen gefahren werden. Die zwei zertifizierten Rennbahnen im Ausführungsprojekt, die Zuschauertribünen, Kartenverkaufsschalter und mobilen Zuschauer-WCs sowie das weiß-schwarz karierte Go-Kart-Starterhäuschen sind nicht weiter von Bedeutung! Wegen des Lärms hat Widmann die Anrainer ohnehin bereits beruhigt: "Keine Angst," sagte er, "ihr werdet nichts von der Anlage mitbekommen. Sie wird von der Autobahn übertönt ..."
Dann sind da noch diese verrückten Naturschützer, die aus der Frizzi Au unbedingt ein Biotop machen wollen. Weil die Etsch von Meran bis Salurn nur mehr ein Kanal sei und die Frizzi Au die letzte Möglichkeit, die Etsch in nennenswertem Maße aufzuwerten. Verbunden mit einem Naherholungsgebiet sowie der Möglichkeit, die gesamte Frizzi Au bei Hochwassergefahr zu überfluten, sei der Südtiroler Bevölkerung mehr gedient als mit einer Rennbahn. - Naturschützer? Pah! Ignoranten! Träumer! Spinner!
Die Pazifisten, die sich am benachbarten IVECO-Testgeländes für Militärfahrzeuge stoßen, ignoriert man am besten völlig. Gut, es hat ein paar "Gschäfterln" gegeben, um einen lukrativen Grundstückstausch abzuwickeln, aber das gehört dazu. Und von wegen "zu
teuer" - Blödsinn! Wer bis jetzt noch nicht kapiert hat, dass für Südtirol nur das Beste und Teuerste gerade gut genug ist, ist rückständig und soll auswandern!
Dann gibt es noch ein paar besonders Hartnäckige, die nicht nur die Rennbahnen, sondern auch das Fahrsicherheitszentrum als solches in Frage stellen. Gut, es gibt bereits zwei Zentren in der Nähe (Innsbruck - ÖAMTC und Ala - ACI). Gut, bereits heute absolvieren Südtiroler dort sowohl ihr Fahrtechniktraining (Rettung, Feuerwehr, LKW-Fahrer usw.) als auch ihr Fahrsicherheitstraining (Führerscheinneulinge).
Trotzdem: Südtirol braucht ein eigenes Fahrsicher-heitszentrum! Nicht wegen der Verkehrssicherheit. Nein, damit die Rennbahnen legitimiert werden. Endlich verstanden?
Wir können doch nicht von den (neben den Baufirmen) einzigen Profiteuren der Anlage, nämlich den Motorsportlern, verlangen, dass sie sich öffentlich für ihren sündteuren Männerspielplatz starkmachen. Schließlich wollen wir unsere Brumm-Brumm-Artisten nicht dem Sozialneid des Pöbels preisgeben.
Unser Verkehrslandesrat tut gut daran, den Bau des Motorsportzentrums weiter voranzutreiben. Denn ein Grundpfeiler unserer Südtiroler Politik ist der Minderheitenschutz - und eine Minderheit sind die Motorsportler allemal.

Klaus Prokopp
Der Verfasser ist Geschäftsführer des Dachverbandes für Natur- und Umweltschutz. Mehr Informationen zur Frizzi Au gibt es unter www.umwelt.bz.it/frizzi


DIE UMWELTSPINNER...


Wie oft sind in den letzten Jahrzehnten die Verteidiger der Umwelt als übereifrige Sektierer, als Feinde des Fortschrittes, ja sogar als Spinner bezeichnet worden? Immer dann, wenn im Zeichen der Wirtschaft und der Spekulation Eingriffe in die Natur erfolgt sind, wenn Gebiete, die bisher als gefährdet galten, erschlossen, wenn Bäche und Flußläufe korrigiert und reguliert, wenn neue Straßen in riskantem Gelände errichtet worden sind, haben sich auch in unserem Lande Menschen gefunden, die nicht nur davor gewarnt, aber auch dagegen angekämpft haben.
Sehr oft haben die meist finanzstarken Modernisierer den Kampf gewonnen. Unter dem Motto "das ist heutzutage kein Problem mehr" oder "das kriegen wir technisch bestens hin" wurden alle Bedenken über Bord geworfen und es wurde an Hand von wohlbedachten Plänen die Landschaft neu geordnet.
Dann kam plötzlich die Rache der Natur. Sogenannte harmlose Bäche und Flüsse rissen in wenigen Stunden die, laut Behörden, sicheren Bauten weg, richteten schwere Schäden an und "verwandelten" die Landschaft auf ihre Art.. So ist es in diesen Sommer im gesamten Alpengebiet geschehen und nun redet man über die Jahrhundertflut und den Klimawandel.

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