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Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
21. Jahrgang - Nr.4 Juli/August 2005 - erscheint zweimonatlich
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Die Herausforderung
LR Theiner versucht gegen viele Widerstände im eigenen Lager das teure und ineffiziente Gesundheitssystem zu reformieren.
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Richtige Entscheidung der SVP-Führung
Volle Unterstützung des italienischen Mitte-Linkskandidaten bei der Gemeinderatswahl in Bozen
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Grünes...

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EinVorschlag zur Stärkung der Rechte und Funktion des Landtages

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Ruck nach Link
Kommentar zur Bundestagswahl
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Das umstrittene und völlig überflüssige Motorsportzentrum in der "Frizzi-Au"

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Meraner Probleme
Die sogenannten Thermen und der Feinstaub
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Eine Sommerlochdiskussion

Südtirol und die phantomatische österreichische Nation

Das Sommerloch ist in Südtirol durch eine Diskussion zwischen dem ehemaligen italienischen Staatspräsidenten Francesco Cossiga und dem Landeshauptmann Luis Durnwalder belebt worden. Cossiga hatte in einer Stellungnahme festgestellt, daß die Südtiroler eine deutsche Minderheit im italienischen Staat seien, Durnwalder korrigierte ihn und sprach von den Südtirolern als Teil einer "österreichischen Nation".
Durnwalders These ist entschieden falsch, denn es gibt keine österreichische Nation. Eine solche Bezeichnung hat weder eine geschichtliche noch eine sozialpolitische Berechtigung. Die Habsburger, die über Jahrhunderte hinweg von Wien aus den Vielvölkerstaat regierten, waren deutsche Fürsten und haben dies immer deutlich betont. Sie blieben es auch, als sie 1806 den Titel als römische Kaiser deutscher Nation ablegen mußten. Im Reiche der Habsburger erlebte die deutsche Kultur einen ihrer Höhepunkte, sie prägte dieses Staatsgebilde, ohne die Rechte der anderen Völker einzuschränken. Nicht nur die Treue zum Herrscherhaus, sondern auch die Besinnung auf gemeinsame Werte waren der entscheidende Kitt dieser Gemeinschaft.
Mit dem aufkommenden Nationalismus des 19. Jahrhunderts gewann auch eine großdeutsche Bewegung, die sich gegen den Vielvölkerstaat richtete, an Bedeutung. Dazu trug der Sieg Preußens über Österreich-Ungarn im Jahre 1866 bei, denn nun übernahm Preußen die Führungsrolle innerhalb der deutschen Länder und Fürsten. Dies mündete in der Gründung des Deutschen Reiches und endete schließlich in der Tragödie des Ersten Weltkrieges.
Nach der Zerstückelung des Vielvölkerstaates blieb ein deutsches Restösterreich zurück, das in verschiedenen Volksabstimmungen den Beitritt zum deutschen Reich forderte, daran aber durch die Siegermächte gehindert wurde. Der Diktatfrieden von Versailles förderte das Aufkommen von autoritären Regimes in zahlreichen europäischen Staaten, wobei das faschistische Italien und das nationalsozialistische Deutschland die Akzente setzten. Besonders der rassistisch gefärbte Pangermanismus des Österreichers Hitler, der in Berlin an die Macht gekommen war, erschütterte die erste österreichische Republik in ihren Grundfesten. Um sich gegen die starken Anschlußbestrebungen in der Bevölkerung zu wehren, erfanden die Austrofaschisten, die seit 1934 Österreich diktatorisch regierten und die sich zeitweilig als "die besseren Deutschen" bezeichneten, die "österreichische Nation".
Mit der Niederlage Hitlerdeutschlands beschlossen die Siegermächte, Österreich wiederherzustellen. Diese zweite österreichische Republik zeichnete sich dadurch aus, daß sie jede Verbindung zum Deutschtum leugnete. Man wollte damit die Mitverantwortung am Nationalsozialismus und seinen Verbrechen ebenso wie die berechtigten Wiedergutmachungsansprüche der Opfer ignorieren.


Diese geschichtliche Lüge hat die Entwicklung der österreichischen Gesellschaft bis heute in negativer Weise beeinflußt. Eine schlampige Entnazifizierung - beide großen Parteien haben großzügig alte Nazis in ihre Reihen aufgenommen - sowie der beginnende kalte Krieg haben dazu beigetragen, daß die peinliche Vergangenheit unter den Teppich gekehrt wurde.
Mit der Auflösung des Vielvölkerstaates in Saint Germain im Jahre 1919 ging auch die Zerreißung des historischen dreisprachigen Tirols einher. Südtirol wurde Italien einverleibt und das Königreich Italien betrieb eine brutale und systematische Entdeutschungspolitik. Hitler und Mussolini beschlossen schließlich die "Heimkehr der Südtiroler ins Reich". Nur der verlorene Krieg der Achsenmächte hat dies verhindert.
Obwohl Südtirol nie zur österreichischen Republik gehört hat, ist es stets ein zentrales Anliegen der Regierenden in Wien und Tirol geblieben. Nachdem alle Bemühungen gescheitert waren, eine Grenzverschiebung zu erreichen, ging es darum, den deutsch-österreichischen Charakter Südtirols zu erhalten. Das ist schließlich in einer von Rom mühsam erkämpften Autonomieregelung gelungen, die den Bestand dieser deutschsprachigen Minderheit innerhalb des italienischen Staates weitgehend garantiert. Meilensteine in diesem langen Kampf waren das Gruber-Degasperi-Abkommen des Jahres 1946 und die Intervention durch Bruno Kreisky bei den Vereinten Nationen vom Jahre 1960.
Es war übrigens Außenminister Kreisky, der erstmals in diesem Zusammenhang von der "österreichischen Minderheit" in Italien sprach. Er tat dies, um die Angriffe italienischer Diplomaten und Presseorgane zu parieren, die Südtirols Bestrebungen nach Autonomie als revanschistische pangermanistische Aktionen zu diffamieren versuchten. In demselben Sinne wurde diese Diktion auch von den Südtiroler Sozialdemokraten verwendet. Bei aller Würdigung der politischen Verbundenheit mit Österreich gibt es keine Anhaltspunkte um die Südtiroler einer phantomattischen österreichischen Nation zuzuordnen. E.C.L.

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