Suedtirolernachrichten Logo
Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
21. Jahrgang - Nr.3 Mai/Juni 2005 - erscheint zweimonatlich
| ZUR EINSTIMMUNG... | ARCHIV | KONTAKTIERE UNS|
Spacer
Spacer
Spacer
Ängste
Die wirtschaftliche Stagnation und der Terror fördern in Europa populistische und nationalistische Reaktionen.
Spacer
Spacer
Gemeindewahl in Bozen
Die Offensive der autonomiefeindlichen Rechten
Spacer
Spacer
Der Embryonen-Eiertanz
Betrachtungen zum gescheiterten Referendum
Spacer
Spacer
Südtirol und der Kosovo
Plädoyer für ein unabhängiges Kosovo
Spacer
Spacer
Teure Sitze für den Landtag

Spacer
Spacer
Der Jugendlichkeitswahn
Eine satirische Erzählung
Spacer
Spacer
Bundestagswahlen in Deutschland
Merkels seltsamer Wunschtraum
Spacer
Spacer
Leserbrief

Anläßlich des zehnten Jahrestages des Todes des Politikers Alexander Langer ist eine Art von "Heiligsprechung" im Gange, die merkwürdige Züge angenommen hat. Sicherlich war Langer ein äußerst intelligenter und fähiger Politiker, aber manche seiner Aktionen und Zielsetzungen haben sich als irreführend und sogar falsch erwiesen.
So hat die "Tageszeitung" erst vor kurzem einen Bericht über die Tätigkeit Alexander Langers als Professor am Lyzeum von Bozen veröffentlicht und dabei Unterlagen und Bewertungen des damaligen Direktors Oswald Sailer benützt. Laut Darstellung der "Tageszeitung" steht auf der einen Seite der deutschnationale Sailer mit seinem reaktionären Lehrkörper und auf der anderen Seite der strahlende und fortschrittliche Langer, der endlich frischen Wind in den Schulbetrieb einbringt.
Das stimmt nicht und ist eine Beleidigung aller Lehrpersonen, die damals an dieser Schule tätig waren. Ich habe viele von ihnen persönlich gekannt, etliche hatten am eigenen Leibe Faschismus und Nationalsozialismus erlebt und waren nun ehrlich bemüht, die vom italienischen Faschismus zerstörte deutsche Schule wieder aufzubauen.
Es war Langers Auftrag als Lehrperson, den jungen Leuten die Grundlagen der Philosophie und der Geschichte beizubringen und sie zum selbständigen Denken zu erziehen. Er hat diesen Auftrag nur sehr mangelhaft erfüllt, aber dafür eine systematische Agitation und Indoktrination betrieben, die mit dem Geist eines klassischen Lyzeums völlig unvereinbar war und ist. Es war die Pflicht des Direktors Sailer, diese offensichtlichen

Fehlleistungen des jungen Lehrers aufzuzeigen und ihn an seine Verpflichtungen zu erinnern. Wenn der Autor des Artikels Christoph Franceschini dies mit der angeblichen deutschnationalen Einstellung des Direktors begründet, so ist dies eine unkorrekte und perfide Unterstellung.
Langer begründete seine Handlungsweise mit seiner Mitgliedschaft bei lotta continua, einer Bewegung, welche die politische Gewalt und die Revolution predigte. Ihr Endziel war die Zerstörung der bestehenden Gesellschaftsordnung. In diesem Sinne rief Langer seine Schüler zu Streikaktionen, auch außerhalb der Schule auf und seine Agitation war so erfolgreich, daß einige Schüler zeitweilig in ihrer Lebenshaltung völlig verunsichert wurden. Wie weit diese Agitation den Schulbetrieb lahmlegte und sabotierte, beweist der Umstand, daß Langer mit seinen Schülern eine sogenannte politische Notengebung vereinbarte. Das bedeutete in der Praxis die Negierung jedes Leistungs- und Lernprinzips.
Auch aus heutiger Sicht glaube ich, daß der von Langer damals vorgeschlagene Weg ein gefährlicher Irrweg war, der großen und nachhaltigen Schaden angerichtet hat. Meines Wissens hat er sich dafür nie entschuldigt. Wenn gewisse Kreise dafür Alexander Langer heute besondere Verdienste andichten möchten, so bin ich entschieden dagegen. Ich finde dies falsch und unehrlich auch gegenüber den Lehrpersonen, die in schwierigen Zeiten die Grundwerte dieser sicherlich nicht perfekten freiheitlich-demokratischen Gesellschaft verteidigt haben.

Name ist der Redaktion bekannt

  go to the top

Valid HTML 4.01!  Valid CSS!