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Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
21. Jahrgang - Nr.3 Mai/Juni 2005 - erscheint zweimonatlich
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Ängste
Die wirtschaftliche Stagnation und der Terror fördern in Europa populistische und nationalistische Reaktionen.
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Der Embryonen-Eiertanz
Betrachtungen zum gescheiterten Referendum
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Leserbrief

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Südtirol und der Kosovo
Plädoyer für ein unabhängiges Kosovo
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Teure Sitze für den Landtag

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Der Jugendlichkeitswahn
Eine satirische Erzählung
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Bundestagswahlen in Deutschland
Merkels seltsamer Wunschtraum
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Gemeindewahl in Bozen

Rathaus von Bozen

Nun geht die Bozner Gemeindewahl in die zweite Runde und diese verspricht nicht weniger spannend zu werden als die erste. Denn das "rechte italienische Bozen" wird wieder alles daransetzen, um bei der Bürgermeisterwahl die Nase vorn zu haben. Die Postfaschisten und ihr Anhang hatten es besonders ausgekostet, daß es ihnen gelungen war, mit dem bescheidenen Vorsprung von sieben Stimmen die SVP und die mit ihr verbündeten italienischen Parteien der linken Mitte zu schlagen. Bozen ist immer noch die Hochburg des italienischen Nationalismus, die Stadt, in der man ohne Deutschkenntnisse leben kann, in der man in kolonialer Abgehobenheit den beleidigenden Spruch des Siegesdenkmals (von hier aus ...) als Lebensweisheit verwenden darf, hier können unter der verschwommenen Bezeichnung des "disagio" alle nationalistischen Vorurteile gegen die Fremdstämmigen und ihre Autonomie gepflegt und verbreitet werden.
Aber es gibt auch ein anderes italienisches Bozen, das viel leiser und diskreter auftritt, das keine großen Schlagzeilen macht, das dafür intensiv bemüht ist, Bozen als die Landeshauptstadt aller hier lebenden Menschen zu etablieren, um es gleichzeitig weltoffener und aufgeschlossener zu gestalten. Dieses italienische Bozen, das mit der Geschichte und der Tradition Südtirols vertraut ist, hat es bisher nicht leicht gehabt. Auf der einen Seite stand und steht eine in Minderheit geratene deutsche Bevölkerung, die oft mit berechtigtem Mißtrauen den Gang der Dinge verfolgt und in einer Abwehrstellung verharrt, auf der anderen Seite ein wesentlicher Teil der italienischen Stadtbevölkerung, die, aufgeputscht durch pseudopatriotische Agitatoren, Bozen zu einem Gegenpol zum deutschen Land machen möchte.
Mit dem Bürgermeister Salghetti Drioli ist es dem fortschrittlichen italienischen Bozen im Zeichen einer Mitte-Linkskoalition mit der SVP gelungen, über Jahre hinweg der Stadt Bozen eine stabile Regierung zu geben und eine Reihe von Vorhaben zu verwirklichen. Es wurden

auch heiße Eisen, wie das leidige Problem des Siegesplatzes angefaßt. Auch wenn in dieser Frage letztlich die Scharfmacher gesiegt haben, so hat dies doch zu einer kritischen Reflexion in der Bevölkerung geführt. Leider ist Salghetti Drioli auch wegen taktischer Fehler der SVP nicht mehr gewählt worden.
Diesmal muß es von vornherein klappen, Mitte-Links und SVP können sich keine Pannen mehr leisten. Was die Rechten zu bieten haben, haben sie recht anschaulich in den vergangenen Wochen gezeigt. Benussi, der bürgerliche Vorzeigekandidat, kann seine postfaschistischen Truppen nicht einbremsen, er muß nach ihrer Pfeife tanzen.

Premier Silvio Berlusconi mit Michaela Biancofiore, Vertreterin von Forza Italia, bei der Siegesfeier am Siegesplatz in Bozen.

Es war deshalb richtig und konsequent, daß die SVP sich auf gar keine Spielchen mit Benussi und seinem Troß eingelassen hat. Das wäre nur auf Kosten der aufgeschlossenen und autonomiefreundlichen Italiener gegangen und hätte das Klima sehr belastet.
Bezeichnend für den Geist und die Einstellung auch der sogenannten gemäßigten italienischen Rechten war die Siegesfeier der Benussikoalition am Siegesplatz. Wiederum hat Frau Biancofiore bewiesen, daß sie zu diesem Land und zu seiner Bevölkerung überhaupt keine Beziehung hat. Mit ein paar auswendig gelernten deutschen Sätzen ist es wirklich nicht getan. Auch sollte sie ihrem Chef Berlusconi flüstern, daß sein recht banaler Stil keineswegs geeignet ist, Vertrauen zu erwecken und daß sein Versprechen, nach Bozen zurückzukehren, um Benussi zu unterstützen, selbst den eigenen Anhängern keine Freude bereiten dürfte. Der Wahlkampf wird spannend und es steht viel auf dem Spiel. Die fortschrittlichen Bürger deutscher und italienischer Sprache können und müssen ihn gewinnen.

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