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Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
21. Jahrgang - Nr.2 März/April 2005 - erscheint zweimonatlich
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Es hat sich etwas verändert
Zum Ergebnis der Bozner Gemeindewahlen
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Erinnern statt Verdrängen
Der Völkermord an den Armeniern im Jahre 1915
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Das Kabinett Berlusconi 2
Der Lack ist ab
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Abkehr vom zentralistischen Nationalstaat
Ein Tabu wir in Frage gestellt
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Vom Zwang des Machbaren
Eine Betrachtung von Herbert Rosendorfer
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Leserinbrief

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Der mißlungene Coup

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Die Sprachgruppenerklärung

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60 Jahre danach

Der schwierige Umgang mit der Vergangenheit

von Raeticus

Mit der Kapitulation Hitler-Deutschlands war der Krieg beendet und Europa vom Nationalsozialismus befreit. Um dieses Ereignis zu feiern, hat der russische Präsident Putin nach Moskau zu einer Siegesparade geladen. Mit dabei war auch der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder. Man muß allerdings hinzufügen, daß der 8. Mai 1945 von den betroffenen Völkern immer noch unterschiedlich bewertet wird.
So versuchen Exponenten der heutigen Führungsschicht Rußlands, die Figur des Josip Stalin zu rehabilitieren und seine brutale Unterdrückungs- und Eroberungspolitik als Teil des großen vaterländischen Krieges zu rechtfertigen. Fest steht aber, daß die Rote Armee in allen Ländern, in denen sie einmarschiert ist, eine kommunistische Diktatur errichtet hat, die über Jahrzehnte hinweg von Moskau gestützt worden ist. Es ist also verständlich, daß die Balten, Polen, Ungarn, Bulgaren, Rumänen und natürlich die Ostdeutschen das Wort Befreiung nicht gerne in den Mund nehmen. Willkür, Deportationen, Beseitigung aller bürgerlichen Freiheiten waren das Kennzeichen dieser kommunistischen Regime. Selbst gegen die kommunistischen Genossen setzte Moskau Waffengewalt ein, wenn diese sich nicht mehr bedingungslos unterordneten, siehe Ungarn und die Tschechoslowakei.
So hat US-Präsident Bush durchaus recht, wenn er auf diese russischen Gedächtnislücken hinweist. Allerdings muß auch er daran erinnert werden, daß die USA samt den Westmächten nicht nur der Teilung Europas in Einflußzonen zugestimmt, sondern die barbarischen Vertreibungen deutscher Bürger aus ihrer angestammten Heimat widerspruchslos hingenommen haben. Erst mit der gewaltigen und eindrucksvollen Tat der Luftbrücke für Berlin im Jahre 1949 haben die USA dem imperialistischen Expansionismus der Sowjets Einhalt geboten. Mit dem transatlantischen Pakt und der Aufrüstung Europas wurde schließlich die Freiheit der westlichen Welt gewahrt und der Niedergang des russischen Sowjetreiches eingeleitet.
Auch Österreich feiert in diesen Tagen seine Wiedergeburt als zweite Republik. Bereits im April 1945 waren die russischen Truppen in die damalige Ostmark eingedrungen und hatten nach der Einnahme von Wien die Bildung einer österreichischen Regierung ermöglicht. Auch hier war die Befreiung nicht schmerzlos; Vergewaltigungen und Plünderungen waren an der Tagesordnung. Schließlich profitierte Österreich von der frommen Lüge, es sei eines der ersten Opfer Hitlers gewesen. Diese machte es möglich, daß die Österreicher ihre massive Verantwortung am NS-Regime und seinen Verbrechen schlechthin verdrängten. Immer wieder wird Österreich von dieser unbewältigten grausamen Vergangenheit eingeholt, so mancher braune Schandfleck wurde unter den demokratischen Teppich gekehrt und das nicht nur in Kärnten. Bundespräsident Heinz Fischer und der Wiener Kardinal Christoph Schönborn setzten ein mutiges und deutliches Zeichen, indem sie dieses Jahr die Feier zum Kriegsende in das oberösterreichische Konzentrationslager Mauthausen verlegten, wo Menschen aller Nationen Schreckliches erdulden mußten.


Italien will mit dem Gedenken an den 25. April 1945 seine demokratische Wiedergeburt unterstreichen. Nachdem die Kapitulation der deutschen Truppen in Italien bereits eingeleitet war, besetzten an diesem Tag Partisanengruppen die norditalienischen Städte. Obwohl die sogenannte "Resistenza" während des Krieges nur einen geringe militärische Bedeutung hatte, wurde sie nun zu einem wichtigen politischen Signal.
Und wie hat die Bevölkerung Südtirols das Kriegsende erlebt? Die italienische Bevölkerung, die im Zeichen einer nationalistischen Kolonialisierung ins Land gekommen war, sah sich nun wieder in ihren Rechten bestätigt, der gesamte faschistische administrative Apparat samt Justiz blieb unverändert, neben den Amerikanern rückten italienische Truppen im Land ein. Die Deutschsprachigen mußten mit Enttäuschung feststellen, daß keine Chance für eine Rückgliederung des Landes an Österreich bestand, die einheimischen Nazis versteckten sich, ebenso wie die italienischen Faschisten, hinter dem "nationalen Interesse" und entgingen somit jeder Bestrafung.
Trotz aller Unterschiede in der kritischen Beurteilung dieses historischen Datums und seiner Folgen, muß man festhalten, daß am 8. Mai 1945 für Europa eine von Krieg, Verbrechen und Verwüstungen gezeichnete Epoche zu Ende gegangen ist. Sie hatte begonnen, als der Österreicher Adolf Hitler als Führer der Nationalsozialisten am 30. Jänner 1933 zum deutschen Reichskanzler berufen wurde. Das Regime, das den Rassismus, die Beseitigung der Demokratie und die Unterdrückung anderer Völker zum politischen Leitbild erhob, steuerte bewußt auf den Krieg zu, den es mit beispielloser Brutalität und Härte, auch gegen das eigene Volk, bis zum bitteren Ende führte.

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