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Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
21. Jahrgang - Nr.2 März/April 2005 - erscheint zweimonatlich
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Es hat sich etwas verändert
Zum Ergebnis der Bozner Gemeindewahlen
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Erinnern statt Verdrängen
Der Völkermord an den Armeniern im Jahre 1915
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Das Kabinett Berlusconi 2
Der Lack ist ab
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Abkehr vom zentralistischen Nationalstaat
Ein Tabu wir in Frage gestellt
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Vom Zwang des Machbaren
Eine Betrachtung von Herbert Rosendorfer
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Leserinbrief

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Der mißlungene Coup

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Der schwierige Umgang mit der Vergangenheit
Zum 60. Jahrestag des Kriegsendes
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Die Sprachgruppenerklärung

Endlich ist in Brüssel und im Ministerrat in Rom die Sprachgruppenerklärung in der neuen Form genehmigt worden. Der erzielte Kompromiß ist durchaus akzeptabel, weil er den Grundsatz der Zählung der Minderheit aufrechthält und gleichzeitig die Normen der sogenannten privacy achtet.
Nicht zufrieden damit sind der Verein Convivia und auch der grüne Abgeordnete Riccardo Dello Sbarba. Convivia hatte die ganze Prozedur in Brüssel in Gang gebracht und will weiterhin "Verbesserungen" verlangen. Verständlich ist eine solche Logik nur, wenn man davon ausgeht, daß "man" grundsätzlich die Minderheitenzählung ablehnt. Der Einwand, man wolle doch nur den jungen Leuten die Wahl zwischen den Sprachgruppen offenlassen, ist nichts anderes als die Wiedererweckung des von den Faschisten geprägten Begriffes des "allogeno", der keine nationale Identität hat. Deshalb wurde von Convivia immer wieder der Versuch unternommen, neue Sprach-Untergruppen zu schaffen, die es in Wirklichkeit nicht gibt. Damit wäre die praktische Anwendung des ethnischen Proporzes unmöglich.
Die Zugehörigkeit zu einer Volksgruppe ist immer eine persönliche Entscheidung. In Grenzgebieten gibt es immer Leute, die aus verschiedensten Überlegungen heraus in eine andere Gruppe wechseln. Aber eine Minderheit existiert nur, solange es Menschen gibt, die sich dazu bekennen und mit dieser Erklärung die Zugehörigkeit zu ihrem Kulturkreis bezeugen. Es gibt den interethnischen Menschen nicht.
Derzeit nutzt die Anwendung des ethnischen Proporzes in der Praxis fast ausschließlich der italienischen Volksgruppe in Südtirol. Sie hat dadurch die Möglichkeit, die ihr zustehenden Stellen zu besetzen, ohne der massiven Konkurrenz von Kandidaten aus dem gesamten Staatsgebiet ausgesetzt zu sein. Ginge es nämlich nur um die Zweisprachigkeit, so hätten die Deutschsprachigen die Nase vorn und könnten fast alle zu vergebenden Stellen besetzen.
Wenn einmal in Südtirol die Zweisprachigkeit zur Selbstverständlichkeit geworden ist, verliert die Norm des ethnischen Proporzes weitgehend ihre Bedeutung. Deshalb sollten sich die Mitglieder von Convivia besonders für die perfekte Erlernung beider Landessprachen einsetzen. Sie würden damit ihren italienischen Mitbürgern mehr nützen als mit ihren bürokratischen Quengeleien.

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