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Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
21. Jahrgang - Nr.1 Jänner/Februar - erscheint zweimonatlich
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Die Bombenjahre im Film
Eine kritische Beurteilung
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Ignoranz oder Arroganz?
Zum Stellenwert der Opposition in Südtirol
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Die Minderheiten und die große Politik
Das Beispiel von Schleswig Holstein
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Aus Landtag und Region

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Die Erlebnisgesellschaft
Eine Erzählung von Herbert Rosendorfer
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Kurbad Meran
"Gesundheit und Wohlbefinden made in Südtirol"
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Ein fraglicher Sieg
Was wird aus der Bezirkszeitung "Der Vinschger"?
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Qualität und Quote
Zur Brixner Tagung über Radio und Fernsehen
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Gemeindewahlen

Nun laufen im ganzen Land die Vorbereitungen zur Listenerstellung für die Gemeinderatswahlen vom 8. Mai. Es fällt auf, daß diesmal die Bürgerlisten deutlich an Zahl zunehmen, meist auf Kosten der SVP und gegen sie. Aber es gibt auch Bürgerlisten, die gar keine besondere politische Kennzeichnung haben und aus ganz spezifischen lokalen Gegebenheiten entstehen. Es zeigt sich, daß die sogenannte Sammelpartei längst nicht mehr alle Interessengruppen der Bevölkerung vertritt und deshalb in der Defensive ist. Auch die Möglichkeit der Verleihung des sogenannten kleinen Edelweißes kann diese Entwicklung nicht aufhalten.

Das Rathaus von Bozen.

Das ist eine erfreuliche Tatsache, denn sie zeigt, daß die Meinungsvielfalt sich selbst gegen die ethnischen Frontstellungen durchsetzt. Am Land spielt das ethnische Moment sowieso kaum eine Rolle, denn da ist die deutsche und ladinische Volksgruppe eindeutig in der Mehrheit. Trotzdem versucht man auch dort, die kleineren italienischen Gruppen in das lokale politische Geschehen einzubeziehen und jede Form der Ausgrenzung zu vermeiden. Das ist eine kluge und weitsichtige Politik, die der italienischen Rechten den Boden unter den Füßen wegnimmt. In dieser Perspektive erscheint der Aufruf der lokalen Chefin von Forza Italia Micaela Biancofiore zur Italianisierung der Südtiroler Täler als völlig wirklichkeitsfremd und lächerlich.
Solche Töne werden selbst in der Landeshauptstadt Bozen, wo die italienische Bevölkerung eine Zweidrittelmehrheit hat, als propagandistischer Klamauk abgetan. Hier gibt es eine echte politische Auseinandersetzung zwischen einer Mitte-Links- und einer Mitte-Rechts-Koalition. Die Mitte-Links-Koalition hat in der vergangenen Legislatur unter der Führung des Bürgermeisters Giovanni Salghetti-Drioli und mit der aktiven Unterstützung der SVP die Stadt verwaltet. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Natürlich hat es auch Spannungen gegeben, so zum Beispiel anläßlich des Referendums um die Rückbenennung des Siegesplatzes, den man kurzfri-
stig in Friedensplatz umbenannt hatte. Auch bei dieser
Gelegenheit hat der Stadtrat unter Führung von Bürgermeister Salghetti politisches Fingerspitzengefühl bewiesen und den Schaden begrenzt. Immerhin sind jetzt, nach 30jähriger Auseinandersetzung, am sogenannten Siegesplatz Tafeln errichtet worden, die über die historischen Zusammenhänge des Denkmalbaus informieren. Bozen hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte als Handelszentrum gemacht. Man braucht sich nur das neue Industrieviertel anzuschauen, das im Süden der Stadt die alten tristen Industriebauten der 30er Jahre ersetzt hat. Auch im Bereiche der Verbindungen sind erhebliche Verbesserungen erzielt worden, wobei es darum geht, die Belastungen der Umwelt in einem für die Bevölkerung verträglichen Maß zu halten.
In Meran, der zweitgrößten Stadt des Landes, sind die Verhältnisse etwas vielschichtiger. Das liegt daran, daß die Stadt ihre genaue Rolle im Bezirk noch nicht gefunden hat. Zu einem guten Teil hängt das mit der ethnischen Zweiteilung und der Tatsache zusammen, daß die jeweilige Gemeinschaft andere Prioritäten setzen möchte. Aber auch in dieser Hinsicht hat die Zusammenarbeit der SVP mit den Grünen und den Mitte-Links-Parteien zu einem wesentlichen Abbau der Spannungen und erheblichen Fortschritten geführt. Diese Koalition ist im Herbst vor allem an dem Großprojekt eines Tunnels unter dem Küchelberg zerbrochen, von dem sich gewisse Südtiroler Wirtschaftskreise eine Lösung des Verkehrsproblems und vor allem einen erheblichen finanziellen Gewinn erhoffen. Dieses Projekt, das auch unter den rechten italienischen Parteien Befürworter hat, ist schon deshalb keine brauchbare Lösung, weil es bestenfalls in zehn Jahren realisiert werden kann. So lange kann Meran aber nicht mehr warten.
Heute geht es darum, Meran als Kurstadt zu erhalten und zu fördern. Man muß verhindern, daß es zu einer Dienstleistungsstadt abgewertet wird, in welcher der Tourismus nur eine untergeordnete Rolle spielt. Manch Positives ist in diesem Sinne gemacht worden, so zum Beispiel der Botanische Garten in Trautmannsdorf, der sich immer größerer Beliebtheit erfreut. Aber es gibt noch sehr viel zu tun. Noch wissen wir nicht, wie sich das im Bau befindliche Thermenprojekt für Meran auswirken wird. Wohl hat das Land die Kosten für den Bau übernommen, aber es wird sicherlich Jahre dauern, bis wenigstens die Betriebskosten gedeckt sind. Die dazu notwendige jährliche Zahl von 300.000 bis 400.000 Besuchern ist eine sehr hohe Latte, die nicht so leicht erreicht werden wird. Nicht weit vom Thermenzentrum entfernt verrottet derzeit der Pferderennplatz, eigentlich einer der schönsten Europas - ein skandalöser und unverständlicher Zustand, der nicht weiter hingenommen werden kann. Ein weiteres Problem ist die ungehemmte Bauspekulation, die das Gesicht der Stadt bereits weitgehend verändert hat. Die Aufgaben sind demnach gewaltig und man kann nur wünschen, daß die am 8. Mai gewählten Gemeinderäte dafür die richtigen Lösungen finden.

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