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Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
21. Jahrgang - Nr.1 Jänner/Februar - erscheint zweimonatlich
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Die Erlebnisgesellschaft

von Herbert Rosendorfer

Begonnen hat es, soweit ich sehe, mit dem Erlebnis- oder Abenteuer-Urlaub. Das war eine geniale Erfindung mieser Hotels, die ihre Wanzen und Flöhe als alternative Jagdunterhaltung anboten und das Frühstück als Überlebenstraining. Dazu kamen Ausflüge in ungefederten Jeeps auf folkloristischen Landstraßen und Mittagessen bei Beduinen, "um Land und Leute kennenzulernen." (Ich kann schon die daheim nicht leiden, wieso soll ich dann eigentlich mit stinkenden Eingeborenen Hammelaugen mit Zwiebeln schlürfen. Aber so denken nur Erlebnis-Verweigerer.)


Inzwischen ist das, scheint mir, wieder abgekommen. Nur die "Camel-Trophy" gibt es immer noch: Bewährungsprobe für Leute, die erfahren wollen, wieviel Dreck auf menschlicher Haut kleben bleiben kann. Aber dafür gibt es ein anderes: den Erlebniseinkauf zu Beispiel, oder das Erlebnis-Menu.
Ich gestehe, daß ich um so etwas einen Bogen mache, aber ich kann doch nicht umhin, mir dies vorzustellen - und ich fürchte, ich habe mit meinen Vorstellungen recht. Den Erlebniseinkauf stelle ich mir so vor wie einen Einkauf etwa 1946. Das, was man sucht, ist nicht zu finden, das, was man findet, ist Schund, dafür in Bergen vorhanden, die Verkäufer sind rotzig, die Kassiererin gibt falsch heraus, und wenn man sich beschwert, kommt der Chef und gibt einem einen Fußtritt.
Anders beim Erlebnismenu. Der Kellner ist von der Undurchsichtigkeit eines chinesischen Ministergesichtes. Die Suppe sieht wie Apfelkompott aus, schmeckt aber wie Lachs. Das Gemüse sieht aus wie Himbeersorbet, schmeckt aber wie Wiener Würstel, das Fleisch sieht aus wie Ananasgelee, hingegen das Ananasgelee sieht aus wie gebratene Leber und riecht nach etwas angebranntem Karfiol, der nach Forelle zu schmecken versucht. Und die Mengen, die auf dem Teller sind, sind mittels Fingerhüten portioniert und lauwarm. Nein, das ist nicht die Erlebnisgastronomie, das ist nur etwas sehr ähnliches: nouvelle cuisine. Zum Glück ist sie seit einiger Zeit wieder abgekommen.
Die wirkliche Erlebnisgastronomie ist, nehme ich an, ganz anders. Der Gast bekommt einen heißen Stein vor-

gesetzt, auf dem er sein Schnitzel selber braten muß, zum Schutz auch einen Asbesthandschuh. Der Asbesthandschuh trägt in feuerfesten Farben das - eines der schönsten neudeutschen Wörter - das Logo des Erlebnisrestaurants; damit nach dem Rösten der Handschuh nicht mit dem Schnitzel verwechselt wird. Der Salat wird vom Kellner in die Luft geschleudert und von den Gästen mit dem Mund aufgefangen. Zum Nachtisch in den Garten, um Kirschen zu pflücken.
Haben Sie aber schon gehört, daß es seit neuestem Erlebnisbestattungen gibt? Nein, gibt es noch nicht, aber ich glaube, das ist eine Marktlücke. Ich übergebe die Idee kühnen, weitblickenden Erlebnismanagern, sie können damit Millionär werden.
Die Erlebnisbestattung: mittels Schnitzeljagd ist der richtige Friedhof zu finden; dann Sarg zusammennageln; das Friedhofspersonal wirft sich die Kränze gegenseitig zu, die Trauergäste müssen versuchen, sie zu fangen; den Pfarrer muß man von einem Baum herunterholen - und die Leiche - ja: die Tante muß von den Hinterbliebenen selbst erschlagen werden.

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