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Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
20. Jahrgang - Nr.6 November/Dezember - erscheint zweimonatlich
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...noch nicht in Europa angekommen
Zur Einwanderung und Integration der Muslime
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Die Frauenquote
Die geringe Frauenpräsenz in der Politik
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Gleicher Lohn für gleiche Arbeit

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Auf der Suche nach Inhalten und Zielen
Das grüne Dilemma - Postfaschistische Bruderkämpfe
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Was macht eigentlich der Steuermann?
Zur Rolle des SVP-Obmannes
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Hofübergabe...
Probleme der "Arbeitnehmer in der SVP"
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Von den Pendlerzügen zur Brücke von Messina
Das desolate Eisenbahnsystem
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Lauter erotische Wortgeschichten

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Für echten Wettbewerb im Gesundheitswesen

In diesen Wochen hat Landesrat Richard Theiner einen neuen Streit in seinem Ressort auszufechten. Es geht um die Forderung einer Gruppe von Krankenhausärzten Südtirols, eine private ärztliche Tätigkeit innerhalb des Spitalbetriebes auszuüben. Das Problem wird schon seit längerer Zeit diskutiert und hat Befürworter und Gegner auf den Plan gerufen. Die einen glauben, daß man damit den Wünschen der Patienten besser entsprechen und die immer noch bestehenden langen Wartezeiten für die fachärztlichen Untersuchungen beseitigen könne, die anderen meinen, dadurch entstehe eine unsoziale Zwei-Klassen-Medizin und die Arbeit im Krankenhaus leide darunter.
Die Grundursache für die derzeit bestehende Situation ist die staatliche Gesundheitsreform, die in den 70er Jahren vom Parlament verabschiedet worden ist. Um den Kreis der frei praktizierenden Ärzte einzuschränken und den gesamten Sektor unter staatliche Kontrolle zu bringen, wurde damals beschlossen, die fachärztliche Betreuung der Patienten den Krankenhausärzten aufzubürden, obwohl dies nicht zu ihren Aufgaben gehört. So entstanden die poliklinischen Ambulatorien an den Spitälern.
Auch die Region Trentino-Südtirol mußte diese Regelung übernehmen, allerdings wurde dabei festgelegt, daß die Spitalsärzte in der Region, im Gegensatz zum übrigen Italien, hier keine privaten Praxen führen können. Dafür bekommen sie ein Gehalt, das wesentlich höher ist als im italienischen Durchschnitt.
Mit Landesrat Otto Saurer geriet das Sanitätswesen imimmer mehr unter die totale Kontrolle des Landes und der Bereich der privaten Medizin wurde immer weiter eingeschränkt. Trotzdem hat die private Medizin, die speziell im fachärztlichen Sektor in Südtirol eine gute Tradition aufweist, die Herausforderung angenommen und bestanden. Sie hat dies geschafft, indem sie Fachwissen, Leistung und Engagement eingebracht hat. Dagegen dümpeln die Poliambulatorien in den Krankenhäusern so vor sich hin und weder Patienten noch Ärzte sind damit zufrieden. Die Patienten beklagen, daß sie einem anonymen Fließbandsystem ausgeliefert seien und die Ärzte stellen fest, daß sie dafür keine leistungsbezogene Entlohnung bekommen. Die Wartezeiten sind erheblich.
Das könne nun behoben werden, so argumentieren die Spitalsärzte, wenn sie innerhalb des Krankenhauses unter bestimmten Voraussetzungen privat arbeiten dürften. Der Patient könne sich auf diese Art den behandelnden Arzt aussuchen, der Arzt sei motivierter und werde für diese zusätzliche Leistung entsprechend entlohnt, der Abbau der Wartelisten sei damit gesichert. Die Gegner dieses Vorschlages wenden ein, daß damit eine Zwei-Klassen-Medizin geschaffen werde, die nur den Wohlhabenden zu Gute komme.
Weitaus stichhaltiger als die soziale Unausgewogenheit einer solchen Regelung ist die Feststellung, daß mit dieser Teilreform der Reform das Gesundheitswesen keineswegs wesentlich verbessert würde. Wenn man wirklich die negativen Folgen einer schlechten Sanitätsre-
form korrigieren will, muß man das ganze System auf den Prüfstand stellen. Wenn man den Spitalsärzten, die bereits eine fixe Anstellung und ein entsprechendes Gehalt haben, den Zugang zum "freien Markt" eröffnet, so ist das eine sehr einseitige Maßnahme.
Mit der Sanitätsreform ist die freie Medizin aus rein ideologischen Vorbehalten systematisch benachteiligt worden. Trotz ihrer erwiesenen Leistungsfähigkeit sind die freien Fachärzte im Landessanitätsplan nie berücksichtigt worden, man hat ihnen keinen Raum in den neuerrichteten Sprengeln gegeben und man hat ihnen vor allem den Rezeptblock vorenthalten, der die Verschreibung der Medikamente zu Lasten des Gesundheitssystems ermöglicht. Diese Probleme müssen gelöst werden, ehe man im Gesundheitswesen wirklich neue Regeln im Interesse von Patient und Arzt einführt.

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