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Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
20. Jahrgang - Nr.6 November/Dezember - erscheint zweimonatlich
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...noch nicht in Europa angekommen
Zur Einwanderung und Integration der Muslime
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Die Frauenquote
Die geringe Frauenpräsenz in der Politik
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Gleicher Lohn für gleiche Arbeit

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Auf der Suche nach Inhalten und Zielen
Das grüne Dilemma - Postfaschistische Bruderkämpfe
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Zur Rolle des SVP-Obmannes
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Hofübergabe...
Probleme der "Arbeitnehmer in der SVP"
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Für echten Wettbewerb im Gesundheitswesen
Der fragliche Vorstoß der Spitalsärzte
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Lauter erotische Wortgeschichten

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Von den Pendlerzügen zur Brücke von Messina

Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat den Italienerinnen und Italienern zu Beginn seiner Amtszeit versprochen, er werde dafür sorgen, daß endlich große technische Bauwerke im Lande verwirklicht werden, vor allem die Brücke über die Meerenge von Messina. Damit stelle Italien seine technischen Fähigkeiten unter Beweis, modernisiere seine Verkehrswege und behaupte seinen Platz unter den großen Industrienationen.
Wie die meisten Versprechen des großmauligen Berlusconi erweist sich auch diese Ankündigung als Bluff. Leider hat der Premier, der am liebsten im Privathubschrauber oder -jet reist, keine Gelegenheit zu hören, was der Mann der Straße von seiner Verkehrspolitik hält, es wäre für ihn ernüchternd.
In diesen Tagen beschäftigen sich die italienischen Zeitungen fast täglich mit den unhaltbaren Zuständen, die auf dem italienischen Bahnnetz herrschen. Am 12. Jänner berichtete der "Corriere della Sera", daß verbitterte Pendler im Osten von Mailand vier Stunden lang die Strecke nach Turin blockiert hätten. Gerade im Großraum von Mailand, wo täglich Hunderttausende mit der Eisenbahn zur Arbeit fahren müssen, ist in den letzten Jahren die Situation unerträglich geworden. Laut "Corriere della Sera" ist die lokale Bahnverwaltung nicht in der Lage, die nötige Anzahl von Eisenbahnwaggons zu stellen, die meisten Fahrgäste haben deshalb keinen Sitzplatz, die Waggons sind schmutzig, der Fahrplan ist nicht mehr als ein vager Hinweis, Verspätungen sind die Regel. Die Zeitung spricht von chaotischen Zuständen in der Mailänder Bahnzentrale. Das passiert in der einzigen europäischen Metropole, die Italien aufweisen kann, in der Heimatstadt des Silvio Berlusconi.
Natürlich beziehen sich die Mißstände nicht nur auf die Pendlerzüge, sondern auf das gesamte Bahnnetz. Am 7. Jänner ereignete sich nördlich von Bologna, auf der Strecke zwischen Bologna und Verona ein Frontalzusammenstoß zwischen einem Lokalzug und einem Güterzug, der 17 Menschenleben und zahlreiche Verletzte kostete. Dabei erfuhr die überraschte Öffentlichkeit, daß weite Teile dieser Bahnstrecke, die zu den europäischen Großverbindungen gehört, immer noch eingleisig ist. Der Zusammenstoß ist vermutlich darauf zurückzuführen, daß ein Maschinist im Nebel das Haltezeichen übersehen hat und daß keine modernen Warnsysteme vorhanden sind.

Eisenbahnunglück bei Bologna am 7. Jänner 2005

Nun wurde auch bekannt, daß man eigentlich seit 40 Jahren an der Gleisverdoppelung auf dieser Linie arbeitet und dieser Abschnitt demnächst fertig werden sollte, daß von den insgesamt 16.000 Kilometern Bahnlinie in Italien 8.000 Kilometer eingleisig sind und daß auf insgesamt 10.000 Kilometern noch moderne Warnsysteme fehlen. Dafür hat man seit 1985 die Zahl der Eisenbahner von 216.310 auf jetzt 98.000 reduziert. Gerade die Eisenbahner und ihre Gewerkschaft machen darauf aufmerksam, daß es besonders im Nahverkehr an entsprechenden Waggons fehlt, daß man aus Prestigegründen die wenigen sogenannten Schnellstrecken gefördert und deshalb den Nahverkehr vernachlässigt hat. In der Lombardei sind die Lokomotiven durchwegs 30 Jahre alt, Ausfälle sind an der Tagesordnung. Nun kann man alle diese Mängel nicht allein Berlusconi anlasten, auch die vorherigen Regierungen haben ihren Anteil daran, als man die Eisenbahn vernachlässigte und sich allzu gerne der Autolobby "anpaßte". Aber nun müßte endlich gehandelt werden.
Südtirol, das auf einer der europäischen Hauptverkehrsadern liegt, ist an einer Modernisierung der Eisenbahn besonders interessiert. Es ist ein Skandal, daß man heute mit der Eisenbahn von Bozen nach München vier Stunden braucht und daß auf dieser Strecke nur fünf Eurocitypaare täglich verkehren, von den Mängeln des Gütertransportes ganz abgesehen. In diesem Zusammenhang verlangte der grüne Europaabgeordnete Sepp Kusstatscher vor kurzem, daß die italienische Eisenbahn ihre Zukunftspläne an den Bedürfnissen der Bevölkerung und nicht an Megaprojekten, wie dem Brennerbasistunnel orientieren solle.
Auch das Südtiroler "Naturschutzblatt" veröffentlichte in seiner letzten Nummer zahlreiche Artikel, die sich in fundierter und ausführlicher Weise mit diesem Thema beschäftigen. Daraus geht hervor, daß der Nahverkehr im Lande bisher stiefmütterlich behandelt worden ist, zum Nachteil der Benützer und der Natur. Es hat wenig Sinn, einerseits ständig die Luftverschlechterung durch den Autoverkehr anzuprangern und andererseits die Alternativen des Bahnverkehrs nicht zu nutzen. In diesem Sinne könnte die für den Frühsommer geplante Inbetriebnahme der neuen Vinschger Bahn ein bahnbrechendes Signal für ein modernes Verkehrskonzept sein.

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