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Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
20. Jahrgang - Nr.6 November/Dezember - erscheint zweimonatlich
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...noch nicht in Europa angekommen
Zur Einwanderung und Integration der Muslime
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Gleicher Lohn für gleiche Arbeit

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Auf der Suche nach Inhalten und Zielen
Das grüne Dilemma - Postfaschistische Bruderkämpfe
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Was macht eigentlich der Steuermann?
Zur Rolle des SVP-Obmannes
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Hofübergabe...
Probleme der "Arbeitnehmer in der SVP"
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Von den Pendlerzügen zur Brücke von Messina
Das desolate Eisenbahnsystem
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Für echten Wettbewerb im Gesundheitswesen
Der fragliche Vorstoß der Spitalsärzte
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Lauter erotische Wortgeschichten

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Die Frauenquote

Vor wenigen Tagen habe ich mit Freunden in einem Gasthof in Lana zu Abend gegessen, da unser Stammlokal gerade Winterferien machte. Ich habe meine Jugend in diesem Marktflecken verbracht und kannte wohl das Gasthaus, erinnerte mich auch, daß ich vor etlichen Jahrzehnten zum letzten Mal dort eingekehrt war. Was mir gleich auffiel, war die Tatsache, daß an den Tischen des Lokals die Frauen deutlich dominierten. Es waren verschiedene Gruppen von vorwiegend jungen Frauen, die sich ohne männliche Begleitung zu einem jener geselligen Gasthaustreffen eingefunden hatten, die "früher" den Männern vorbehalten waren.
Ich habe mich über diese Tatsache sehr gefreut, zeigt sie doch, wie sehr sich in einer Generation die Gesellschaft, die besonders im dörflichen Raum von konservativen Vorstellungen geprägt war, verändert hat. Die Frauen sind dabei die großen Gewinnerinnen, sie haben durch die neuen Bildungsmöglichkeiten, die sich ihnen eröffnet haben, nicht nur eine weitgehende wirtschaftliche Unabhängigkeit, sondern vor allem ein neues Selbstbewußtsein und eine bessere soziale Stellung erreicht.


Ausgehend von diesem praktischen Anschauungsunterricht in Lana stelle ich mir seither die Frage, inwieweit die Frauen heute in Südtirol in den Prozeß der politischen Willensbildung eingebunden sind. Konkret gefragt: Wirkt sich diese neue Freiheit der Frauen auch in der sozialen und politischen Gestaltung der Gesellschaft aus? Lange Zeit war dies die alleinige Domäne der Männer, dementsprechend sind Frauen in unserem Land in der Politik immer noch als Minderheit präsent. Nun will man dem abhelfen, indem in den Kandidatenlisten für die politischen Wahlen per Gesetz ein bestimmter Prozentsatz von Plätzen den Frauen vorbehalten sein soll. Dieses Problem ist am Vorabend der Gemeindewahlen von besonderer Aktualität, aber in seiner Beurteilung immer noch sehr umstritten.
Die Erfahrungen, die mit der gesetzlichen Frauenquote in anderen Ländern gemacht worden sind, zeigen, daß damit allein das Problem der mangelnden Frauenpräsenz in der Politik nicht gelöst werden kann.
Es kommt auch in der Politik auf das persönliche Engagement, auf die Sachkenntnis, auf die Beharrlichkeit an, gewisse Vorstellungen durchzusetzen. In all diesen Eigenschaften stehen die Frauen den Männern keineswegs nach, ich möchte hinzufügen, daß speziell in Südtirol die weibliche Jugend bildungsmäßig und kulturell den gleichaltrigen Männern vielfach überlegen ist. Deshalb sind Frauen auch am gesellschaftlichen und sozialpolitischen Geschehen oft mehr interessiert als die Männer.
Wenn die Frauen trotzdem, um es salopp auszudrücken, keinen Bock auf Politik haben, liegt das oft daran, daß sie neben ihrer beruflichen Tätigkeit immer noch die Hauptlast im Haushalt tragen. In dieser Hinsicht muß sich im Bewußtsein der Männer, die noch an der früheren Rollenverteilung festhalten, noch manches ändern. Dazu kommt auch, daß die Mutterschaft und die Kindererziehung, also volkspolitisch und gesellschaftlich extrem wichtige Aufgaben, die Frauen zu längeren Pausen in ihrem Berufsleben zwingen.
Die Entwicklung zeigt, daß die Frauen sich allmählich in allen Berufen durchsetzen, das bestätigt ihre zunehmende Präsenz in der Justiz, in führenden Positionen in Verwaltung und Wirtschaft und in den akademischen Berufen. Natürlich gibt es noch Widerstände und Konkurrenzangst in gewissen Männerdomänen, es gibt auch noch – und das ist die schäbigste Art der Diskriminierung – die Praxis, die Arbeit der Frau geringer zu entlohnen als diejenige des Mannes.

e.j.

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