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Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
20. Jahrgang - Nr.5 September/Oktober 2004 - erscheint zweimonatlich
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Das "italienische Paket"
Eine nationalistische Provokation
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Stimmen zum "italienischen Paket"

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Falsche Vorschläge
Chauvinistische Töne gegen das Autonomiestatut
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Die bittere Bilanz der "Arbeitnehmer in der SVP"
Das sozialdemokratische Mäntelchen genügt nicht
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Zum 80. Geburtstag von Egmont Jenny

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Alt-und Postfaschisten
Böse Gedächtnislücken
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Es tröpfelt...

In begeisterten Tönen hat Landesrat Michl Laimer, umgeben von seinen Technikern, verkündet, daß endlich nach Einsatz von fünf Millionen Euro die Bohrsonden in Sinich etwas heißes Wasser für die Meraner Thermen gefunden haben. Es ist zwar in der Menge ungenügend, dafür stinkt es nach faulen Eiern und wirkt antidepressiv. Letztere Eigenschaft werden in Zukunft die Mitglieder des Aufsichtsrates der sogenannten Thermen besonders schätzen, wenn sie die Kosten dieses Mammutprojektes dem Steuerzahler weiterhin erklären und anlasten müssen.
Das ganze Theater fängt damit an, daß die Bezeichnung Thermen bisher überhaupt keine Berechtigung hat. Als nach einigen Fehlstarten bereits vor 50 Jahren die sogenannten Thermen in Betrieb gingen, hat man gesagt, daß das Wasser, das vom Vigiljoch kommt, angeblich auch radioaktive Eigenschaften habe. Nachdem der Begriff der Radioaktivität inzwischen in der Öffentlichkeit keinen guten Klang mehr hat, wurde darüber nicht weiter geredet. Bis heute wurde dieser Umstand auch nicht weiter erforscht. Auch jetzt ist es keineswegs erwiesen, daß das nun entdeckte heiße Wasser in Sinich irgendwelche medizinisch nützlichen Eigenschaften hat, das hat die Direktorin der Thermen Adelheid Stifter erst vor kurzem klargestellt.
Als vor zwei Jahren Kurpräsident Manfred König in einer öffentlichen Versammlung dem Meraner Publikum die neuen Thermen erläuterte, betonte er, daß man nach einer genauen Kostenabwägung in den neuen "Thermen" den Kurbetrieb einschränken und dafür den sogenannten Wellnessbetrieb ausbauen wolle. Wie paßt diese Aussage nun zu den letzten Entwicklungen nach der angeblichen Entdeckung des Kurwassers? Hat man umgedacht und das Konzept geändert? Sollte dies der Fall sein, so müßte man dies der Öffentlichkeit wohl mitteilen.
Inzwischen schießen die sogenannten Wellness- oder Spaßbäder überall aus dem Boden. Erst kürzlich hat im Ötztal ein Aquadrom aufgemacht, das alles Bisherige in den Schatten stellt. Es stellt sich die grundsätzliche Frage, ob und inwieweit dieser immer noch fragliche "Thermenbetrieb" der Kurstadt Meran überhaupt nützt. Die angestellten Berechnungen gehen davon aus, daß die Meraner Thermen kostendeckend arbeiten, wenn mindestens tausend Besucher pro Tag kommen. Das ist eine gewaltige Zahl, wenn man bedenkt, daß mittlerweile fast jeder Hotelbetrieb im Burggrafenamt seinen Wellnessbereich hat. Dazu kommt die Tatsache, daß der Tourismus in Südtirol deutlich rückläufig ist und daß die wirtschaftliche Krise in Europa und speziell in Deutschland diese Tendenz noch verstärken wird. Ob die Burggräfler und die Südtiroler überhaupt dies ausgleichen wollen und können, ist mehr als fraglich. Dazu kommen noch die wachsenden Kosten durch die steigenden Heizölpreise, denn von Sinich bis zu den Thermen wird das Wunderwasser ganz schön kalt. Wahrscheinlich ist dessen antidepressive Wirkung schließlich wirklich dringend nötig.

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