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Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
20. Jahrgang - Nr.4 Juli/August 2004 - erscheint zweimonatlich
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Unter dem SVP Regime
Durnwalders Paragraphenspiele
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Schröders mutige Mahnung
Europas Befreiung von der Naziherrschaft
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Der Vinschger Zweikampf
Das Gesundheitswesen in der Sackgasse
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Leserbriefe

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Saurers Entdeckung
Die Stammrolle der Lehrer in Gefahr
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Degasperi: Autonomist und europäischer Staatsmann
Eine kritische Würdigung
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Die Meinung
Die Politik braucht Träume
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Aus der Südtiroler Medienlandschaft

Vor einem Jahr hat die Familie Amonn, die bereits das Wochenmagazin "ff" herausgibt, eine neue Tageszeitung auf den Südtiroler Markt geworfen. Diese Zeitung, die sich "Südtirol 24h" nennt, bezeichnet sich als "die schnelle Zeitung für Politik, Wirtschaft und Kultur". Kritische Beobachter zweifelten bereits damals, ob auf dem Südtiroler Markt, neben den "Dolomiten" und der "Neuen Südtiroler Tageszeitung", noch Platz für eine dritte Tageszeitung sei. Man vermutete sogar, daß dies ein Manöver konservativer Kreise sei, um der "Tageszeitung" den Garaus zu machen. Wenn dies tatsächlich die Absicht gewesen sein sollte, so ist diesmal der Schuß nach hinten losgegangen. Die "Tageszeitung" hat sich bestens etabliert, hat ihren Leserkreis erweitert und auch etliche der noch bestehenden handwerklichen Mängel behoben. Dagegen kämpft offensichtlich "Südtirol 24h" mit finanziellen Schwierigkeiten und es wurde bereits von einer Einstellung des Blattes und einer Verkleinerung der Redaktion gesprochen. Chefredakteur Hanskarl Peterlini hat diese Sorgen bestätigt und darauf hingewiesen, wie schwer es der unabhängige Journalismus in diesem Lande habe.
Damit hat er das Hauptübel genannt, auch wenn er sich wohl gehütet hat, Roß und Reiter zu nennen. Ein Übel übrigens, das eigentlich jeden Südtiroler und jede Südtirolerin angehen sollte, nicht nur die Journalisten. In den neun Jahren, in denen ich im Landtag tätig war, und in den drei Jahren als Gemeinderat von Meran, hat man mir sehr oft über Mißstände und über echte oder vermutete Gesetzesverletzungen berichtet. Ich habe versucht, der Sache nachzugehen und dagegen anzukämpfen. Allerdings habe ich bald gemerkt, daß man mich nur als Mittel zum Zweck, als "Häuslraggler" benützt hat. Ich sollte die undankbare Drecksarbeit übernehmen. Verlangte ich, daß der/die Betreffende mit ihrer Unterschrift den aufgezeigten Sachverhalt bestätige, und versicherte dabei, daß ich dieses Papier niemals vorzeigen würde, haben alle gekniffen. "Sie" wollten offiziell mit dieser Sache nichts zu tun haben und schon gar nicht ihr Ansehen als brave Untertanen aufs Spiel setzen.
Dieser Mangel an Zivilcourage in der Südtiroler Gesellschaft ist eigentlich die Hauptursache für die Übermacht der sogenannten Sammelpartei. Dazu kommt noch eine für Südtirol ganz spezifische Situation im Medienbereich. Es besteht eine enge, auch personelle Verbindung zwischen der Führung der Einheitspartei und dem stärksten Medienkonzern des Landes, der Athesia. Das ergibt eine große Gemeinsamkeit an politischen und wirtschaftlichen Interessen, somit auch eine erhebliche Konzentration an Macht. Beide Gruppen, die Parteiführung und der Medienkonzern, sind bestrebt, die Vormachtsituation auf ihrem jeweiligen Gebiet zu behaupten, und unterstützen sich dabei gegenseitig.
Das hat sich erst in ganz evidenter Form bei den letzten Europawahlen gezeigt. Als die Sache brenzlig wurde und sich Alternativen im Parteienspektrum abzeichneten, haben sich Partei und Medienführung zu einem Kraftakt zusammengefunden, um die Situation noch im Griff zu behalten.


Bezeichnend für die Situation am Südtiroler Medienmarkt sind die Vorgänge, die sich derzeit bei zwei Bezirkszeitungen, dem "Vinschger und der "bm", abspielen. Die Verwalter und Journalisten der beiden Blätter entdeckten zu ihrer Überraschung, daß in der Jahresbilanz der Athesia Druck GmbH eine Beteiligung des Konzerns von 281.704 Euro an der Vinschger Medien GmbH und von 140.000 Euro an der Burggräfler Medien GmbH aufscheint. Aufgedeckt hat die Sache die "Tageszeitung", die Athesia schweigt sich dazu aus.
Der Sinn der offensichtlich genau geplanten Aktion wird ersichtlich, wenn man sich daran erinnert, daß die Athesia einen beinharten Kampf gegen den "Vinschger" geführt hat, wobei es vor allem um den erheblichen Werbekuchen ging, den die Athesia bisher allein kassiert hatte. In dieser Auseinandersetzung setzte die Athesia recht "unkonventionelle" Mittel ein und wurde deshalb auch gerichtlich verurteilt.
Ist das nun die Revanche? Will man nun den Konkurrenten nach den üblichen kapitalistischen Methoden von innen aufrollen und "aufkaufen"? Vieles spricht dafür. Das befürchten auch die Journalisten der beiden betroffenen Blätter, die auf ihre Unabhängigkeit bestehen und sich nicht "einebnern" lassen wollen. Sie weisen darauf hin, daß laut Vinschger-Statut die Gesellschafter ein Vorkaufsrecht auf die am Markt angebotenen Gesellschaftsanteile haben. Demnach hätte die Ebner-Gruppe keine Chance, sich im Verwaltungsrat zu etablieren. Allerdings ist das Ganze noch nicht ausgestanden, denn in diesem seltsamen Land haben sich die Mächtigen bisher sehr vieles nach ihren Interessen und Willen zurechtbiegen können.
Wie stehen zu diesen Vorgängen die von Peterlini erwähnten "unabhängigen Journalisten", wo sind sie, haben sie dazu nichts zu sagen? Es wäre angebracht, daß auch der einfache Bürger sich über diese Vorfälle Gedanken macht, damit er einsieht, daß Demokratie immer wieder erkämpft und verteidigt werden muß.

e.j.

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