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Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
20. Jahrgang - Nr.4 Juli/August 2004 - erscheint zweimonatlich
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Unter dem SVP Regime
Durnwalders Paragraphenspiele
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Schröders mutige Mahnung
Europas Befreiung von der Naziherrschaft
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Der Vinschger Zweikampf
Das Gesundheitswesen in der Sackgasse
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Leserbriefe

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Degasperi: Autonomist und europäischer Staatsmann
Eine kritische Würdigung
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Aus der Südtiroler Medienlandschaft
Der Kampf um die journalistische Unabhängigkeit
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Die Meinung
Die Politik braucht Träume
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Saurers Entdeckung

Zwanzig Jahre lang hat Landesrat Otto Saurer das Gesundheitswesen des Landes geleitet. Das Ergebnis ist mehr als bescheiden: steigende Kosten, zunehmende Bürokratisierung, schwere Organisationsmängel, Unzufriedenheit bei Behandelnden und Behandelten. Sein Nachfolger Richard Theiner muß die grausige Suppe auslöffeln, die ihm sein Vinschger Kollege eingebrockt hat.
Nun bringt Saurer seinen Ideenreichtum im Schulbereich ein und möchte hier den Laden aufmischen. Er verkündet, daß nunmehr, nach seinen Erfolgen(!) bei den Ärzten, auch die Lehrer auf Trab gebracht werden müssen. Das Zauberwort heißt Leistung. Also, kein beamtenmäßiger Trott mehr im Schuldienst, sondern Belohnung derjenigen, die tatsächlich Leistung bringen. Um das zu gewährleisten, möchte Saurer die Stammrollen abschaffen, die nach seiner Auffassung dieser befreienden Entwicklung im Schulwesen im Wege stehen.
Es erheben sich gleich zwei wichtige Fragen, die Saurer wohlweislich offengelassen hat. Die erste Frage lautet: Wie wird die Leistung eines Lehrers bewertet, welche Kriterien werden dazu erstellt? Die zweite noch wichtigere Frage ist: Wer bestimmt diese Leistungskriterien? In einem Land, in dem eine Partei, die SVP, eine erdrückende Mehrheit hat und den gesamten Verwaltungsapparat beherrscht, in dem konservativ-klerikale Kreise das Bildungswesen stets als ihre Domäne ansahen, in dem die Opposition als lästiges Hindernis betrachtet wird, in dem alle diejenigen, die nicht zur SVP gehören, zu Bürgern zweiter Ordnung gestempelt werden, hat die Beantwortung dieser Fragen nur noch einen rhetorischen Wert.
Kann man sich vorstellen, daß es bei einem solchen Abhängigkeitsverhältnis der Lehrer von den Landesbehörden nicht drastische Eingriffe in die Lehrfreiheit, die doch zu den demokratischen Grundrechten gehört, geben wird? Über dieses Problem wurde bereits viel diskutiert, als die Lehrer vom Staat zum Land übergehen sollten, denn im Staatsdienst war die Lehrfreiheit absolut garantiert. Es ist undenkbar, daß die starke konservativ-klerikale Lobby, die in der SVP das Sagen hat, nicht die Gelegenheit ergreift, um die "Leistung der Lehrer" ganz in ihrem Sinne auszulegen.
Wie es diesbezüglich in der SVP wirklich ausschaut, hat Dr. Saurer übrigens mehrmals selber offenbart. Bereits nach den Landtagswahlen 1998 hat er sich darüber beklagt, daß ihm seine Partei das von ihm angestrebte Kulturassessorat in der Landesregierung verweigert habe, weil er zu weit "links" stehe. Nun kann man über die ideologische Einstellung des Otto Saurer verschiedener Meinung sein. Er und seine Arbeitnehmertruppe haben bisher wacker um Posten, kaum aber um politische Ziele gekämpft. Wenn aber nun selbst Saurer in den Augen seiner maßgebenden Parteifreunde zu weit "links" steht, wie wird es nach Abschaffung der Stammrolle erst jenen armen Südtiroler LehrernInnen ergehen, die wirklich fortschrittliche Meinungen vertreten?

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