Suedtirolernachrichten Logo
Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
20. Jahrgang - Nr.4 Juli/August 2004 - erscheint zweimonatlich
| ZUR EINSTIMMUNG... | ARCHIV | KONTAKTIERE UNS|
Spacer
Spacer
Spacer
Unter dem SVP Regime
Durnwalders Paragraphenspiele
Spacer
Spacer
Der Vinschger Zweikampf
Das Gesundheitswesen in der Sackgasse
Spacer
Spacer
Leserbriefe

Spacer
Spacer
Saurers Entdeckung
Die Stammrolle der Lehrer in Gefahr
Spacer
Spacer
Degasperi: Autonomist und europäischer Staatsmann
Eine kritische Würdigung
Spacer
Spacer
Aus der Südtiroler Medienlandschaft
Der Kampf um die journalistische Unabhängigkeit
Spacer
Spacer
Die Meinung
Die Politik braucht Träume
Spacer
Spacer
Schröders mutige Mahnung

von Raeticus

Es steht derzeit nicht gut um die SPD. Die Reformen der Agenda 2010 stoßen auf heftigen Widerstand, besonders bei der ostdeutschen Bevölkerung. Dabei sind sich alle kompetenten Stellen darüber einig, daß es dazu keine echten Alternativen gibt. Schließlich sind diese Maßnahmen von den beiden großen Volksparteien gemeinsam beschlossen worden und die SPD-Politiker haben sich bemüht, Härtefälle zu vermeiden. Das wird nun alles weggeschwemmt von einer populistischen Agitation, in der sich echte Ängste mit einer gezielten politischen Propaganda vermischen.
Es stimmt nachdenklich, daß der Protest in den neuen Ländern die Straße mobilisiert und teilweise irrationale Formen angenommen hat. Einer der Gründe für die Krise ist nämlich die Tatsache, daß die Bundesrepublik durch die Wiedervereinigung einen völlig bankrotten Staat von 18 Millionen Einwohnern übernehmen mußte und seither laufend enorme Geldmengen in die neuen Bundesländer transferiert. Es ist geradezu pervers, daß diejenige Partei, die Ostdeutschland unter sowjetischer Oberaufsicht verwaltet und in den Bankrott getrieben hat, sich nunmehr als Retter in der Not anbietet. In der Tat sind es die alten Kommunisten von der SED und die neuen Kommunisten in der PDS, die im trüben fischen. Völlig unklar ist, welche konkreten Ziele sie verfolgen, denn konsequenterweise müßten sie die Wiederherstellung der Mauer fordern.
Wie erwartet, sind in dieser Krisensituation nunmehr auch die Rechten auf den Plan getreten. Auch sie wittern Morgenluft und versuchen auf dieser Unzufriedenheit ihr Süppchen zu kochen und ihre Lügen und antidemokratischen Parolen anzubringen. Dabei sind sie die Ursache allen Übels, denn sie haben Deutschland und Europa in einen katastrophalen Krieg mit all seinen schrecklichen Folgen gestürzt. Deshalb war es richtig und mutig, daß Bundeskanzler Gerhard Schröder in aller Deutlichkeit an diesen Krieg erinnert und an den Feiern zum 60. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie und des Warschauer Aufstandes teilgenommen hat.
Beide Ereignisse waren wichtige Meilensteine in jenem Kampf, der geführt werden mußte, um Europa und Deutschland von der Herrschaft der Nazis zu befreien. Das ist die Botschaft, die Schröder verkündet hat, eine Botschaft, die erst den Zugang zum neuen Europa öffnet. Sicherlich gibt es noch in der Kriegsgeneration einzelne, die sich mit dieser Sichtweise schwertun, weil sie an ihre eigenen Opfer und Verluste denken und den Begriff der militärischen Niederlage Deutschlands in den Vordergrund stellen. Daneben gibt es die ewig Uneinsichtigen, die alten und neuen Nazis, die wiederum an Dolchstoßlegenden basteln und die Geschichte hinterher umschreiben möchten. Ihnen muß man in aller Deutlichkeit und Schärfe entgegentreten und ihre Lügenpropaganda an Hand der geschichtlichen Tatsachen demaskieren.

Bundeskanzler Gerhard Schröder

Deutschlands Niedergang beginnt im Frühjahr 1933, als Hitler und seine Nazis die Macht putschartig an sich reißen und alle bürgerlichen Freiheiten beseitigen. Der Terror gegen Andersdenkende, die Diskriminierung ganzer Bevölkerungsgruppen, die Mißachtung elementarster Moralbegriffe, Konzentrations- und Vernichtungslager wurden die Instrumente der neuen Herren. Dieses System sollte dann auf ganz Europa ausgedehnt werden. In einer Serie von Angriffs- und Vernichtungskriegen, die ohne jede Rücksicht auf geltende Konventionen geführt wurden, haben die Nazis einen Großteil Europas unter ihre Kontrolle gebracht. Das Hakenkreuz wurde zum Symbol für Unterdrückung und Unmenschlichkeit.
Es hat auch in dieser Zeit in Deutschland Menschen gegeben, die sich gegen dieses Unrechtsregime gewehrt haben und es bekämpften. 18.000 vollstreckte Todesurteile an den eigenen Soldaten zeigen die Brutalität und Mordlust des Naziterrors. Selbst ein verspäteter Versuch mutiger deutscher Offiziere, Hitler und seine Bande zu beseitigen, scheiterte; es ist allerdings fraglich, ob sie damit fertiggeworden wären.
So waren es letztlich die Alliierten im Westen und die Rote Armee im Osten, die unter eigenen schweren Verlusten die Völker Europas, darunter auch das deutsche Volk, von der Naziherrschaft befreiten. Daß die Deutschen dabei große Gebietverluste und die Vertreibung vieler ihrer Landsleute aus der angestammten Heimat hinnehmen mußten, gehört zu den schrecklichen und ungerechten Folgen, die letztlich Nazideutschland zu verantworten hat.

  go to the top

Valid HTML 4.01!  Valid CSS!