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Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
20. Jahrgang - Nr.3 Mai/Juni 2004 - erscheint zweimonatlich
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Die Watschn
Analyse und Kommentar zur Europawahl
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Die "interethnische" Dietlinde

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Die italienische rechte Front

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Der Anti-Ebner-Effekt

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Sprachgruppenerhebung bleibt

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In Meran diktiert die Lobby

von Raeticus

Was sich kürzlich im Meraner Gemeinderat und in der Bezirksversammlung des Burggrafenamtes abgespielt hat, ist ein Paradebeispiel für die Art, wie gewisse SVP-Seilschaften ihre Macht benützen und ihre Interessen durchsetzen. Dabei spielt die Partei samt ihren Vertretern die Rolle des Erfüllungsgehilfen.
Es geht um den Küchlbergtunnel, der seit zehn Jahren in regelmäßigen Abständen zum Vorschein kommt wie das Ungeheuer von Loch Ness. Kurz die Vorgeschichte: Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg, unter den Faschisten, war beschlossen worden, die Passeirer Straße auf der Höhe von Riffian auf die orographisch linke Seite des Flusses zu verlegen und sie unterhalb von Schenna in Richtung Sinich zu führen. Man hatte bereits einen Brückenpfeiler in der Passer gebaut, als der Krieg den Fortgang der Arbeiten unterbrach. Diese an sich logische und der Landschaft angepasste Trasse wurde völlig ignoriert, als man nach dem Zweiten Weltkrieg die Passeirer Straße durch eine Brücke auf der Höhe des Schlosses Zenoberg direkt nach Obermais, den schönsten Teil Merans, leitete. Vermutlich wurde diese falsche Entscheidung deshalb getroffen, weil politisch mächtige Grundbesitzer sich mit Erfolg gegen die Antastung ihrer Felder wehrten.
Mit der Zunahme des Verkehrs wird die Belastung der Stadt Meran immer stärker und man sucht nach Alternativen. Es wäre nun logisch, das ursprüngliche Projekt, das die Brücke bei Riffian und eine Einmündung in die Schennaner Straße vorsieht, zu realisieren. Denn so dumm waren ja die Bauingenieure auch in der faschistischen Zeit nicht und das Gelände hat sich nicht wesentlich verändert. Stattdessen wird mit großem Propagandaaufwand ein gewaltiges Projekt lanciert, das einen Tunnel durch den Küchelberg in Richtung Ost-West vorsieht, einen dicht besiedelten Stadtteil von Meran unterirdisch durchquert, beim Meraner Bahnhof wieder "auftaucht", um schließlich in der MeBo zu enden.
Nun liegen bereits genaue Studien der EURAC vor, die eine ganze Reihe von Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssituation in Meran empfehlen; in diesen ist der Küchelbergtunnel gar nicht vorgesehen. Die Koalition aus SVP, Grünen und Linken, die derzeit Meran regiert, hat deshalb im Koalitionsabkommen festgelegt, dass zuerst die beschlossenen Maßnahmen verwirklicht werden, ehe man überhaupt über den Tunnel spricht. Die Grünen haben ihre negative Haltung dazu bestens sachlich begründet und die italienischen Koalitionspartner haben auf jeden Fall eine Volksbefragung zu diesem heiklen Thema verlangt.
Das passt der mächtigen Meraner SVP-Lobby gar nicht. Sie hat veranlasst, dass im Meraner Gemeinderat zahlreiche Gemeinderäte der SVP zusammen mit der italienischen Rechten einen Beschlussantrag einbrachten, der eine Vorentscheidung für den Küchelbergtunnel bedeutet. Prompt wurde diese Trasse von der Bezirksversammlung des Burggrafenamtes gegen den Willen des italienischen Vizebürgermeisters von Meran bestätigt.


Das ganze Vorgehen ist nicht nur ein eklatanter Bruch der Koalitionsabmachungen, sondern auch ein hinterfotziges Manöver, das die viel gerühmte "Handschlagqualität" der SVP ins rechte Licht rückt. Dass der Bürgermeister von Meran Franz Alber dies hinnehmen muss, beweist die politische Macht und Arroganz der Lobby.
Nun erhebt sich die Frage, warum "man" nicht auf das erste Projekt, die Verbindung zur Schennaner Straße zurückgreift, wie es auch angesehene Fachleute empfehlen? Die Antwort ist ebenso einfach wie einleuchtend. Es geht ums große Geld. Dieses kommt in den Intentionen der Lobbyisten nicht so sehr aus dem Tunnel selbst, als vielmehr von den Garagen, die als "Nebenprodukt" im Küchelberg entstehen sollen. Offenbar hat "man" sich schon auf die Verteilung der schönen Summe von 80 Millionen Euro geeinigt, die dieses Projekt kosten soll. Dabei ist klar, dass ein solch gigantisches Projekt, dessen Verwirklichung sich voraussichtlich über ein Jahrzehnt hinziehen würde, das Leben der Kurstadt nachhaltig belasten und die angeblich angestrebte Verkehrsberuhigung in weite Ferne rücken würde.
Dabei erleben wir bereits heute eine ständige und systematische Demontage der Kurstadt. Ein in Jahrzehnten gewachsenes Kapital an schönen Bauten, Villen und Parks wird laufend der Spekulation geopfert. Nicht einmal der Faschismus hat der Stadt so schwere Schäden zugefügt. Die Südtiroler, die mit diesem Vermögen heute so fahrlässig umgehen, sollten bedenken, dass der Aufstieg Merans zur Kurstadt vor allem das Werk von Auswärtigen war: Österreicher des Habsburgerreiches, Deutsche, Holländer, Skandinavier, Russen haben die Schönheit des Ortes erkannt und mit ihrer Kultur, ihrer Arbeit und ihrem Geld entscheidend zu dessen Entwicklung und Erhaltung beigetragen.
Wer einen Vorgeschmack auf das Meran von morgen haben will, möge sich die im Bau befindlichen neuen "Thermen" ansehen; anstelle des alten schönen Parks wachsen hässliche, protzige Betonklötze empor, die sich im Vergleich zum alten Kurhaus wie östliche Plattenbauten ausnehmen. Die kritischen Meraner haben allerdings noch einen Trumpf in der Hand: den Wahlzettel für die Gemeindewahlen 2005.

Raeticus

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