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Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
20. Jahrgang - Nr.2 März/April 2004 - erscheint zweimonatlich
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Kehrtwendung im Gesundheitswesen

Vor knapp zwei Jahren, am 30. Mai 2002 stellte sich der damalige Landesrat Saurer samt seinem Beamtenstab und den vier Sanitätsdirektoren der Presse und erläuterte, warum in Zukunft von de Patienten ein Ticket eingehoben werden müsse. Damit - so seine Auskunft - seien die finanziellen Engpässe überwunden und man habe nunmehr alles im Griff. Dabei blieb er auch, als die Journalisten kritische Fragen zum System stellten. Dr. Egmont Jenny beanstandete die Art, wie man die Dezentralisierung in der Sanität durchgeführt habe, und meinte, dass z.B. die Peripheriespitäler von Innichen und Sterzing in ihrer jetzigen Form keine Existenzberechtigung hätten. Dies wurde vom Landesrat und seinen Beamten entschieden dementiert, der Referent für die Krankenhäuser Dr. Albert Tschager war sogar so empört, dass er Dr. Egmont Jenny nach der Pressekonferenz den Handschlag verweigerte.
Mittlerweile hat derselbe Beamtenstab unter dem neuen Landesrat Richard Theiner eine Kehrtwendung von 180 Grad vollzogen. Man ist zum Ergebnis gekommen, dass das eingeführte Ticket das Defizit der Sanität nicht saniert, sondern dass strukturelle Maßnahmen notwendig sind. Aus fachlichen und wirtschaftlichen Überlegungen heraus müssen deshalb hoch spezialisierte Dienste in wenigen Krankenhäusern konzentriert werden. Es ist z.B. irreführend und für den Patienten lebensgefährlich, wenn er in eine kardiologische Intensivstation eingewiesen wird, die nicht in der Lage ist, eine Angioplastik durchzuführen. Erst vor wenigen Wochen hat ein Experte, nämlich der Primar der Kardiologie am Krankenhaus Bozen Dr. Walter Pitscheider, diesen Standpunkt bekräftigt und damit den wütenden Protest der Primare der Peripheriespitäler ausgelöst. Sie kämpfen um ihren Posten und sie sind damit nicht die einzigen, denn eine solche sinnvolle Reform wird zwangsläufig mit einer Reduzierung an Diensten und Personal einhergehen.
Landesrat Theiner ist nun bemüht, diese bittere Wahrheit in kleinen Dosen und mit allerlei Beschönigungsformeln unter das Volk zu bringen. Das ist äußerst schwierig, denn nun mobilisieren die betroffenen Standeskategorien, die Lokalpolitiker, die Bürgermeister und die Gewerkschaften dagegen. Das führt zu allerlei kuriosen Eiertänzen der politisch Verantwortlichen, die Angst haben müssen, mit diesen Veränderungen ihre Wähler zu verärgern und zu verlieren.
Der nunmehr eingeschlagene Kurs ist richtig, auch weil er den einzigen Weg darstellt, um die Kosten der Sanität in Grenzen zu erhalten. Aber zurückrudern ist besonders schwer und mühsam. Die in dieser Zeitung in den letzten Jahren immer wieder geäußerten Befürchtungen und Kritiken an der Sanitätspolitik des Landes werden durch diese Entwicklung bestätigt.
Saurer und seine Mannschaft hatten die Dezentralisierung in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen gerückt, die medizinische Grundversorgung sollte möglichst nahe an den Patienten gebracht werden.


Das Prinzip ist an sich richtig, hat aber seine logischen Grenzen. Im Zuge der immer weiter fortschreitenden Spezialisierung ist es wichtig, dass der Kranke direkt in die für seinen Fall kompetenteste und technisch am besten ausgerüstete Abteilung kommt. Der Standort ist in der Zeit des Hubschraubertransports nebensächlich. Im Zeichen dieser Dezentralisierung hat Saurer eine Reihe von geradezu luxuriösen Sprengelsitzen errichten lassen, die als überdimensionale Beamtenburgen einen guten Teil der Zeit unbenützt sind. Das liegt auch daran, dass Saurer die private Medizin, die in Südtirol eine beachtliche Tradition und ein hohes Niveau aufweist, systematisch ignoriert und benachteiligt hat. Gleichzeitig hat die Verwaltung oft aus rein lokalpolitischen Erwägungen in zahlreichen Krankenhäusern Fachabteilungen geschaffen, die nicht voll ausgelastet sind, aber dennoch hohe Kosten verur-sachen.
All diese Einwände sind immer wieder von verschiedener Seite vorgebracht worden. Man hat sie aber gar nicht zur Kenntnis genommen, weil man in der Südtiroler Landesverwaltung gewohnt ist, selbstherrlich zu entscheiden und Kritik als lästige Einmischung abzutun. Die Kosten für diese Fehlentscheidungen tragen sowieso die Steuerzahler.
Natürlich ist mit diesen ersten Schritten die Lage des Südtiroler Gesundheitswesens noch keineswegs auf Dauer gesichert. Auf Landesrat Theiner kommen weitere schwer wiegende Entscheidungen zu, die sich folgerichtig aus dem eingeschlagenen Weg ergeben. Man wird das Problem der in Südtirol bestehenden vier Sanitätseinheiten angehen müssen und diese auf eine einzige reduzieren, was wiederum schmerzliche lokalpolitische Reaktionen auslösen wird. Auf der technisch-operativen Seite wird es unumgänglich sein, die Situation der so genannten Basisärzte zu verändern, sie aufzuwerten und in ihre Tätigkeit gewisse Leistungskriterien einzuführen. Letzteres gilt auch für die fachärztliche Betreuung, die man den Krankenhausärzten zugewiesen hat nach Kriterien, die an den gescheiterten Realsozialismus erinnern. Kurzum, das System muss weiterhin umgekrempelt werden, bevor es an seinen Widersprüchen und Kosten scheitert.
Medicus

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