Suedtirolernachrichten Logo
Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
20. Jahrgang - Nr.1 Jänner/Februar 2004 - erscheint zweimonatlich
| ZUR EINSTIMMUNG... | ARCHIV | KONTAKTIERE UNS|
Spacer
Spacer
Spacer
Gesellschaft im Umbruch
Der Pluralismus trägt Früchte - das Märchen von der italienischen Minderheit in Südtirol
Spacer
Spacer
Für eine gerechte ladinische Politik
Ein Forderungskatalog
Spacer
Spacer
Die rechte Spalte
Berlusconis Repräsentantin in Südtirol
Spacer
Spacer
Das Unbehagen der Italiener in Südtirol
Das Problem hat eine kulturelle Ursache
Spacer
Spacer
Eine Kämpferin für Tirol
In memoriam Viktoria Stadlmayer
Spacer
Spacer
Mobbing im Krankenhaus

Spacer
Spacer
Aufkündigung

Spacer
Spacer
Von der Bewegung zur Partei

Mit ihrem Kongress vom 8. März haben die Südtiroler Grünen den Sprung von der Bewegung zur Partei geschafft. Alexander Langer, der als charismatischer Führer den Grün-Alternativen zum Durchbruch in Südtirol verholfen hatte, war stets bemüht, sich auch in der Organisationsform von den so genannten etablierten Parteien zu unterscheiden. Damit sollten die Neuartigkeit und die Spontaneität dieser Bewegung unterstrichen werden. Das Fehlen eines Parteiapparates ermöglichte den Grünen, in immer neuen Kleidern auf der politischen Bühne aufzutreten und sich als Kämpfer gegen das "System" zu profilieren.
Mit Langers Tod verschwand die dominierende Persönlichkeit, die gewissermaßen die Regeln ersetzte, und es traten immer deutlicher Kontraste und Probleme auf, die ohne fixe Regeln nicht gelöst werden konnten. Das führte auch zu Krisensituationen, die sich in der Rivalität zwischen den beiden grünen Landtagsabgeordneten Alessandra Zendron und Christina Kury zeigten. Es waren nicht nur persönliche Gegensätze, sondern vor allem verschiedene Auffassungen über die Gestaltung der Politik, die hier ausgetragen wurden.
Durchgesetzt hat sich schließlich Christina Kury und somit auch das deutsche Modell. Längst sind in allen deutschsprachigen Ländern die Grünen von ihren fundamentalistischen, "spontanen", oft chaotischen Positionen abgerückt und zu Gestaltern des politischen Systems geworden. In diesem Sinne hat der Wahlausgang vom 26. Oktober, mit einer gut vorbereiteten Kampagne und einer geschickten Auswahl der Kandidaten, den Kurs von Frau Kury bestätigt.
Allerdings gab es dabei einen unerwünschten Nebeneffekt, weil die Wähler sich nicht an das von den Grünen offiziell propagierte interethnische Modell hielten. Der als Spitzenkandidat aufgestellte Italiener Riccardo Dello Sbarba fiel durch, weil mittlerweile den Grünen ein Großteil der italienischen Wähler weggebrochen ist. Nach dem grünen Selbstverständnis müsste es zwar wurst sein, ob ein deutscher oder italienischer Politiker das grüne Wählervolk in den Institutionen vertritt, aber Theorie und Praxis klaffen oft auseinander.
Um diese ideologische Scharte auszuwetzen, hat die grüne Führung am 7. Februar in Bozen eine Tagung abgehalten, die der Interethnizität gewidmet war. Der nichtgewählte italienische Spitzenkandidat Riccardo Dello Sbarba stellte die These auf, dass das bestehende Autonomiemodell am Scheitern der interethnischen Pläne der Grünen schuld sei. Die Landesautonomie sehe nämlich zwei de facto getrennte ethnische Bereiche vor, was tatsächlich zutrifft. Allerdings vergisst der italienische Grüne, dass diese Autonomie zum Schutz der ethnischen Minderheit der Deutschen und Ladiner beschlossen und in einem internationalen Vertrag festgeschrieben worden ist.
Ausgehend von seiner These kommt Dello Sbarba zur Schlussfolgerung, dass dieses Autonomiestatut "umgeschrieben" werden müsse, damit die italienische Bevölkerung in Südtirol" gleichberechtigt" sei.

L.Abg.Sepp Kusstatscher, Kandidat für das Europaparlament

Dello Sbarba verlangt deshalb einen zusätzlichen italienischen Assessor und die Rotation in den höchsten Ämtern, zum Beispiel beim Landeshauptmann! Diese Forderung, die übrigens auch ein Steckenpferd der italienischen Nationalisten ist, würde aber zu einer Verschärfung der ethnischen Gegensätze führen.
In Wirklichkeit sehen Italiener, Deutsche und Ladiner die Probleme aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln und setzen andere Prioritäten. Die Italiener betrachteten lange Zeit die Grünen als ein Instrument, um die "deutsche Übermacht" in den Institutionen zu brechen, umweltpolitische Themen hatten in ihren Augen einen geringeren Stellenwert. Ganz anders ist die Sichtweise der deutschen und ladinischen Grünen. Neben dem Ausbau des demokratischen Pluralismus stellen diese die Umweltpolitik mit ihren gesellschaftlichen Auswirkungen in den Vordergrund und sehen keine Notwendigkeit für eine "Umschreibung" des Autonomiestatutes. Das beweist auch der Umstand, dass die beiden neu gewählten Abgeordneten der Grünen Sepp Kusstatscher und Hans Heiss aus einem Bezirk kommen, der vom Verkehr massiv belastet ist und dessen Bewohner Angst haben, durch gewaltige Umweltprojekte in ihren Lebensgrundlagen getroffen zu werden.
Auch als Partei werden die Grünen noch öfters Gelegenheit haben, ihre Theorien an der Realität zu messen, wobei das grüne Wahlvolk bereits gezeigt hat, dass es sich keine interethnischen Personalvorschläge von oben herab diktieren lässt.
Erfreulich ist der Beschluss der Grünen, Sepp Kusstatscher als Kandidaten für die Wahlen zum Europaparlament aufzustellen, er hat dazu die besten Voraussetzungen. Da die Wahl des SVP-Europa-Abgeordneten bereits gesichert ist, haben nun die Südtiroler die Chance, durch kluges Wahlverhalten und ohne unnötige parteipolitische Polemiken zwei Leute nach Straßburg zu entsenden, die das Land bestens vertreten werden.

  go to the top

Valid HTML 4.01!  Valid CSS!