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Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
20. Jahrgang - Nr.1 Jänner/Februar 2004 - erscheint zweimonatlich
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Gesellschaft im Umbruch
Der Pluralismus trägt Früchte - das Märchen von der italienischen Minderheit in Südtirol
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Für eine gerechte ladinische Politik
Ein Forderungskatalog
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Von der Bewegung zur Partei
Grüne Widersprüche und grüne Ziele
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Das Unbehagen der Italiener in Südtirol
Das Problem hat eine kulturelle Ursache
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Eine Kämpferin für Tirol
In memoriam Viktoria Stadlmayer
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Mobbing im Krankenhaus

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Aufkündigung

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Die rechte Spalte

von Raeticus


Prompt hat Michaela Biancofiore, einzige Vertreterin von Forza Italia im Südtiroler Landtag, die Argumentation ihres Chefs Franco Frattini übernommen und in einem Interview mit der "Neuen Südtiroler Tageszeitung" die These vertreten, die Italiener seien in Südtirol eine zu schützende Minderheit. Deshalb sei auch das Autonomiestatut zu "aktualisieren".
Um diese These zu untermauern, führt sie recht eigenartige und fragliche Gründe ins Feld. So erklärt sie, dass die Deutschen "geschlossen hinter einer einzigen Partei stehen". Frau Biancofiore weiß aber, dass es mittlerweile außer der Südtiroler Volkspartei weitere drei Parteien gibt, die gewählte Vertreter der deutschen Bevölkerung aufweisen. Dass die SVP als stimmenstärkste Partei die Regierung stellt, entspricht den Grundsätzen der Demokratie. Außerdem unterschlägt Frau Biancofiore den Umstand, dass es auch die Ladiner gibt und dass diese zu einem ganz erheblichen Teil diese Partei wählen.
Was die Forza-Italia-Repräsentantin offensichtlich stört, was sie aber nicht offen auszusprechen wagt, ist der Umstand, dass deutschsprachige Südtiroler die Führungsposten einnehmen. Sie versucht somit ihre nationalistische Einstellung mit parteipolitischen Vorbehalten zu kaschieren. Dafür spricht sie ganz allgemein von den "Italienern" und ignoriert bewusst den Pluralismus, der in der italienischen Bevölkerung besonders ausgeprägt ist. Bezeichnend für ihre Vorstellung von Südtirol ist die Aussage, wonach die Italiener allmählich dahinschwinden, weil sie sich in der lokalen Realität integrieren. Das sei - so Biancofiore - einerseits positiv, "wer aber die eigene Kultur und Identität beibehalten möchte, muss geschützt werden."
Schließlich lässt unsere Patriotin die Katze ganz aus dem Sack, indem sie die Abschaffung oder wenigstens die Änderung des Proporzes fordert, damit auch die Italiener in Führungspositionen gelangen können. Dabei lässt sie als Italiener offensichtlich nur diejenigen gelten, die zu Forza Italia und zu den Postneofaschisten gehören. Demnach findet sie auch, dass die in der Landesregierung sitzenden Italiener nicht dem Wählerwillen entsprechen, sie seien ja nur von der SVP "ausgesucht worden!"
Diese wirren nationalistischen Aussagen, die eine totale Verkennung der lokalen Situation verraten, bedürfen keines weiteren Kommentars. Die richtige Antwort hat ihr Landesrätin Luisa Gnecchi von "Pace e diritti" gegeben, die wörtlich erklärte: "Ich fühle mich nicht einer Minderheit zugehörig, die beschützt werden muss. Ich fühle mich als Südtirolerin italienischer Muttersprache und bin stolz darauf. Alle diese Erfindungen dienen nichts anderem, als neue Schützengräben aufzuwerfen". Besser und deutlicher kann man es nicht formulieren!

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