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Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
20. Jahrgang - Nr.1 Jänner/Februar 2004 - erscheint zweimonatlich
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Gesellschaft im Umbruch
Der Pluralismus trägt Früchte - das Märchen von der italienischen Minderheit in Südtirol
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Die rechte Spalte
Berlusconis Repräsentantin in Südtirol
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Von der Bewegung zur Partei
Grüne Widersprüche und grüne Ziele
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Das Unbehagen der Italiener in Südtirol
Das Problem hat eine kulturelle Ursache
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Eine Kämpferin für Tirol
In memoriam Viktoria Stadlmayer
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Mobbing im Krankenhaus

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Aufkündigung

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Für eine gerechte ladinische Politik

von Lois Trebo

Zu den bereits erschienenen Artikeln über Ladinien mögen die Leser einmal eine andere Stimme Ladiniens vernehmen, eine Stimme, die vielen auch Nichtladinern seit Jahren bekannt sein dürfte.

1. Es ist ein Grundrecht jeder Volksgruppe, sich autonom zu vertreten, sofern sie der Auffassung ist, dass eine größere Selbständigkeit ihr nur nützen kann. In Ladinien ist es zur Gründung der "Liste Ladins" gekommen, weil sich ein Teil der Bevölkerung durch die SVP zu schwach und oberflächlich vertreten fühlte; dies gilt vor allem für diejenigen, welche auf einen echten Sprach- und Minderheitenschutz pochen und für die ladinische Volksgruppe eine größere Autonomie verlangen mit allen Rechten, welche die anderen Sprachgruppen seit jeher genießen. Andere sind wiederum der Auffassung, es wäre für die Ladiner wünschenswert, eine eigene Sammelpartei zu gründen, also eine echte Partei der Ladiner, welche alle ladinischen Interessen unter einen Hut bringen könnte. Eine solche Partei müsste eigene Statuten haben, einen gewählten Obmann und einen Ausschuss; dazu gehörte ebenso ein Sekretariat. Eine derartige Partei könnte mit der SVP zusammenarbeiten nach dem Muster der deutschen Parteien CSU/CDU. Für einen solchen Fall wäre es unabdingbar, einen ladinischen Wahlkreis zu schaffen, welcher eine sichere Vertretung von mindestens zwei Ladinern im Landtag garantieren würde. Nur so könnten beide Stellen im Landtag besetzt werden, welche das Autonomiestatut für die Ladiner vorsieht. Man liest gelegentlich von einer SVP Ladina; diese besteht leider nur auf dem Papier, denn es gibt keine eigene Struktur, keine Statuten, keinen Obmann, also nichts, was eine unabhängige Partei charakterisieren würde; lediglich die Ladiner der SVP könnten damit gemeint sein.

2. Magnago, Benedikter und Riz haben vor 40 Jahren eine Autonomie für Südtirol verlangt und erreicht; keinem Menschen ist es eingefallen, diese Herren deswegen als Separatisten oder Fundamentalisten zu bezeichnen, wohl aber werden Ladiner so abgestempelt, sofern sie für ihre Volksgruppe eine größere Autonomie verlangen. Wer hätte vor 40 Jahren gedacht, dass Südtirol eine so breite Autonomie erlangen würde? Wer den Anschluss aller Ladiner an Tirol verlangt - bis 1920 gehörten sie ja zu Tirol - will ja nur das Unrecht der Faschisten, die Abkoppelung der ladinischen Täler von Südtirol rückgängig machen. Wer die Aufsplitterung der ladinischen Volksgruppe in drei Provinzen und drei Diözesen weiterhin duldet und für deren Rückführung und den Anschluss an Südtirol nichts unternimmt, befürwortet den Untergang dieser ältesten Volksgruppe Tirols. Die Aussagen und Beteuerungen der Politiker, man wolle für die Ladiner einen größeren Schutz erlangen, sind nichts als Sand in den Augen der Volksgruppe.

Musikkapelle in Gröden

Schutzbestimmungen wie die Anderen Volksgruppen und keine Brosamen und sie wollen nicht Bittsteller sein. Mit gelegentlichen kleinen Verbesserungen am Statut ist nichts getan, weil in Ladinien eine schleichende Assimilierung am Werk ist, die total ignoriert wird. Auch von der Landesregierung könnte viel mehr getan werden, um den Ladinern viele jener Rechte zuzugestehen, welche die beiden anderen Volksgruppen seit jeher genießen.

3. Ein besonderer Sprachschutz ist für die Ladiner unbedingt erforderlich - Ladinisch muss eine stärkere Präsenz in der Schule erlangen. Mit kaum zwei Wochenstunden Ladinisch kann die Muttersprache in der Schule nur mangelhaft gelehrt werden. Keine Muttersprache kann mit einem so minimalen muttersprachlichen Unterricht gepflegt, noch gefördert noch gefestigt werden. Die Ladiner werden Tag und Nacht von anderssprachigen Sendungen bombardiert, alle möglichen fremdsprachigen Zeitungen flattern in ladinische Stuben. Jeder, der die ladinischen Sendungen hört, kann feststellen, dass sich bereits zu viele Fremdwörter in die Alltagssprache eingeschlichen haben und somit die Sprache verunstalten. Jede Volksgruppe muss darauf bestehen, dass die eigenen Kinder zuerst gut ihre eigene Muttersprache lernen. Dies soll zuerst in der Familie geschehen, aber auch die Schule und die Kirche haben eine gewaltige Verantwortung. Die Erlernung der Fremdsprachen darf nicht auf Kosten der Muttersprache geschehen. Auch in der Verwaltung, in den Institutionen, welche mit Ladinien zu tun haben, müsste Ladinisch viel stärker präsent sein. Die Einführung der neuen ladinischen Schriftsprache wird niemandem aufgezwungen: der Verwaltung, dem Land, den Gemeinden, dem Schulamt, den Medien usw. steht es frei, sie anzuwenden oder nicht. Landeshauptmann Durnwalder hat selber gesagt, dass die Verwendung der zwei Talvarianten nur so lange aufrecht bleibt, bis die Ladiner sich auf die neue Schriftsprache geeinigt haben. Die ladinischen Medien müssen weiter ausgebaut werden: eine bedeutende Erhöhung der Sendezeiten in Rundfunk und Fernsehen wird den Ladinern schon seit Jahren versprochen, ebenso wie eine autonome Redaktion bei der RAI. Die ladinische Presse möge durch öffentliche Mittel bedeutend gefördert werden, eine ladinische Nachrichtenagentur soll nach dem Muster der romanischen "Agentura da Novitads Rumantscha" auf die Beine gestellt werden.

4. Der Proporz bestraft die Ladiner dahingehend, dass sie von den meisten höheren Stellen ausgeschlossen werden; der Proporz kann jedoch eine flexiblere Anwendung finden. Die Ladiner sind immer noch von den meisten wichtigen Institutionen ausgeschlossen, so von der Sechser-Kommission, vom Einvernehmungskomitee, vom Verwaltungsgericht und von den gesetzgebenden Landeskommissionen. Das 3. Autonomiestatut hat tatsächlich Ladiner 1. und 2. Klasse geschaffen: den Ladinern Südtirols ist zum Unterschied von den Fassaladinern kein eigener Wahlkreis zugestanden worden. Im Statut steht, dass Bozen einen Ladiner zum Landesrat von außen berufen kann, ein gewählter ladinischer Mandatar kann entgegen den Proporzbestimmungen zum Landesrat gewählt werden, ein Ladiner kann Präsident des Landtages und des Regionalrates werden, d.h. er hat kein Recht auf diese Ämter. Wie bereits gezeigt worden ist, wird ein Ladiner nur dann in diese Ämter berufen, wenn er der "richtigen" Partei angehört, dann kommt er zum Zug. Ist dies nicht eine Diskriminierung der Volksgruppe, wenn nur Ladiner einer bestimmten Partei die genannten Ämter antreten können, andere jedoch ignoriert werden?

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