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Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
19. Jahrgang - Nr.6 November/Dezember 2003 - erscheint zweimonatlich
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Der Kampf der Lobbys
Sesselrücken in der "Gschertenrepublik"
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Die Angstwahl
Kritischer Beitrag zum Wahlverhalten der Ladiner
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Durnwalder füllt die "leere Schachtel" auf
Das zwiespältige Verhältnis der SVP zur Region
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Gefangen im System
Das Versagen des Sanitätswesens
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Grüne Kuryositäten
Nationale Identität und kulturelle Öffnung
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Erinnerung an Gerhard Riedmann

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Die rechte Spalte

von Raeticus


Die Tatsache, dass bei dieser Regierungsbildung ein Neo-Postfaschist zum stellvertretenden Landtagspräsidenten von Südtirol gewählt wurde, hat erhebliche Wellen geschlagen. Der Heimatbund hat sogar im ganzen Land Plakate anschlagen lassen, auf denen eine kleine SVP im Schlepptau eines großen Faschisten dargestellt ist. Das ist sicherlich übertrieben und wird der Opposition wohl kaum neue Stimmen bringen, aber es zeigt doch, dass in der deutschsprachigen Gesellschaft eine gewisse Betroffenheit herrscht.
Tatsächlich gab es dazu wenige Alternativen, denn die Politik der SVP hatte wesentlich dazu beigetragen die Reihen der demokratischen Italiener zu lichten. Der starke konservativ-klerikale Flügel der Volkspartei hat stets langfristige Abmachungen mit den demokratischen linken italienischen Parteien abgelehnt, teils aus ideologischen Vorbehalten, teils aus Angst, die Gunst (und die Mittel) der rechtslastigen Zentralregierung in Rom zu verlieren. Zu diesen einflussreichen Kreisen gehört auch der Ebner-Clan mit dem mächtigen publizistischen Apparat des Athesia-Verlages. Dazu kommt noch, dass die SVP immer noch die Illusion pflegt, sie sei die Sammelpartei der Deutschsprachigen und somit das einzige Bollwerk gegen die "welsche Gefahr".
Als Alternative dazu haben die Südtiroler Sozialdemokraten immer den Südtiroler italienischer Sprache propagiert, d.h. den lokalen Italiener, der sich zu seiner Identität bekennt, aber gleichzeitig gut Deutsch spricht und mit der Geschichte und den Traditionen dieses Landes vertraut ist. Dieser Menschentypus ist natürlich den Scharfmachern beider Lager verhasst, denn er lässt sich nicht so leicht in die Propagandamaschine der nationalen Agitation einbauen. Die leidige und oft beschämende Diskussion um das so genannte Siegesdenkmal zeigt die Verunsicherung und die mangelnde Verwurzelung vieler Italiener, die sich völlig zu Unrecht mit diesem faschistischen Protzbau identifizieren und ihn als Bestätigung für ihre Präsenz im Lande ansehen.
Dem müsste eine kluge, langfristige Politik der Aufklärung und Information entgegenwirken. Es ist bedauerlich, dass die deutschen Oppositionsparteien da aus rein wahltaktischen Erwägungen nicht mitmachen, sondern Öl ins Feuer gießen, während die Grünen weiterhin die ethnische Realität ignorieren und sich mit abstrakten interethnischen Konstruktionen beschäftigen.
Dabei hat die letzte Landtagswahl gezeigt, dass die Front der Nationalisten im italienischen Bereich Verluste hinnehmen musste und im langsamen Abbau begriffen ist. Auch der italienische Wähler weiß nunmehr, dass die Autonomie ihm wichtige Vorteile bringt und dass die nationalistische Trommlerei wohl einigen Politikern auf den Sessel hilft, ihm selbst aber nichts bringt. In diesem Sinne ist die Präsenz eines Neo-Postfaschisten auf einem wichtigen institutionellen Posten keineswegs hilfreich. Er hat nämlich die politische Aufgabe, durch reichliches Kreidefressen seine politische Harmlosigkeit zu demonstrieren und die Beteiligung der Neo-Postfaschisten an der Landesregierung vorzubereiten.
Dazu noch eine wichtige Bemerkung: Wer in der SVP glaubt, dass die anstehenden ethnischen Probleme dadurch gelöst werden könnten, dass immer mehr Italiener die SVP wählen, der unterliegt einem gefährlichen Irrtum. Die Probleme würden wohl momentan vertagt, in einer langfristigen Perspektive aber immer größer und unlösbarer.
Raeticus

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