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Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
19. Jahrgang - Nr.6 November/Dezember 2003 - erscheint zweimonatlich
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Der Kampf der Lobbys
Sesselrücken in der "Gschertenrepublik"
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Die Angstwahl
Kritischer Beitrag zum Wahlverhalten der Ladiner
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Durnwalder füllt die "leere Schachtel" auf
Das zwiespältige Verhältnis der SVP zur Region
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Die rechte Spalte

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Grüne Kuryositäten
Nationale Identität und kulturelle Öffnung
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Erinnerung an Gerhard Riedmann

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Gefangen im System

Wer in Europa noch eine kräftige Prise von "realexistierendem Sozialismus" auskosten möchte, der muss das Südtiroler Sanitätssystem ausprobieren. Es ist knapp eineinhalb Jahre her, seit Landesrat Saurer, umgeben von seinem Stab von Sanitätsbeamten und Experten, verkündete, man habe nunmehr "alles im Griff". Das stimmt nicht. Obwohl das Sanitätsassessorat ein Viertel des üppigen Landesbudgets verwaltet und ausgibt, obwohl immer wieder zusätzliche Beiträge von den Bürgern verlangt werden, wächst die Unzufriedenheit der Kranken und des Sanitätspersonals.
Es liegt am System, das endlich der Realität angepasst werden müsste. Die gröbsten Mängel sind in dieser Zeitung immer wieder hervorgehoben worden: der Hausarzt ist zum Zettelschreiber degradiert worden, teure und ineffiziente Beamtenburgen "verwalten" als Sanitätssprengel die Kranken, die fachärztliche Betreuung wurde den Krankenhausärzten als Fließbandarbeit auferlegt, während man gleichzeitig eine sinnvolle und angemessene Integration der privaten Medizin in das System verhinderte. Außerdem hat man alles unternommen, um die Begegnung zwischen Patienten und Arzt zu entpersonalisieren, und zwar im Namen eines Gleichheitsprinzips, das an jakobinischen Fanatismus erinnert, die Hierarchie in den Krankenhäusern wurde praktisch abgeschafft und es wurde dafür gesorgt, dass Motivation und Leistung im Betrieb keine Rolle mehr spielen.
Die Folgen dieser Entwicklung sind durchaus sichtbar: Der Kranke wird von Schalter zu Schalter gejagt, die Frustration der Ärzte und des gesamten Sanitätspersonals nimmt zu und die Kosten steigen weiterhin an. Mit Jahresbeginn hat das Sanitätsassessorat neue Regeln erlassen, die daraufhin zielen, den Zugang zu den Leistungen noch besser zu "filtrieren". Der bereits mit Schreibarbeit überlastete so genannte Basisarzt muss nunmehr die einfachsten Untersuchungen bewilligen. Das bedeutet weitere Formulare und Stempel, weitere unnötige Wartezeiten an den verschiedensten Stellen, es bedeutet mehr Beamte und mehr Bürokratie. In den oberen Etagen der Sanitätsbetriebe haben die Computer weiterhin "alles im Griff." Nur unten, in der bitteren Realität des Alltags, ist der Kranke diesem System hilflos ausgeliefert. Aber darum schert sich kein Bürokrat und schon gar kein (politisches) Schwein.

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