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Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
18. Jahrgang - Nr.5 September/Oktober 2002 - erscheint zweimonatlich
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Ursache einer Niederlage
Das Referendum zum Siegesplatz in Bozen
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Vom heilsamen Schrecken der Kritik
2.Teil und Schluß
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Das häßliche Gesicht der SVP
Apartheidspläne für Südtiroler Kindergärten
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Rot-Grün behauptet sich
Wahlen in Deutschland und Österreich
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Der Wille zum Krieg
Die wahren Ursachen der Irak-Krise
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Österreichischer Orden für den Postfaschisten Fini
Die Verwunderung der Südtiroler
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Münchner Malerei aus der Prinzregentenzeit

von Ute Strimmer
Ausstellung Leo Putz - Sammlung Siegfried Unterberger

Schon zu Lebzeiten war der gebürtige Meraner Leo Putz (1869-1940) einer der erfolgreichsten Künstler um die Jahrhundertwende in München und bereicherte während der Prinzregentenzeit das breite Spektrum der Kunst. Als brillanter Kolorist fiel der Südtiroler auf, er zelebrierte seine Farben "en plein air" und blieb aber doch gegenständlich genug, daß sich die Körperlichkeit nie im flimmernden Licht verflüchtigte - genau das, was sein Publikum schätzte. Vom 2. Oktober bis 17. November präsentiert die Galerie der Bayerischen Landesbank in München rund vierzig Werke des Malers aus der Sammlung Siegfried Unterberger, dessen hochwertige Putz-Kollektion seit seiner jüngst inszenierten Retrospektive in Meran weiter gewachsen ist. Leihgaben der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und des Leipziger Museums der bildenden Künste geben weitere Einblicke in die fruchtbarsten Schaffensjahre des Südtirolers Malers.

Die Ausstellung behandelt, chronologisch und thematisch strukturiert, Putz' künstlerische Anfänge um 1895 in München, seine prägenden Jahre im Kreise der Zeitschrift "Jugend" und der Künstlergemeinschaft "Scholle" sowie die bedeutende Schaffensphase in Hartmannsberg. Im Mittelpunkt steht dabei seine persönliche und künstlerische Beziehung zu München und Leipzig.

Leo Putz wurde am 18. Juni 1869 in Meran geboren und stammt aus einer alten Vinschgauer Familie. Aber für seine künstlerische Prägung und sein Wirken war München zeitlebens der wichtigste Ort. Als Sohn des Bürgermeisters Franz Putz durfte er mit 16 Jahren sein Talent an der Münchner Akademie ausbilden lassen; 1895 bezog er in der bayerischen Metropole sein erstes Atelier.

Den Beginn der Ausstellung markiert das 1896 entstandene großformatige Ölbild "Vanitas", das motivisch wie stilistisch noch stark unter dem Einfluß von Franz von Stuck steht und mit dem er in der Münchner Secession für großes Aufsehen sorgte. Es zeigt eine junge Frau auf einem zerwühlten Bett liegend; über ihr tanzt das personifizierte schlechte Gewissen. Einen weiteren Skandal entfachte Putz' "Bacchanale" 1905 in der Münchener Glaspalastausstellung, das schließlich wegen sittlicher Bedenken entfernt werden mußte.

Im November 1899 schlossen sich zwölf Schüler der Münchener Akademie, darunter Leo Putz, zu der Künstlergruppe "Die Scholle" zusammen. Typisch für sie waren große Formate, ein helles, leuchtendes Kolorit, breite Pinselführung und pastoser Farbauftrag. Zu den glanzvollsten Beispielen aus diesen Jahren zählt "Die Dame in Blau". Gusti Bennat war das Lieblingsmodell dieser Jahre: Lässig auf einer Chaiselongue posierend, schaut sie versonnen aus dem Bild und empfängt den Besucher.

Dame in Blau, Öl/LW, 1908 -Sammlung Unterberger

Aus der folgenden Hartmannsberger Zeit (1909-1914) sind eine Reihe von atmosphärischen Kahn- und Aktbildern zu bewundern. Hier schuf der Maler seine reifsten Werke, die melancholisch gestimmten "Kahnbilder". Immer wieder ist hier der Blick vom erhöhten Ufer aus auf ein dunkles Ruderboot gerichtet, in dem eine junge Frau mit großem Florentinerhut, meistens Frieda Blell, träumerisch versunken sitzt.

Mit dieser Ausstellung gewährt der Meraner Kunstliebhaber Siegfried Unterberger einen Einblick in das Herzstück seiner Kollektion. Seit Jahrzehnten trägt der Sammler Werke von Künstlern des frühen 20. Jahrhunderts zusammen. Seine besondere Leidenschaft gehört der umfangreichen Putz-Kollektion, die in dieser Form zum ersten Mal in München, Leipzig und Rovereto zu sehen ist. Bereits 1980/81 initiierte der promovierte Bauingenieur die erste Gedächtnisausstellung zum 40. Todestag von Leo Putz im Meraner Kurhaus, im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck, und in der Münchener Villa Stuck sowie vor zwei Jahren die große Leo Putz-Retrospektive im Meran. Die Vorliebe für Südtiroler Künstler ist bei Siegfried Unterberger ganz groß geschrieben: sie zeigt nicht nur das Wissen um zahlreiche gute Sammlungsstücke, sondern auch seine Heimatverbundenheit.

Galerie der Bayerischen Landesbank, München,
2.10. - 17.11. 2002

Weitere Stationen:

Museum der bildenden Künste, Leipzig,
30.11.-26.01.2003

MART - Museo d'Arte Moderna e Contemporanea di Trento e Rovereto, Trient,
14.2. - 26.5.2003

Katalog Tappeiner Verlag, Lana, 20 E

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