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Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
18. Jahrgang - Nr.5 September/Oktober 2002 - erscheint zweimonatlich
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Ursache einer Niederlage
Das Referendum zum Siegesplatz in Bozen
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Vom heilsamen Schrecken der Kritik
2.Teil und Schluß
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Das häßliche Gesicht der SVP
Apartheidspläne für Südtiroler Kindergärten
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Rot-Grün behauptet sich
Wahlen in Deutschland und Österreich
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Österreichischer Orden für den Postfaschisten Fini
Die Verwunderung der Südtiroler
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Münchner Malerei aus der Prinzregentenzeit
Ausstellung Leo Putz
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Der Wille zum Krieg

von Elisabeth Höglinger

Der österreichische Staatsminister Metternich zeigte sich hocherfreut, als der Theologiestudent Sand, ein Mitglied der revolutionären Burschenschaften, 1819 den Dichter Kotzebue ermordete. Nun hatte er den Anlass für die Durchsetzung der lange geplanten restriktiven Maßnahmen, die als Karlsbader Beschlüsse in die Geschichte eingegangen sind.

Ähnlich willkommen scheint der amerikanischen Führung der Anschlag auf das WTC und das Pentagon am vergangenen 11. September 2001 gewesen zu sein. Zumindest wurde sofort die Chance wahrgenommen, eine neue hegemoniale Doktrin des Imperiums in Beziehung auf den Rest der Welt zu verkünden und mit Hilfe des Krieges durchzusetzen. Diese ungeheuerlich anmutende Behauptung stellten drei prominente amerikanische Journalisten auf, nachdem sie in den ersten drei Tagen nach dem 11. September die Verantwortungsträger der Bush-Administration befragt bzw. deren Äußerungen genau analysiert hatten.

Die Rede ist von den Artikeln von Bob Woodward, Dan Balz und Nicholas Lehman in der "Washington Post" und im "New Yorker". Die Attacken vom 11. September stellten eine Gelegenheit dar "in der ganzen Welt die zwischenstaatlichen Beziehungen neu zu definieren". Das neue strategische Ziel war bereits am 12. September 2001 festgelegt: "Die Macht der Vereinigten Staaten ist nötig, um die Welt zu disziplinieren".

Dass diese neue Hegemonie sich am schnellsten, effizientesten und unkompliziertesten durchführen lasse, wurde dann plausibel, als sofort ein Krieg als einzig wirksames Mittel gegen den Terrorismus angepriesen wurde. Nur über dieses zweite verborgene Motiv, die neue Hegemonie, lässt sich nämlich der impertinente Wille zum Krieg, wie wir ihn aus den Äußerungen Bushs und seiner Getreuen seit über einem Jahr zu hören bekommen, erklären. Die vorgeschobenen Motive Kampf gegen den Terrorismus, Zerstörung der Waffenarsenale der Schurkenstaaten, sind fadenscheinig und lassen sich leicht widerlegen. Amerika hat offenbar Eile, in die Rolle, die ihm seit der Implosion des kommunistischen Imperiums vor 10 Jahren zugefallen ist, voll einzutreten. Einzige noch verbliebene Weltmacht. Diese neue Rolle wird man sich von niemandem streitig machen lassen. Sie ist ähnlich jener des Römischen Imperiums, das verhasst war und unterging, aber immerhin durch eine unendlich lange Zeit unter großer Kraftanstrengung ganz Europa und Vorderasien sowie den Mittelmeerraum im eisernen Griff hielt.

Versuchen wir zu erörtern, ob ein Krieg ein wirksames Mittel ist, die Plage des Terrorismus zu vertilgen. Es konnte nicht nachgewiesen werden. dass die ausgewiesenen Schurkenstaaten (Nordkorea, Iran, Irak) den internationalen Terrorismus von ihrem Territorium aus unterstützen. Die meisten Terroristen stammen aus mit Amerika befreundeten Staaten, wie Saudi Arabien oder Ägypten.

"Warum ist Bush dem Irak gegenüber so mißtrauisch?" "Vertrauen ist gut, bombardieren ist besser". aus "Corriere della Sera"

Osama bin Laden, der trotz seine sanften Aussehens den Mord als Mittel zur Durchsetzung politisch-ideologischer Ziele propagiert, stammt aus dem Jemen, hat seinen legendären Reichtum aus Geschäften in Saudi Arabien, wirkte im fundamentalistischen Afghanistan und konnte nicht gefasst werden, obwohl eine Großmacht hauptsächlich gegen ihn einen Krieg führte.

Mit einer hochtechnisierten Luftstreitmacht gegen Terroristen und Terrorverdächtige anzukämpfen, die, wie sich gezeigt hat, nur vom unbedingten Willen zur Tat beseelt sein brauchen (die Terroristen vom 11. September hatten Teppichmesser und eine windige Pilotenausbildung als Ausstattung), kann nur einem einfallen, der mit seiner Kriegsaktion anderes als das Vorgetäuschte bezweckt. Es würde sich sonst rein rechnerisch nicht ausgehen. Aber anscheinend kostet Krieg nie zuviel. Das zweite Motiv für einen Krieg, namentlich gegen den Irak, die Verunmöglichung eines Angriffes auf die freie Welt durch die Vernichtung des hoch entwickelten Waffenarsenals (chemisch biologische, eventuell auch Atomwaffen), hat schon mehr Logik. Auch ist es dieses Kriegsmotiv, das die Bush-Administration den Vereinten Nationen insistent unterbreitet, damit ein gemeinsames Handeln durch eine Uno-Resolution ermöglicht werde. Noch zögern die Vereinten Nationen, auch weil der Diktator von Bagdad, ehrlich oder listig, versucht seinen Gegnern durch Entgegenkommen den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Wie diese böse Sache ausgehen wird, wird die nächste Zukunft zeigen. Wir Europäer haben allen Grund einen Krieg zu fürchten. Denn wenn die neuen Kriege Amerikas auch sehr kalkulierbar erscheinen, ja eher wie chirurgische Eingriffe mit genau vorgegebenen Zielen erfolgen, man weiß bei einem Waffengang nur wie er beginnt, der Ausgang ist unabsehbar. Wer fröhlich in den Ersten Weltkrieg zog und versprach "in vierzehn Tagen sind wir wieder da" fand sich im schmutzigen Stellungskrieg aufs fürchterlichste widerlegt.

Der deutsche Kanzler Schröder hat sich im Wahlkampf ohne Wenn und Aber gegen diesen Krieg ausgesprochen. Auch jetzt nach gewonnener Wahl wird er nicht wankelmütig. Wir hoffen nur, dass er sich dafür verwendet die Front der Kriegsgegner zu stärken und auszuweiten.

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