Suedtirolernachrichten Logo
Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
18. Jahrgang - Nr.5 September/Oktober 2002 - erscheint zweimonatlich
| ZUR EINSTIMMUNG... | ARCHIV | KONTAKTIERE UNS|
Spacer
Spacer
Spacer
Ursache einer Niederlage
Das Referendum zum Siegesplatz in Bozen
Spacer
Spacer
Vom heilsamen Schrecken der Kritik
2.Teil und Schluß
Spacer
Spacer
Rot-Grün behauptet sich
Wahlen in Deutschland und Österreich
Spacer
Spacer
Der Wille zum Krieg
Die wahren Ursachen der Irak-Krise
Spacer
Spacer
Österreichischer Orden für den Postfaschisten Fini
Die Verwunderung der Südtiroler
Spacer
Spacer
Münchner Malerei aus der Prinzregentenzeit
Ausstellung Leo Putz
Spacer
Spacer
Das häßliche Gesicht der SVP

Peinlich, was die Frau Landesrat für die deutsche Schule Kasslatter-Mur am 23. Oktober der Öffentlichkeit verkündet: durch eine "Invasion" von Kindern aus italienischsprachigen Familien in den Kindergärten von Bozen und des Unterlandes sei es nicht mehr möglich, den Unterricht in der Hochsprache zu garantieren. Man müsse dieser Entwicklung Einhalt gebieten, eventuell durch die Trennung in deutsche und gemischtsprachige Sektionen. Das Peinliche und Befremdende an dieser Meldung ist wohl, daß die Frau Landesrat eine Mentalität und Einstellung offenbart, die sie für diesen politischen Posten völlig disqualifiziert.

In diesen Tagen jammert und trommelt die SVP gegen den nationalistischen Geist eines erheblichen Teiles der italienischsprachigen Bevölkerung (siehe Referendum über den Siegesplatz in Bozen), und nun stellt sie gerade im entscheidenden Erziehungsbereich die Weichen für Entfremdung und Apartheid. Wenn in Bozen und in einigen wenigen Gemeinden des Unterlandes die italienischen Eltern ihre Kinder in den deutschen Kindergarten schicken wollen, muß man diesen Trend nicht behindern, sondern fördern. Die Eltern, die so handeln, möchten offensichtlich, daß ihre Kinder in diesem dreisprachigen Land bessere Chancen für ihren weiteren Lebensweg haben, und das Erlernen der deutschen Sprache wird von ihnen als Voraussetzung dafür angesehen.

Das bietet gleichzeitig die Möglichkeit, diese Kinder, die speziell in der Stadt Bozen in rein italienischen Vierteln leben, mit der Südtiroler Realität zu konfrontieren. Wer eine fremde Sprache erlernt, verfügt nicht nur über ein neues Kommunikationsmittel, er erfährt auch vieles über die Mentalität, die Tradition, die Bräuche, die Geschichte des anderen Volkes. Es ist der Weg zu jenem italienischsprachigen Südtiroler, den wir Sozialdemokraten immer wieder propagiert und gefordert haben. Der Nationalismus wächst vor allem auf dem Boden der Ignoranz, der Selbstisolierung und der Überheblichkeit. Es liegt im ureigensten Interesse der deutschsprachigen Südtiroler, dagegen anzukämpfen und dem Bildungswesen dieses Landes ihren Stempel aufzudrücken. Es ist eine große Chance, die sie ergreifen sollten.

Verlogen und falsch ist das Geschrei von Landesrat Hosp und sogar des LH Durnwalder, wonach die Präsenz von 350 Kindern aus italienischen Familien in den deutschen Kindergärten eine Aufweichung des Autonomiestatuts und eine Unterwanderung der deutschen Schule einleite. In Wahrheit will die SVP-Führung weiterhin eine ethnische Trennung aufrechterhalten, die nicht zu rechtfertigen ist, nur um ihr parteipolitisches Monopol unter den Deutschsprachigen und den Ladinern zu bewahren. Um dieses Ziel zu erreichen, nimmt sie auch in Kauf, daß gerade diejenigen Italiener vor den Kopf gestoßen und ausgegrenzt werden, die sich der deutschen Kultur öffnen. Die von Frau Kasslatter-Mur angedrohte Trennung der Sektionen in den genannten Kindergärten, hier die Deutschsprachigen, dort die Gemischtsprachigen, wäre ein gefährlicher Schlag gegen das Zusammenleben der verschiedenen Volksgruppen, gegen das Autonomiestatut und gegen den Geist des vereinten Europas.

Beschämend und falsch ist auch die Behauptung der Frau Landesrat, man verfüge nicht über genügend Personal, um unter diesen Umständen den Kindern das Erlernen der deutschen Hochsprache zu garantieren. Auch dies ist nur ein Vorwand, um eine Apartheidspolitik zu betreiben. Ähnliche sprachliche Verhältnisse gibt es durch die starke Ausländerpräsenz in den Kindergärten der Schweiz, Österreichs und Deutschlands. Übrigens kann ein so reiches Land wie Südtirol für diese wichtige Zukunftsarbeit durchaus zusätzliche Kindergärtnerinnen einstellen oder diese aus dem deutschsprachigen Raum engagieren. Diesen Lehrkräften könnte man auch eine zusätzliche Aufgabe übertragen: zahlreichen SVP-Landtagsabgeordneten die deutsche Hochsprache beizubringen, die sie trotz "strammer völkischer Haltung" immer noch nicht beherrschen.

e.j.

  go to the top

Valid HTML 4.01!  Valid CSS!