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Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
18. Jahrgang - Nr.6 November/Dezember 2002 - erscheint zweimonatlich
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Das "mir sein mir" - System
Die harsche Kritik eines Insiders
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Zum "Siegesplatz"
Eine objektive geschichtliche Bewertung
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Mythos Weihnachten
Zum Konsumfest degeneriert
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Terrorismus
Die trügerische Spirale der Gewalt
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Wir stiften Kultur. Die Bank.
Kultur und Kommerz
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Der große Plauderer
Berlusconis fragliche Erfolge
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Kurznachrichten aus Südtirol


Der Feuerbrand ... in den Köpfen von SVP-Politikern und Bauernfunktionären

Als die "Südtiroler Nachrichten" als erste den Widersinn der Verordnungen der SVP-Landes- und Gemeindepolitiker zur Bekämpfung des Feuerbrandes anprangerten, gab es nur Häme und Spott. Anstatt auf die vorgebrachten Argumente einzugehen, antwortete die lokale Behörde mit Drohungen und Solidaritätsappellen.

Mittlerweile häufen sich die Stimmen, die zum vernünftigen Umgang mit diesem Problem mahnen. Experten aus dem Ausland betonen, daß man mit dem Feuerbrand in Zukunft leben müsse und daß es keine Radikallösung geben könne. Als nutzlose Alibiaktion wird die geforderte Ausrottung der gesunden Zierpflanzen bezeichnet, die Wirtspflanzen für den Feuerbrand sein sollen. Da hat man eine willkürliche Auswahl getroffen, die an der Realität vorbeigeht und nur den Justamentstandpunkt der Politiker und Funktionäre bestätigen soll. Wollte man wirklich auf diesem sogenannten "radikalen Weg" beharren, müßte man beispielsweise alle Bienenvölker ausrotten, man müßte den Tourismus drastisch einschränken; Maßnahmen, die undenkbar sind, weil sie auch die wirklichen Bauern schwer schädigen würden.

Es ist auch bezeichnend für die Mentalität der in Südtirol Regierenden, daß diese Verordnung des Landeshauptmannes gar keine Entschädigung für die von dieser Radikalmaßnahme Betroffenen vorsieht. Da haben doch viele Leute Geld und Zeit in diese Zierpflanzen gesteckt, die dann von einem Tag auf den anderen quasi zu Landesfeinden deklariert werden, nur weil eine Bevölkerungsgruppe sich verspekuliert und aus Gewinnsucht Apfelsorten importiert hat, die besonders feuerbrandanfällig sind.

Da in diesem Jahr Landtagswahlen sind, will der Landeshauptmann offenbar seine Sondertruppen, die Obstproduzenten, die strenggenommen gar nicht mehr zur Kategorie der Bauern gehören, besonders dazu motivieren, seine Partei zu wählen. Und dies auf Kosten der übrigen Bevölkerung.

Aber man erfährt in letzter Zeit immer häufiger, daß Bürger und Bürgerinnen in den verschiedensten Gemeinden des Landes auf diese billige Masche nicht mehr hereinfallen und sich nicht diesem Gemisch von verlogener Solidarität und autoritärer Einschüchterung beugen. Sie wollen genau informiert werden und sie bestehen auf ihren bürgerlichen Rechten.

Schließlich gibt es auch in Südtirol noch die Justiz. Wenn der Müller von Potsdam seinerzeit bei seinem Streit mit dem König von Preußen gemeint hat, daß es noch Richter gäbe in Berlin, wollen wir hoffen, daß dies auch für die hiesige Gschertenrepublik gilt.


Nachrichten aus der Heimat ... nur gegen Bezahlung

Bis vor kurzem standen in den "Dolomiten" immer wieder Leserbriefe, in denen im Ausland lebende Südtiroler und Südtirolerinnen ihre Freude darüber ausdrückten, daß sie im Internet die "Dolomiten" lesen könnten. So seien sie laufend über die Vorgänge in der Heimat informiert.

Ab 15. Dezember ist dieser Service nur gegen Bezahlung zugänglich, auf Anfrage wurde mitgeteilt, das dies eine Anordnung der Geschäftsleitung sei, angeblich seien die Betriebskosten zu hoch. Das ist merkwürdig, wenn man weiß, daß die "Dolomiten" die sich als das "Tagblatt der Südtiroler" bezeichnen, sicherlich zu den wohlhabendsten Regionalzeitungen gehören Im übrigen sind alle italienischen Lokalzeitungen weiterhin kostenlos im Internet zu lesen.


Der Artikel 19 des Autonomiestatuts

Knapp vor Weihnachten hat der scheidende Amtsleiter der deutschen Schule in Südtirol, Dr. Walter Stifter, in einem Rundfunkinterview die Möglichkeit erörtert, daß der Artikel 19 des Autonomiestatuts, der das Schulwesen in der autonomen Provinz regelt, gewisse Änderungen erfahren könne. Dies, um das Erlernen der zweiten Sprache in den Schulen zu verbessern und somit das Schulsystem einer zweisprachigen Gesellschaft anzupassen.

Sofort erhob sich das Geschrei der üblichen nationalen Trommler, die von einem Verrat an der Muttersprache faselten und den Artikel 19 zum Bollwerk der Minderheit erklärten. Selbst LH Durnwalder sah sich veranlaßt, diesen Standpunkt zu vertreten.

Nun hat ein erfahrener Schulmann aus dem deutschsprachigen Raum auf dieses äußerst aktuelle Problem hingewiesen. Er hat auch aufgezeigt, welche Widersprüche hier bestehen. Die Botschaft lautet: Wer wirklich eine zweisprachige Gesellschaft will, muß die praktischen Instrumente dazu schaffen, und da kann der Artikel 19 kein Hindernis sein.

Sozialdemokraten als wesentlich für die Gestaltung der Autonomie aufgezeigt. Aber gerade in dieser Sache zeigt die SVP ihren Pferdefuß. Sie will die zweisprachige Gesellschaft gar nicht, weil sie damit ihr politisches Monopol über die Deutschsprachigen und Ladiner zu verlieren fürchtet. Sie braucht die permanente Sprachentrennung, um jede politische Differenzierung zu verhindern und stattdessen die ethnische Karte auszuspielen.

Diese Politik richtet sich aber im Jahre 2003 gegen die autonomen Institutionen und auch gegen die langfristigen Interessen der deutschen Volksgruppe.

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