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Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
18. Jahrgang - Nr.6 November/Dezember 2002 - erscheint zweimonatlich
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Kurznachrichten aus Südtirol

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Zum "Siegesplatz"

von Herbert Rosendorfer

Ich sage es immer: es gibt zwei Monumente in Südtirol, die besonders herausragen: ein deutsches und ein italienisches. Das italienische ist das Pseudosieges-Denkmal an der Talfer, das deutsche ist Luis Trenker. Jenseits aller politischen und nationalen Überlegungen, nur rein ästhetisch betrachtet, halte ich, sage ich immer, das Siegesmonument für gefälliger. Vorbehaltslos betrachtet, erscheint nämlich dessen leicht jugendstilig-antiquiertes Art-Nouveau-"Design" gar nicht so schlecht.

Aber wer kann jenes Monument schon vorbehaltslos betrachten: nicht die Italiener und nicht die Deutschen. Höchstens ein Chinese, vielleicht, der es für das Grabmal Reinhold Messners hält, bis man ihn aufklärt, daß der noch gar nicht gestorben ist.

Für die deutschen Südtiroler ist das Denkmal - und mit ihm die Benennung des Platzes, Piazza della Vittoria/Siegesplatz - ein Dorn im Auge. Für die Italiener in Südtirol ist es - ja was ist es für sie? "Das Zeichen der historischen Wahrheit", hat ein Italiener, den ich für intelligent gehalten habe, gesagt.

Was ist diese historische Wahrheit, die dazu berechtigt, einen Platz in Bozen "Siegesplatz" zu nennen? Der Sieg Italiens im Ersten Weltkrieg?

Ich bin weit davon entfernt, der österreichisch-ungarischen Monarchie oder dem deutschen Kaiserreich nachzutrauern, und wer Brigitte Hamanns Buch "Hitlers Wien" und Kurt Tucholskys politische Feuilletons aus den zwanziger Jahren gelesen hat, weiß, wie verfault, vermodert, korrupt und innerlich längst für den Untergang reif diese Monarchien waren. Und sie haben auch dann den Krieg verloren. Hat Italien ihn aber gewonnen? Wer sich etwas bemüht, die "historische Wahrheit" - die ich betont und deutlich in Ausführungszeichen setze - genauer zu betrachten, wird feststellen, daß Italien im Oktober 1918 kurz vor dem Zusammenbruch stand. Nur der noch schnellere Zusammenbruch seiner Gegner hat es gerettet.

Daß eine Nation, deren kulturelle Größe nicht zu attestieren ein unverzeihlicher Fehler wäre, diese Sachlage zu ihren Gunsten ausnützt ist legitim, wenngleich für den Unterlegenen schmerzlich. Nun scheint im Bewußtsein der Italiener dieser Sieg, der nur eine um ein Haar verhinderte Niederlage war, durchaus bewußt zu sein, aber man will das Faktum nicht wahrhaben, und diese Konstellation macht empfindlich.

Es ist ganz ausgeschlossen, daß alle Italiener, die für die Rückbenennung des Platzes in "Piazza della Vittoria" stimmten, Faschisten waren, denn die Prozent-Zahlen der faschistischen Wahlergebnisse sprechen dagegen, die sind in Stadt und Land weit niedriger. Es war dies die Sache eines unaufrichtigen, verdrängenden Patriotismus, der sich nicht im klaren darüber ist, daß der Erste Weltkrieg ein Krieg war, den, bei Lichte besehen, niemand gewonnen hat. Alle haben verloren, selbst die USA, die sich auf die Länge eine verheerende Wirtschaftskrise eingehandelt haben.

Das Siegesdenkmal in Bozen

England und Frankreich ebenso - und Italien hat für den flächenmäßig bescheidenen Territorialgewinn wenige Jahre später seine Freiheit mit dem Faschismus eingebüßt, der eine unmittelbare Folge des Krieges war und auf den manche Schwierigkeit zurückgeht, unter denen Italien heute noch leidet. Es ist allenfalls zu fragen, welche der damals kriegführenden Staaten am meisten verloren hat - aber diese Frage ist müßig.

Ich schlage übrigens vor - und habe dies schon vorgeschlagen, bevor dies anderswo aufgetaucht ist -, als deutschsprachige Version des Platznamens nicht "Siegesplatz" zu wählen, sondern, und ich glaube das geht rechtlich, "Victoriaplatz" zu Ehren der englischen Königin Victoria (1837 - 1904) ... oder anderer Personen mit diesem Vornamen.
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