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Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
19. Jahrgang - Nr.2 März/April 2003 - erscheint zweimonatlich
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Die Logik der Gewalt
Die bedrohliche Ideologie des Irakkrieges
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Erziehungsreparaturwerkstätte Schule
Gedanken zur Unterrichtsproblematik
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Leserbriefe

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Von Grün bis Schwarz
Kommentar zu den Kongressen der Grünen und Forza Italia
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volksverbloedung im zeichen der tricolori
Eine ironisch-kritische Bewertung der sogenannten Volksmusik
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Posten und Ideale
Der harte Wahlkampf hat begonnen
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Die Berlusconiade

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DIE MÄRCHEN DES LANDESRATES SAURER

Alles im Griff...

War es Chuzpe, war es Dummheit, war es der Mut der Verzweiflung, die den Dr. Saurer veranlaßten zu behaupten, man habe das Sanitätswesen des Landes im Griff? Er tat diesen Ausspruch am 29. April bei der Eröffnung des neuen Sanitätssprengels Meran, eines aufwendigen Sanitätspalastes, der 5,9 Millionen Euro gekostet hat. Man kann verstehen, daß Saurer angesichts der nahen Landtagswahlen Erfolgserlebnisse vermitteln möchte, er sollte aber dabei keine Märchen erzählen, sondern sich an die Tatsachen halten.

Das Sanitätsassessorat verwaltet ein Viertel des gesamten Landeshaushaltes, das macht dieses Jahr fast eine Milliarde Euro aus. Trotz dieser gewaltigen Summe, zu der jeder Einwohner Südtirols 2000 Euro pro Jahr beiträgt, ist das System weder finanziell noch leistungsmäßig befriedigend. Was die Finanzen anbelangt, hat Landesrat Saurer vor knapp einem Jahr, am 30. April 2002 in einer langatmigen Pressekonferenz versichert, daß mit Einführung der Tickets, also einer weiteren Belastung des Bürgers, die Probleme der Sanität gelöst seien. Nun erfahren wir, daß dies eine Lüge war. Seither hat sich im Budget der Sanität ein neues Loch von 100 Millionen Euro aufgetan, so daß man ständig von Sparen durch Einschränkung der Leistungen spricht.

Was die Leistungen betrifft, so ist die lange Liste der Mängel und Unzulänglichkeiten in dieser Zeitung immer wieder aufgezählt worden. Weder der Patient noch die Ärzte noch das betreuende Personal sind mit dem gegenwärtigen Zustand zufrieden. Der aufgeblähte Verwaltungsapparat ist schwerfällig und ineffizient, es klafft eine gewaltige Lücke zwischen den hochbezahlten Schreibtischstrategen, die das System steuern, und der Wirklichkeit. Nicht der Patient steht hier mit seinen Sorgen und Problemen im Mittelpunkt, sondern der bürokratische Apparat. Der Kranke, der vielfach drei Monate auf eine wichtige Untersuchung warten muß, dem man systematisch eine direkte Beziehung zum behandelnden Facharzt verweigert, der zunehmend in ein anonymes Räderwerk gerät, muß es als blanken Hohn empfinden, wenn ihm der oberste politische Verantwortliche erzählt, daß er alles im Griff habe.

Der gläserne Patient aus "Le Monde"

Das stimmt einfach nicht. Erst vor wenigen Wochen, am 30. März dieses Jahres, hat der Vorsitzende der Standes-Vertretung der Primare, Luzian Osele, in einem Zei - tungsinterview berichtet, daß durch eine Serie von Anordnungen die bescheidene freiberufliche Tätigkeit der Krankenhausärzte weiterhin reduziert worden ist. Das führt zu einer zunehmenden Frustrierung der Ärzte und zu einer deutlichen Reduzierung der Einnahmen der Sanitätseinheit. Dr. Osele beziffert den Verlust, allein für die Sanitätseinheit Mitte-Süd, auf 700.000 Euro. Abschließend sagt Dr. Osele: "Die Ärzte werden frustriert, weil man mit ihnen wenig spricht und weil man über ihre Köpfe hinweg Beschlüsse faßt".

Daß diese Frustration sich nicht nur auf die Ärzte der Krankenhäuser, sondern auf die ganze Kategorie einschließlich des Pflegepersonals bezieht, ist längst bekannt. Nur oben in der politischen Führung und bei den Politfunktionären will man das nicht wahrhaben. Man will nicht zugeben, daß dieses System weder funktionell noch finanziell haltbar ist, daß dringend Korrekturen notwendig sind. Diesbezüglich liegen eine Reihe von Vorschlägen auf dem Tisch. Sie sind weder revolutionär noch sensationell, sie entsprechen nur den Grundsätzen der Logik und Vernunft. Auf die Dauer wird man diese nicht ignorieren können.

Offensichtlich verwechselt Dr. Saurer die Begriffe: Was er vermutlich (noch) im Griff hat ist seine politische Karriere innerhalb der SVP, aber sicher nicht die Südtiroler Sanität.

e.j.

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