Suedtirolernachrichten Logo
Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
19. Jahrgang - Nr.2 März/April 2003 - erscheint zweimonatlich
| ZUR EINSTIMMUNG... | ARCHIV | KONTAKTIERE UNS|
Spacer
Spacer
Spacer
Die Logik der Gewalt
Die bedrohliche Ideologie des Irakkrieges
Spacer
Spacer
Erziehungsreparaturwerkstätte Schule
Gedanken zur Unterrichtsproblematik
Spacer
Spacer
Leserbriefe

Spacer
Spacer
Von Grün bis Schwarz
Kommentar zu den Kongressen der Grünen und Forza Italia
Spacer
Spacer
Alles im Griff...
Der Wunschtraum des Landesrates Saurer zur Sanität
Spacer
Spacer
Posten und Ideale
Der harte Wahlkampf hat begonnen
Spacer
Spacer
Die Berlusconiade

Spacer
Spacer
volksverbloedung im zeichen der tricolori

von euer prottler
ein erlebnisbericht von Armin Mutschlechner

das maul hat's mir aufgerissen und nimmer hab's zu gebracht waehrend der ganzen fernsehsendung, neulich bei der live-uebertragung von dem volksmusikspektakel aus meran. "gran brie der volksmusik" war angekuendigt, und das wollt ich mir nicht entgehen lassen. nicht zuletzt, weil ich wissen wollte, was so besonders daran ist, wenn schon die gerichtsbarkeit daran gefallen fand. aber auch um mir ein bild zu machen und mir gewissheit zu verschaffen, dass mit unseren steuergeldern mal was gescheites fabriziert wird. etwas mit nachhaltigkeit; etwas, von dem wir alle direkt profitieren!

ja, volksmusik wollt' ich mir geben. ja, so saß ich da an dem abend voll der spannung und erwartungen wie sich unser land rueber bringen wird. hatte mir's komott gemacht samt speck mit brett'l, brot und ein liter'le hergerichtet. zuvor noch die tagesschau, und schon gings los; grueß gott meran!

oh du allmaechtiger, auf was hatte ich mich da eingelassen. "total romantisch" gaben sich billige "albano"-verschnitte - in blond - die tuerklinke in die hand in "santa monica". eine peinliche schlager-schnulze folgte auf die andere! wo blieb die volksmusik, auf die ich sehnendlichst wartete. das muss man sich mal bildlich vorstellen wenn in schnulzen gesungen wird von: "bevor ich einschlaf irgendwann". der komponist hat wohl zuviel ecstasy derwuschen; anders ist so was nicht zu derpacken!

zwischen den einzelnen interpreten super kommentare, welche dem niveau der dargebotenen musikeinlagen das wasser reichten. diese waren recht informativer natur. so weiß ich nun dass das törggelen die fuenfte jahrzeit ist ... dass, laut norbert rier, unsere badiotischen und gredner mitbürger "die ureinwohner" sind, welche "allein in einsamkeit" dahinfristen. aber auch, dass weder der schnauzer, noch alt-silvius, oder gar der pfalzner-tschusto zu den bekanntesten sidtirolern gehoeren. da sind: norbert rier, kurt oetzi, luis trenker und reinhold messner! welch ein quartett und sichere stichkarten. von aepfeln, wein und brot war die rede, aber von den leuten die in dem angepriesenen land hausen keine silbe! nicht einmal pusterer erdaepfel fanden erwaehnung. nur gut dass die ausfuehrungen der feschen moderatoren nicht auch playback eingespielt wurden, denn sonst waere ich um diese weisheiten gekommen. wieder was dazugelernt!

und die show? ja, was soll ich sagen, selbst frankenfelds "musik ist trumpf" war seinerzeit um laengen besser, als das, was da in meran dargeboten und mir vors speckbrettl geknallt wurd'! wenn ich nicht genau wuesste dass ich keine brille brauch', so haette ich zum zweifeln begonnen bei den unscharfen bildern die mein heißgeliebter sender bozen mitunter fabrizierte. der rier stand in den redepausen plakativ da wie ein abgekämpfter albin egger lienz krieger und von der karolin reiber gab's nicht einmal eine nahaufnahme zu sehen. schade! warum wohl?


eine playback-schnulze jagte die andere; "suchst du die zufriedenheit", "neue liebe braucht das herz", usw. ... einfalt auf einfalt, und hoechst dramatisch dargeboten. wahrlich, texte mit tiefensinn, welche jedem proletarier mit volksschulsabschluss spotten. die wenigen lichtblicke dazwischen vermochten es auch nicht meine kinnlade zu schließen.

so kaute ich vor mich hin, nervoes gelangweilt an meinem speckbrett'l in erwartung von volksmusikalischen gustostueckerln. aber nein, es sollte nicht sein. der "verein zur foerderung der deutschsprachigen unterhaltungsmusik" wollte mich nicht begluecken. warum dann soviel wirbel in der presse im vorfeld und bei der gerichtsbarkeit? ein maennerchor samt jodelnder pfott haett'n diesen fernsehabend auch nicht mehr gerettet.

so saß ich da, mit mittlerweilen nur noch der neige in der flasche. in meran sind's auch nur gesessen! die prominenten und moechte-gern dazu gehoerer durften sich in den ersten reihen niederlassen; vom heiko angefangen, uebern tarfueser und das michile. selbst die breitenberger! wird wohl ihre letzte amtshandlung gewesen sein, an der seite des offiziellen vaterlands, samt attraktiver gattin. in den billigeren plaetzen durften bier- und wirtslobby, diverse kurschatten und der politpöbel sich bequemen. nicht zu vergessen die heran gekarrten muttis und vatis aus buxdehude, frankfurt-oder und dem odenwald, sowie ein paar einheimische.

inzwischen war die live-sendung fast vorueber und angerufen hab ich nicht um meine stimme abzugeben, denn ich wusste dass meine favoritin aus der schweiz - die startnummer 14 - nicht persoenlich meine entscheidung entgegen nehmen wuerde, sondern nur ein "hallo helga". so brachte ich mich um die chance der wochenenden in den metropolen berlin, wien und zuerich, samt der moeglichkeit uneingeschraenkter sextelefonate in luxushotels! schade.

so standen schließlich die sieger fest. nur keine volksmusik war dabei ... scheiße!!! dr. durnwalder, unser ministerpräsident, und die krönung des abends folgte. an die zwoelfjahrige burgenlaenderin & co uebergab er eine mega wein flasche. in zeiten von neuer festkultur und 0,5 promill-grenze eine zumutung! sind wir ein land der flaschen, oder wie ist das zu verstehen? war wohl nicht die feine englische art, aber fuer diese ist der tiroler nicht bekannt und schon gar nicht unser landesfuerst. gut abgeschnitten haben's ja, die unsern oder besser gesagt, die azzurri. dabei grueble ich noch immer, wie es das ladiner-duo schaffen konnten den zweiten rang zu erzielen? der gitarrist kaempfte sich mit zwei akkorden durchs lied, wobei die linke hand am gitarrenhals angeklebt schien und die rechte hand außer takt in die seiten schlug. und der kleine mit der bontempi im hintergrund war kaum praesent in den fernsehbildern. ja, das frag ich mich, wie dies moeglich war? aber wahrscheinlich hatten die "allein in einsamkeit" vegetierenden ladiner - ihrer sprache im liedgut beraubt - das mitleid des eurovisionspublikum auf ihrer seite.

und der oberhammer! die sidtiroler haben sich selbst ein eigentor geschossen mit ihrem votum! haetten's das nockalm quintett nicht mit zwoelf punkten bedacht, so waeren "die ureinwohner" als sieger hervorgegangen. ja, dumm gelaufen ... aber halb so schlimm, in meran waren's danach wohl trotzdem beim saufen!

  go to the top

Valid HTML 4.01!  Valid CSS!