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Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
19. Jahrgang - Nr.2 März/April 2003 - erscheint zweimonatlich
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Die Logik der Gewalt
Die bedrohliche Ideologie des Irakkrieges
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Erziehungsreparaturwerkstätte Schule
Gedanken zur Unterrichtsproblematik
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Leserbriefe

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volksverbloedung im zeichen der tricolori
Eine ironisch-kritische Bewertung der sogenannten Volksmusik
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Alles im Griff...
Der Wunschtraum des Landesrates Saurer zur Sanität
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Posten und Ideale
Der harte Wahlkampf hat begonnen
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Die Berlusconiade

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Von Grün bis Schwarz

Zwei Kongresse, die angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen von besonderem Interesse sind, haben im April in Südtirol stattgefunden. Es waren die Parteikongresse der Grünen und von Forza Italia.

Bei den Grünen hat man den Eindruck, daß ihnen der Schwung ausgegangen ist. Das liegt im wesentlichen daran, daß ihnen die Themen, die sie in den Vordergrund gestellt hatten, abhanden gekommen sind. Dazu gehört vor allem der Begriff der Interethnizität, den bereits Alexander Langer in einer äußerst geschickten Kampagne lanciert hat, ohne ihn jemals näher zu definieren. Es sollte die wahre Alternative zur ethnischen Frontstellung sein, welche seit jeher die Südtiroler Realität kennzeichnet.

Langer, dessen kultureller Hintergrund weit über Südtirol hinausreichte, war ein äußerst brillanter Agitator von geradezu messianischer Überzeugungskraft, aber er konnte schließlich keine konkreten Ziele und Lösungen anbieten. Das hat sich schon in seiner Zeit als Philosophieprofessor am Gymnasium in Bozen gezeigt, als man ihm anlastete, eine destruktive Unruhe in seine Klasse gebracht zu haben. Noch evidenter wurde dies in seiner politischen Aktivität. Seine Vorstellung, in Südtirol könne im Zeichen der Interethnizität ein neuer Menschentypus entstehen, ist eine Schimäre, die nichts mit der Realität zu tun hat. Es gibt nämlich den interethnischen Menschen nicht, es gibt wohl einzelne Persönlichkeiten, die dank ihrer intellektuellen Leistung in verschiedenen Kulturen gleichermaßen zu Hause sind, aber sie sind und bleiben Ausnahmen. Langer ist sich seines Scheiterns bewußt geworden und das war sicherlich einer der Hauptgründe für seinen Freitod. Daran ändern auch gewisse Nachrufe und posthume Zelebrierungen nichts.

Die Südtiroler Grünen haben leider keine Konsequenzen daraus gezogen und haben weiterhin versucht, mit dem Schlagwort der Interethnizität eine politische Sonderposition einzunehmen. Wenn man darunter ein besseres Verständnis zwischen den Volksgruppen versteht - das ist die einzig vernünftige praktische Anwendung - so muß man zugeben, daß auch die SVP dies mittlerweile erkannt hat. Es ist geradezu paradox, daß die Grünen mit den ethnischen Spannungen in ihren eigenen Reihen nicht fertig werden. Erst jetzt haben sie mit dem Abgang von Frau Zendron ihre markanteste Vertreterin aus der italienischen Volksgruppe verloren. Auch bei den Umweltthemen hat die derzeitige Leitung der Grünen die führende Rolle längst abgeben müssen. Die Wahlverbindung mit der bisher kaum in Erscheinung getretenen Demokratischen Partei Südtirols, die über keine bekannten Persönlichkeiten verfügt, verspricht keine Verbreiterung der Wählerbasis.

Bei der Beurteilung des Kongresses von Forza Italia, der politischen Kraft, die sich auf den großen Macher Berlusconi beruft, ist man vorerst ratlos.


Was die sogenannte Koordinatorin von Forza Italia, Frau Biancofiore, in ihrer eineinhalbstündigen Hetzrede von sich gegeben hat, entzieht sich jeder rationalen Beurteilung. Erstaunlich, daß jemand, der in Südtirol lebt, in so gehässiger Weise an der Wirklichkeit vorbeireden kann. Die Darstellung der Italiener in Südtirol als einer unterdrückten und um ihre Existenz kämpfenden Minderheit ist falsch und lächerlich. Selbst die Postfaschisten von Alleanza Nazionale sind in dieser Hinsicht objektiver. Was Frau Biancofiore als Ziel ihrer Politik schließlich aufzeigt ist nichts anderes als die Neuauflage der dümmsten Maßnahmen faschistischer Nationalitätenpolitik. In dieser Situation würde dies zu einer äußerst nachteiligen Isolierung und Ghettoisierung der Italiener in Südtirol führen. Es ist bezeichnend, daß Forza Italia keinen einzigen repräsentativen italienischen Vertreter des lokalen Wirtschaftslebens in ihren Reihen hat.

Was dieser Veranstaltung eine beunruhigende Note verleiht, ist der Umstand, daß der italienische Außenminister Frattini, der als politischer Mentor von Frau Biancofiore gilt, eigens zu dieser Veranstaltung nach Bozen gekommen ist und damit diese politische Brandrede offensichtlich gebilligt hat. Frattini hatte vor zwei Jahren vergeblich versucht, als Vertreter der "Italiener in Südtirol" einen Parlamentssitz zu gewinnen. Trotz dieses Mißerfolges ist man in diesen Kreisen nicht gescheiter geworden und versucht neuerlich, mit patriotischen Tiraden Wähler zu gewinnen. Der Erfolg einer solchen Strategie ist mehr als fraglich, sicher ist jedoch eine zunehmende Vergiftung des lokalen politischen Klimas.

Berlusconi, der den bisher unbekannten Remulus für einen der Gründer Roms hält und seine Regierungsentscheidungen vorwiegend nach Meinungsbefragungen ausrichtet, sucht wohl für sein Team Mitarbeiter aus, die seinem geistigen Niveau entsprechen. Dem Ansehen Italiens, das demnächst die Präsidentschaft in der EU übernehmen wird, dürfte das nicht sonderlich nützen.

LH Durnwalder hat nach dem Kongress Frau Biancofiore zu einer klärenden Aussprache empfangen. Hoffentlich hat es genützt!

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