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Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
19. Jahrgang - Nr.3 Mai/Juni 2003 - erscheint zweimonatlich
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Reformen und Gerechtigkeit
Strukturreformen müssen im Zeichen der Gerechtigkeit und des sozialen Friedens erfolgen.
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Enrechtete Sprache
Kritische Bemerkungen zur Sprache der Medien.
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Leserbriefe

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Einschätzungen zum Irakkrieg
Verlieren die USA den Frieden?
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Die EU und Berlusconi
Eine Gefahr für die demokratische Entwicklung der EU
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Neues aus der "Gschertenrepublik"


WIE MAN WAHLEN FINANZIERT...

Jetzt merken es allmählich auch die Naivsten: Wir gehen großen Zeiten entgegen! Es häufen sich die "Events", wie man in den gehobenen halbgebildeten Kreisen unseres Landes zu sagen pflegt. Kaum ein Tag vergeht, ohne daß ein Tunnel, eine Umfahrung, ein Straßenstück, ein Betrieb, ein Schloß, ein Museum, eine Wasserleitung, eine Kellerei, ein Salon, ein Beisl, eine Tagung, ein Musterstall feierlich eröffnet wird.

Man staunt, wie das unsere Spitzenpolitiker nur schaffen. Neben der anstrengenden Regierungstätigkeit sind sie Tag und Nacht mit Bändern und Scheren unterwegs, immer lächelnd und frohgemut, um dem Volke zu zeigen, was sie alles geleistet haben. Denn es ist klar: daran möchten sie gemessen werden, damit sich im Herbst ihr sehnlichster Wunsch erfüllt, wieder in das schwere Amt des Regierenden gewählt zu werden.

Nun gilt es diesen Einweihungsstau wacker durchzustehen, aufmerksam dafür sorgen, daß Journalisten und Kameraleute pünktlich zu Stelle sind, damit die jeweilige historische Stunde und ihre Väter im Bild festgehalten werden. Übereifrige sollen sogar zu Fotomontagen greifen, aber die heimattreue Presse ignoriert solche Fehlpässe.

Das Wählervolk muß erfahren und bis zum 26. Oktober im Kopf behalten, daß ohne den unermüdlichen Einsatz, ohne die stete Sorge des Herrn oder der Frau X, natürlich alle von der Regierungssammelpartei, diese Umfahrung, dieser Tunnel, dieses Straßenstück, dieser Betrieb, dieses Beisl, dieser Stall usw. niemals in so kurzer Zeit und in so vollendeter Form zustande gekommen wäre. Selten wird erwähnt, daß dies alles mit den Steuergeldern aller Landesbewohner bezahlt wird.

A propos Geld: Die üblichen Kritikaster, die immer ein Haar in der Suppe finden, haben längst festgestellt, daß mit diesem sorgsam geplanten gewaltigen Spektakel, das sich nun über Monate hinziehen wird, die SVP ihren Wahlkampf zu einem erheblichen Teil aus dem Landesbudget finanziert. Denn all diese sogenannten "events" sind in Wirklichkeit Parteiveranstaltungen, die allerdings nicht die Partei, sondern der Steuerzahler berappt. Diesen Bonus hat die Opposition eben nicht.

Somit haben alle Bürger dieses Landes, auch diejenigen, die weder den Durni noch die SVP mögen, Gelegenheit, finanziell zu deren Wahlerfolg beizutragen.

WENN DEMOKRATIE ZUR FARCE WIRD

Am 28. Mai hat die Landesregierung einen Nachtragshaushalt im Gesamtbetrag von 120 Millionen Euro verabschiedet. Der Landesrat für das Sozial- und Gesundheitswesen Otto Saurer hatte beantragt, daß 100 Millionen Euro seinem Assessorat zukommen sollten. Das ist der Fehlbetrag, der bisher im Sanitätsbudget aufscheint. Offenbar konnte er sich mit seiner Forderung nicht durchsetzen und mußte sich mit der Hälfte des Betrages zufriedengeben.

Nun kommt aber das Schönste: Saurer hat sein Mißmut ausgedrückt, indem er gegen diesen Nachtragshaushalt gestimmt hat, der dann aber mehrheitlich angenommen wurde. Praktisch ist das nur eine verlogenen Geste, mit der sich der SVP-Politiker seiner Verantwortung entledigen und die Öffentlichkeit täuschen will.

Als stellvertretender Landeshauptmann kann er sich aber nicht solcher Mätzchen bedienen. Wenn er glaubt, sein Ressort gut und korrekt verwaltet zu haben, muß er dazu stehen oder die Konsequenzen aus seinem offensichtlichen Scheitern ziehen. Er muß dann bereit sein, sein Amt zur Verfügung zu stellen. Das ist die gängige Praxis in der parlamentarischen Demokratie. Das angeführte Beispiel zeigt, daß in Südtirol diese Demokratie vielfach zur Farce wird. Hier kann man den Karren an die Wand fahren, immer neue Budgetlöcher aufreißen, die Verantwortung dann mit einem Trick abschieben und schließlich als Strahlemann in den Wahlkampf ziehen.

IM DIENSTE DER LOBBY

Der Durchgangsverkehr ist eines der größten Probleme der Bevölkerung, die an den großen Verkehrsstraßen Europas lebt. Besonders in den Alpentälern wird dieser Verkehrsstrom zu einer ernsthaften Bedrohung für Mensch und Natur. Die Ansammlung von Giftstoffen in der Luft, der permanente Lärm werden in zunehmendem Maße als unzumutbare Belastung angesehen, und die Betroffenen versuchen sich zur Wehr zu setzen. Auf Grund der Klagen der Bevölkerung plant nun die Nordtiroler Landesregierung ein Nachtfahrverbot für LKW einzuführen. Diese Ankündigung hat den Südtiroler Wirtschaftslandesrat Dr. Werner Frick mobilisiert. Anstatt mit den Nordtirolern ein gemeinsames Modell gegen die Ausuferung des Schwerverkehrs zu entwickeln, hat Frick prompt an die EU-Verkehrsministerin Loyola de Palacio geschrieben und sie aufgefordert, ein Verfahren gegen die Nordtiroler zu eröffnen. Also, weiterhin freie Fahrt für den Schwerverkehr!

Dazu zwei Bemerkungen. Erstens ist die sogenannte Tiroler Solidarität offenbar nichts wert, wenn es um Konkurrenz und Profit geht. Zweitens ist es ein Signal, wie degeneriert die parlamentarische Demokratie in Südtirol ist, wenn ein vom Volke gewählter Vertreter sich nicht um die Belange des Volkes, sondern um die wirtschaftlichen Interessen seiner kleinen, aber mächtigen Lobby kümmert.

DER INSZENIERTE UNTERGANG


Es ist erstaunlich, welche Blüten Demagogie und Desinformation in Vorwahlzeiten treiben können. Nachdem deutschsprachige Eltern in privater Form einen Italienischunterricht für ihre Sprößlinge organisiert und selbst bezahlt hatten, mußte sich auch die Landesbehörde der Sache annehmen. Wir wissen alle, daß es um die Deutschkenntnisse der hier lebenden Italiener nicht besonders gut bestellt ist, weniger bekannt ist aber die Tatsache, daß in der deutschsprachigen Bevölkerung die Beherrschung des Italienischen in den letzten Jahrzehnten und besonders auf dem Lande abgenommen hat. Die Landesrätin Kasslatter-Mur hat nun eine (Schein-)Lösung gefunden, die zeigt, daß sie wenigstens als Parteistrategin viel gelernt hat. Die eine Stunde Italienisch in der ersten Klasse Volksschule hat eher einen symbolischen als einen praktischen Wert, aber als SVP-Mandatarin - so die Überlegung von Frau Kasslatter-Mur - kann man in so heiklen (Wahl-)Zeiten nicht mehr riskieren.

Sofort hat diese Entscheidung eine Reihe von Aufschreien, Entrüstungen, Polemiken, Leserbriefen ausgelöst. Auf dieser Spielwiese tummeln und streiten sich seither die vielen meist selbsternannten Volkstumskämpfer, die echten und falschen Patrioten und alle diejenigen, die sonst keine griffigen Ideen haben. Man spricht von der Gefahr des Identitätsverlustes der deutschsprachigen Südtiroler, der Verelsässerung, der Vermischung. Man hat die Katakombensschulen der Faschistenzeit beschworen und Aussagen gemacht, die geradezu lächerlich sind. Die Tatsache, daß der deutsche Schulrat diesen Beschluß schließlich mit überwältigender Mehrheit gutgeheißen hat, zeigt, daß die kompetenten Stellen die Sache realistischer beurteilen.

Die Gefährdung der deutschen Sprache und damit auch der deutschen Kultur in Südtirol liegt in der mangelhaften Pflege der Hochsprache besonders in den Schulen, in der Tolerierung eines dialektalen Slangs mit starken italienischen Einflüssen auch in sogenannten gebildeten Kreisen, im sehr schlampigen Umgang mit der Sprache in den verschiedenen Medien und nicht zuletzt in dem schlechten Beispiel, das in dieser Hinsicht die meisten Südtiroler Politiker abgeben.

THERMEN ... OHNE THERMALWASSER

In Meran schreitet der Bau des neuen Kurbades, das der Stadt neuen Glanz verleihen soll, zügig voran. Ende Mai wurde termingemäß das neue Parkhaus eröffnet, nun sollen das neue Kurhotel und die Thermenanlage folgen. Der Präsident der Kurbad AG Dr. Manfred König hat mitgeteilt, daß der Kostenvoranschlag bisher nur um 20 Prozent überschritten worden sein soll. Der Bau des Hotels verzögert sich, weil die vorgesehen Betreiber derzeit in München wegen Steuerhinterziehung inhaftiert sind. Nun werden neue Partner gesucht.

Das ganze Projekt wird von Ingenieur Siegfried Unterberger betreut, der mit seinem Ex-Schwiegersohn Dr. Karl Zeller, Abgeordneter der SVP, die politisch- wirtschaftlichen Geschicke im Burggrafenamt entscheidend beeinflußt. Eine Tochter Unterbergers hat als Architektin für die künstlerische Ausstattung des Parkhauses gesorgt.

Allerdings hat die ganze Sache noch einen Haken: es fehlt das vorgesehene Thermalwasser. Das alte Kurbad wurde mit Wasser betrieben, das aus dem Vigiljoch bei Lana kommt und dem man radioaktive Eigenschaften nachsagte. Letzterer Umstand wurde nicht mehr propagiert, weil man negative Reaktionen der Öffentlichkeit befürchtete.

Die Suche nach Thermalwasser hat bereits vor fünf Jahren begonnen. Damals ließ der zuständige Landesrat Michl Laimer, ebenfalls ein Burggräfler, unmittelbar vor den Landtagswahlen einen Bohrturm auf dem Areal des Kurbades errichten. Dieser Bohrturm ist nie in Betrieb gegangen, dafür wurden um etliche Milliarden Lire Bohrungen in der Gegend von Sinich, dem südlichen Stadtteil von Meran, durchgeführt. Das Ergebnis war aber nicht befriedigend.

Nun sollen neue Bohrungen unternommen werden, immer in der Hoffnung, auf die ergiebigen heißen Quellen zu stoßen. Diesbezüglich sind die Experten aber eher skeptisch. Sollte daraus nichts werden, müssen die Politiker die Sache lösen, indem sie eine sprachliche Umformulierung vornehmen oder sich mit dem bisherigen simplen und angeblich radioaktiven Wasser des Vigiljoches begnügen.

DIE SAUFFESTE

Es ist keine Neuigkeit, sondern eher ein Ritual, das sich Jahr für Jahr wiederholt. Kaum beginnt die hochheilige "Saison", kaum kommen also die ersten Fremden wieder ins Land, beginnt der Reigen der Sauffeste. Als Frühschoppen, Umtrunk, Wiesenfest, Schaumparty und ähnliches deklariert, veranstaltet jeder Weiler, jeder Verein ein Fest, um seine Kasse zu füllen. Das Ereignis ist natürlich mit lautstarker Musik garniert, die man fälschlicherweise als Volksmusik bezeichnet.

Obwohl der Alkoholismus im Lande bereits ein Problem darstellt und besonders Jugendliche seine Opfer sind, läßt sich dieses Treiben nicht abstellen. Weder Appelle noch Mahnungen konnten bisher etwas ändern, der Kommerz setzt sich durch. Es ist - pardon - zum Kotzen.

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