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Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
19. Jahrgang - Nr.4 Juli/August 2003 - erscheint zweimonatlich
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Die "leere Schachtel"
Historischer Rückblick auf das multinationale Tirol
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In Südtirol nichts Neues...
Ausblick auf die Landtagswahlen
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Von der Kulturkarte zur Speisekarte
Wie der Tourismus Land und Leute verändert
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Sommertheater
Ein deutsch-italienisches Schmierenstück
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Dorfrichter Adam und Cavalier Berlusconi
Ein literarisch-politischer Vergleich
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Zu Mantua in Banden...
Eine Geschichtsklitterung
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Die Meinung
Obwohl die Trentiner unsere unmittelbaren Nachbarn sind und wir in einer gemeinsamen Region mit einer langjährigen gemeinsamen Geschichte leben, ist der Südtiroler Durchschnittsbürger kaum über die politischen und kulturellen Entwicklung im Trentino informiert. Wir führten deshalb ein Interview mit der Trentiner Landtagsabgeordneten der Demokratischen Sozialisten Wanda Chiodi, die derzeit Vizepräsidentin der Region ist.

Wanda Chiodi

SN: Frau Abgeordnete, seit 18 Monaten sind Sie Vizepräsidentin der Region. Wie beurteilen Sie den gegenwärtigen Zustand dieser Institution, die in letzter Zeit wesentlich zurechtgestutzt worden ist?
Chiodi: Die politischen Kräfte, die in den letzten 20 Jahren die Mehrheit im Regionalrat stellten, haben in ihrem Regierungsprogramm den Übergang von Kompetenzen von der Region auf die Provinzen vorgesehen. Es ist also nicht verwunderlich, daß dies nun geschehen ist. Wir stehen zu den Abmachungen. Trotz dieser Delegierungen glaube ich, daß die Kompetenzen, die der Region verbleiben wichtig sind und, daß die Region nunmehr eine neue und markante Rolle spielen sollte, die den in den letzten Jahren erfolgten Veränderungen Rechnung trägt

SN: Die Südtiroler Öffentlichkeit ist leider über die Vorgänge in der Region kaum oder nur schlecht informiert. Welche sind nun die politischen Kräfte im Trentino, die an einer politischen Funktion der Region interessiert sind? Wie steht die Linke dazu?
Chiodi: Die Südtiroler Öffentlichkeit ist schlecht informiert, weil für die Südtiroler Medien die Region so gut wie nicht existiert. Selten wird über das was dort geschieht und vorgeschlagen wird berichtet. Ich glaube, daß im Trentino, sei es die Mitte-Rechts-Parteien wie diejenigen von Mitte-Links an der politischen Funktion der Region interessiert sind. Zumindestens sind sie es in Worten, dann passiert es, daß einige am Wege verloren gehen. Man verteidigt die Region nicht indem man ihr die Kompetenzen über Grundbuch und Kooperation überläßt. Man verteidigt sie indem man die Institution reformiert und ihre Rolle als Koordinatorin zwischen den Provinzen neuerlich aufwertet. Das ist auch die Meinung der linken Kräfte, die sich für die Erneuerung dieser Institution eingesetzt haben und dies auch in Zukunft tun werden.

SN: Sind Sie der Meinung. daß in der Trentiner Bevölkerung die historische Erinnerung an das multinationale Tirol, das eine europäische politische und kulturelle Dimension hatte, nicht nur als nostalgische Reminiszenz, heute noch lebendig ist?
Chiodi: In den 90erJahren hat man viel von Europa und Tirol gesprochen, auch in konfuser nostalgischer Art. Die Trentiner sind mit Tirol durch offensichtliche historische Gründe verbunden., aber sie sind keine Tiroler. Man sollte unsere Geschichte kennen, aber keine Verwirrung stiften. Heute ist Europa eine große Nation, in der die verschiedenen Völker in gegenseitigem Respekt leben und zusammenarbeiten.

SN: Glauben Sie, daß im Zuge der Errichtung des Vereinten Europas die Region wieder eine wichtige Rolle in politischer, wirtschaftlicher und vor allem kultureller Hinsicht übernehmen kann?
Chiodi: Die Region kann eine wichtige politische und kulturelle Rolle spielen, weil sie am Schnittpunkt zwischen dem Mittelmeer und dem Norden Europas liegt. Unser Territorium war immer ein strategisches Wegkreuz europäischer Schicksale, ein Ort der Vermittlung zwischen dem deutschen und dem lateinischen Raum. Wenn wir uns heute mit Europa konfrontieren wollen brauchen wir eine Institution, die in der Lage ist die Anliegen unserer Bevölkerung in Brüssel zu vertreten. Ich bin der Meinung, daß die beiden Provinzen nicht über jene "kritische Masse" verfügen, die es ihnen möglich macht sich, wenn nötig, auch mit lauter Stimme Gehör zu schaffen.

SN: Welche Ziele und Kompetenzen könnte in Zukunft die Region haben?
Chiodi: Meine politische Partei wird dafür eintreten, daß die beiden Landeshauptleute sich abwechselnd in der Führung der Region ablösen und sie wird sich zum Ziel setzen die Kompetenzen der Region in Sachen Justiz und integrierender sowie ergänzender Fürsorge auszubauen. Was die Zukunft anbelangt glaube ich, daß die Region der Ort sein sollte, an dem die beiden Provinzen sich mit den Themen, die regionalen Charakter haben, auseinandersetzen. Ich denke dabei an die Umwelt, das Transportwesen, den Tourismus oder die Sanität. Bei diesen Themen wäre es für unsere Bevölkerungen wichtig, daß man einheitliche gemeinsame Lösungen finden könnte. Ich bin also der Meinung, daß die Region ein politisches und kulturelles Labor werden kann, in dem wir unter Ausnützung der Möglichkeiten, die uns die Autonomie gibt, in der Lage sind konkrete und wirklich innovative Vorschläge auszuarbeiten.

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