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Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
19. Jahrgang - Nr.5 September/Oktober 2003 - erscheint zweimonatlich
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Die angeschlagene "Gschertenrepublik"
Kommentar zu den Landtagswahlen 2003
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Wahlnachlese
Pinocchioeffekt -Feministische Töne, Verschwiegenheiten, Desinformation
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Kulturpolitik in Südtirol
Das Stiefkind
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Meinungsvielfalt, Macht, Geschäft
Zeitungskrieg in Südtirol
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Wahlergebnisse
Trentino - Nord-Tirol
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Leserbriefe
Keine neue Region ohne demokratische Zustimmung der Betroffenen.

Eine moderne Version des alten multinationalen Tirols wünscht sich Egmont Jenny beim fälligen Umbau der Region Trentino-Südtirol. Bei allem Verständnis für Jennys Wertschätzung des alten k.u.k. Tirols, sein Lob für Degasperis Konstruktion der Region Trentino Tiroler Etschland ist mehr als erstaunlich. Kann man heute, nach allen Erkenntnissen zur Politik Degasperis gegenüber Südtirol (einschließlich seiner mit neuen Zitaten belegten Duce-freundlichen Haltung in Sachen Südtirol) sein Grundinteresse bestreiten, Südtirol auf Dauer der Kontrolle einer italienischen Mehrheit im Rahmen eines Gebildes zu unterwerfen, das im Pariser Vertrag gar nicht vorgesehen war? Warum hat man die Südtiroler 1946-47 nicht selbst entscheiden lassen, ob sie, nach versagter Selbstbestimmung, eine eigene Region oder eine gemeinsame mit dem Trentino bilden wollten? Gar nicht bloß zwischen den Zeilen bedauert Jenny das "Los von Trient" und meint "aus heutiger Sicht", dass die Auflösung der alten Region vor 1972 auf Kosten der historischen Kontinuität und Demokratie ging. Welcher Demokratie denn, wo die Südtiroler nie befragt wurden, in welchem Rahmen sie die friedensvertraglich zugesicherte Autonomie in Anspruch nehmen wollten?
Abgesehen davon, dass der Bruch mit der "historischen Kontinuität Tirols" schon reichlich früher anzusiedeln ist und wenn schon den Irredentisten im Verein mit den Deutschnationalen zugeschrieben werden muss, ist die Frage der Existenzberechtigung einer aus Südtirol und dem Trentino bestehenden Region vor allem eine Frage der Demokratie und nicht der "geschichtlichen Kontinuität". Wie ist es denn mit demokratischen Grundsätzen vereinbar, dass ein Teil des historischen Tirols zuerst gegen seinen Willen okkupiert und annektiert, und dann ohne die betroffenen Menschen im mindesten zu befragen einem anderen Teil des historischen Tirols zugeschlagen wurde? 1946 wollten ja 146.000 Südtirol die Selbstbestimmung und nicht etwa die Zwangseingliederung in die Region Trentino Tiroler Etschland. Die Trentiner Politik und Gesellschaft hätte ja eine solche Zwangsbeglückung ihrer Südtiroler Nachbarn ablehnen können - sie taten es nicht. Spätestens damals ist das multinationale Tirol gescheitert, dessen Neuauflage ohne den Norden Tirols ohnehin keinen Sinn gemacht hätte. Die Region ist von den Südtirolern nie geliebt worden, weil sie nie befragt wurden, ob sie diese und welche Art von Region sie überhaupt haben wollten. Und genau daran hat sich eine "moderne Version des alten Tirols", wie sie Egmont Jenny wieder aufleben lassen möchte, zu messen: in der Freiwilligkeit ihrer Gründung. Rom, Bozen und Trient müssen in Sachen Region die betroffenen Menschen selbst entscheiden lassen. Dass zwei Drittel der Südtiroler Bevölkerung die Region nicht wollen, ist kaum zu bezweifeln. In einem neuen europäischen Rahmen muss sie einer freiwilligen institutionellen Zusammenarbeit aller alten Teile Tirols weichen und zugleich einer neuen Form paritätischer institutioneller Zusammenarbeit zwischen zwei autonomen Regionen Bozen und Trient. Ein neuer, von nationalistischen Mehrheiten aufgedrängter Zwangsapparat ist weder mit der beschworenen "kulturellen Öffnung" noch mit demokratischen (auch sozialdemokratischen) Grundsätzen vereinbar.

Thomas Benedikter, Bozen

Die Region Tirol ist kein nostalgisches k.u.k. Relikt, sondern eine geopolitische Realität, die sich über Jahrhunderte hinweg bewährt und den deutschen, italienischen, ladinischen Bürgern, die hier zu Hause sind, Frieden und Wohlergehen gesichert hat. Sie ist durch den Nationalismus zerstört und auseinandergerissen worden..
Es hat wenig Sinn, wenn die Süd-Tiroler immer wieder über ihr ungerechtes Schicksal jammern und sich in Schuldzuweisungen ergehen. Sie sollten statt dessen aus der Vergangenheit und den eigenen Fehlern lernen und versuchen die Zukunft zu gestalten.
Im Jahre 1945 hatte eine deutsch-österreichische Minderheit in Europa nicht viele Optionen. Es ging darum die Vertreibung zu verhindern und den Status der Optanten für Hitler-Deutschland , immerhin 80% der Bevölkerung, in positivem Sinne zu lösen. Das ist mit der Errichtung der Region Trentino-Südtirol von 1948 gelungen und muss unter den damaligen Umständen als Erfolg gewertet werden. Später hat diese Region die berechtigten autonomistischen Ansprüche der Südtiroler nicht erfüllt. Trotzdem muss man festhalten, dass deren Auflösung weder zum Abbau der ethnischen Spannungen noch zu einer demokratischeren Gesellschaft in Südtirol geführt hat. Im Gegenteil: gewisse konservative Interessengruppen missbrauchen heute die Autonomie, um ihre Vormachtstellung im Lande zu erhalten und jede politische , kulturelle und wirtschaftliche Konkurrenz auszuschalten. Diese Abschottung ist aber nicht im Interesse des Landes und der Menschen, die hier leben.
Die nunmehr dringend notwendige geistige Öffnung erfordert auch eine bessere und intensivere Zusammenarbeit mit den Nachbarn. Wenn viele Südtiroler heute noch meinen, man habe mit den "Walschen" südlich von Salurn nichts gemeinsam, so irren sie sich. Es geht nicht nur um die Lösung vieler Probleme in zahlreichen Sachbereichen, sondern auch um eine nachhaltige Stärkung der Autonomie und des Föderalismus. Dazu genügt es nicht, wenn die beiden Landeshauptleute gelegentlich zusammenkommen, sondern es braucht eine institutionelle Instanz, an der auch die Bevölkerung und ihre politischen Vertreter effektiv teilhaben.
Die logische Vollendung einer solchen Entwicklung ist die Einbeziehung des nördlichen Teil Tirols. Die Südtiroler Politiker sollten dabei eine aktive und vermittelnde Rolle übernehmen. Sie reden davon, tun nichts dafür. Im Gegenteil: jedes Mal wenn universitäre Kreise aus dem Trentino eine Zusammenarbeit mit entsprechenden Institutionen in Nord-Tirol gesucht haben, sind solche Initiativen von der SVP aus machtpolitischen Gründen sofort blockiert worde.
e.j

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