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Mitteilungsblatt des Südtiroler Kulturringes

Herausgeber: Dr. Egmont Jenny
20. Jahrgang - Nr.6 November/Dezember - erscheint zweimonatlich
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...noch nicht in Europa angekommen
Zur Einwanderung und Integration der Muslime

Die Frauenquote
Die geringe Frauenpräsenz in der Politik

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit


Auf der Suche nach Inhalten und Zielen
Das grüne Dilemma - Postfaschistische Bruderkämpfe

Was macht eigentlich der Steuermann?
Zur Rolle des SVP-Obmannes

Hofübergabe...
Probleme der "Arbeitnehmer in der SVP"

Von den Pendlerzügen zur Brücke von Messina
Das desolate Eisenbahnsystem

Für echten Wettbewerb im Gesundheitswesen
Der fragliche Vorstoß der Spitalsärzte

Lauter erotische Wortgeschichten


...noch nicht in Europa angekommen

von Egmont Jenny

Die Entscheidung der Regierungschefs, mit der Türkei im Jahr 2005 Vehandlungen über den Beitritt zur Europäischen Union zu beginnen, hat die Diskussion um die Form der Einwanderung und die Integration der Muslime verschärft

Bereits im Vorfeld der Entscheidung der europäischen Regierungschefs, Beitrittsverhandlungen mit der Türkei zu führen, ist es in der öffentlichen Meinung der meisten EU-Staaten zu heftigen Debatten gekommen. Das Thema ist emotionsgeladen und mit historischen Reminiszenzen belastet. Wie stark diese in Italien sind, beweist der Erfolg zweier Bücher, welche die anerkannte Journalistin Oriana Fallaci in den letzten Jahren geschrieben hat. Eines davon trägt den Titel "La rabbia e l´orgoglio" (Der Zorn und der Stolz), das zweite heißt "La forza della ragione" (Die Kraft der Vernunft). Beide Bücher sind eigentlich ein Pamphlet, ein flammender Aufruf an die Europäer, sich endlich gegen das Eindringen des Islam in Europa zu wehren und dementsprechend zu handeln. Fallaci vergleicht die jetzige Lage mit jener des Jahres 1938, als das demokratische Europa vor den Drohungen und der Brutalität der Nazis kapitulierte. Die Folgen sind bekannt.
Es ist anzumerken, daß diese beiden politischen Bücher im ansonsten eher lesefaulen Italien eine Millionenauflage erreicht haben, ihre Thesen sind also in weite Teile der Bevölkerung eingedrungen. Die Intellektuellen und ein Großteil der Medien haben versucht, diesen Erfolg zu ignorieren und das Ganze als Ausdruck einer extrem rassistischen Einstellung abzutun. Das mag teilweise stimmen, aber damit wird man den vielen Lesern nicht gerecht, die sicherlich nicht nur Rassisten und extreme Rechte sind, sondern auch Menschen, die berechtigte Befürchtungen und Ängste haben.
Manche von Fallaci aufgezeigten Situationen entsprechen durchaus den Tatsachen und es geht nun darum, diese rational zu beurteilen, sich mit den entstandenen Fehlentwicklungen auseinanderzusetzen und entsprechende Lösungen zu suchen. Das ist sehr schwer, weil - das muß wiederholt werden – eine ganze Reihe von historischen Erfahrungen und Vorurteilen die Beziehungen zwischen Europa und dem Islam belasten.


Über Jahrhunderte hinweg war die Auseinandersetzung des Abendlandes mit den Arabern und Türken von weltpolitischer Bedeutung.
Jetzt muß man genau analysieren, in welcher Art sich die Einwanderung der Muslime nach Europa in den letzten Jahrzehnten vollzogen hat und was da schiefgelaufen ist. Frankreich war das erste Land, das in größerem Ausmaß Muslime ins Mutterland holte. Das war eine Folge des ausgedehnten Kolonialreiches, das Frankreich in Afrika besaß, und auch der Kriege, die damit zusammenhingen. Zum Beispiel mußte Frankreich jene Muslime "heimholen", die sich im langen, mörderischen Algerienkrieg auf seine Seite gestellt hatten. Heute leben in Frankreich mehr als drei Millionen Muslime, wesentlich mehr aber in Deutschland, wohin man sie in der Zeit des Wirtschaftswunders als Arbeitskräfte geholt hatte. In Italien sind es wahrscheinlich mehr als eine halbe Million.
Aber wie ist die Eingliederung der Neuankömmlinge eigentlich vor sich gegangen? Meist in recht ungeordneter Form, ohne systematische Betreuung durch die lokalen Behörden, meist auch ohne jede Einführung in die Sitten und Gewohnheiten des Gastlandes. Letzteres wäre notwendig gewesen, um den Hinzukommenden, die meist aus kulturell primitiveren Schichten kamen, klarzumachen, daß in Europa andere Lebensformen und Gesetze gelten als in ihren Ursprungsländern Wer im Lande bleiben will, sollte sich darauf einstellen und vor allem die Sprache des Gastlandes lernen.
Das ist nicht geschehen, denn die lokale Bevölkerung hat sich gegen die Einwanderer abgeschottet und mit einer gewissen Distanz deren "merkwürdige" Bräuche und gesellschaftlichen Vorstellungen betrachtet. Was scheinbar als Toleranz galt, war in Wirklichkeit Gleichgültigkeit. Das hat dazu beigetragen, daß die eingewanderten Muslime sich stärker denn je zusammenschlossen und isolierten. Dadurch sind Viertel, eigentlich Ghettos, entstanden, in denen die Fremden wie bei sich zu Hause leben und wirtschaften. In diesen Ghettos haben die Gesetze des Gastlandes kaum Gültigkeit. Militante moslemische Organisationen haben sogar versucht, neue kollektive Rechte, die gegen die gesetzlichen Regeln des Gastlandes verstoßen, einzuführen und durchzusetzen.
Zu spät haben die meisten europäischen Staaten die gefährlichen Folgen dieser Situation erkannt, die von weltfremden Utopisten als "die multikulturelle Gesellschaft" angepriesen wird. Die Existenz von parallelen Gesellschaften führt unausweichlich zu immer massiveren Konflikten, die auf die Dauer kaum zu beherrschen sind. Holland ist dafür bereits ein deutliches Beispiel.
Der einzig mögliche Weg, um dies zu vermeiden, ist die rasche Integration der Fremden, die dazu ihren aktiven Beitrag leisten müssen. Die korrekte Erlernung der Sprache des Gastlandes darf kein Optional bleiben, sondern muß energisch verlangt und dementsprechend auch systematisch gefördert werden. Es wächst in beängstigendem Maße die Zahl der jungen Muslime - in Deutschland meist Türken -, die infolge ihrer Sprachprobleme keinen Schulabschluß schaffen, deshalb auch keine Arbeit und keinen Platz in der Gesellschaft des Gastlandes finden. Viele von ihnen rutschen dadurch in die Isolation und die Kriminalität ab. In diesen Kreisen wächst der Haß gegen die bestehende westliche Ordnung, dort finden die radikalen Islamisten ihre willfährigen Anhänger.
Der Staat muß dafür sorgen, daß die Gesetze des jewei- ligen Gastlandes eingehalten und nicht im Namen angeblicher religiöser Prinzipien ignoriert werden.
In unseren westlichen Ländern ist die Trennung zwischen Staat und Religion eine Errungenschaft, an der wir selbstverständlich festhalten wollen. Deshalb hat Frankreich das Tragen des Schleiers in öffentlichen Schulen verboten. Wir dürfen auch nicht hinnehmen, daß die muslimischen Mädchen, ebenfalls aus angeblich religiösen Gründen, dem Turn- oder Schwimmunterricht fernbleiben, das widerspricht unserer Auffassung von der Rolle und Würde der Frau in unserer Gesellschaft.
Akzeptieren wir solche Verhaltensweisen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn sich viele Musliminen, obwohl sie mitten unter uns leben, einer patriarchalischen "Ordnung" beugen, die von männlichen Übergriffen und Gewalt geprägt ist. Erst kürzlich ist in einer italienischer Zeitung ein Inserat erschienen, in welchem die "sanfte" Beschneidung der Frau angeboten wurde - für uns eine ungeheuerliche Provokation, die zur sofortigen Ausweisung der Initiatoren führen müßte. In den letzten Wochen hat das Magazin "Der Spiegel" über die Alltäglichkeit gewisser Traditionen und Riten unter den Muslimen in Deutschland Auskunft gegeben. Das reicht von den Zwangsheiraten der Mädchen bis zum öffentlichen Aufhängen von blutverschmierten Leintüchern, als Bestätigung der Defloration in der Hochzeitsnacht.
Das sind barbarische Gewohnheiten, die unser Empfinden verletzen und in westlichen Ländern undenkbar sind. Wer so etwas praktiziert, ist in Europa noch nicht angekommen und hat dort keinen Platz. Es ist bezeichnend, daß die extremistischen islamischen Organisationen, unter ihnen auch ein gewisser Teil der religiösen Führer, an diesen Bräuchen besonders festhalten. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Mit der ausdrücklichen Bestätigung dieser "kulturellen Gewohnheiten" schaffen sie eine tiefe Kluft zwischen den Muslimen und der Bevölkerung des Gastlandes und festigen somit ihren Führungsanspruch und die Herrschaft über ihre Gemeinschaft. Dagegen anzukämpfen ist deshalb nicht nur eine Aufgabe der Behörden, sondern eine Verpflichtung von uns allen, somit jeder Bürgerin und jedes Bürgers.
Das Aufzeigen dieser Fehlentwicklungen ist keineswegs ein Plädoyer gegen die Aufnahme der Türkei in die EU. Es geht vielmehr darum, die Integration der Muslime in unsere Gesellschaft im Zeichen eines offenen gegenseitigen Dialogs voranzutreiben. Dann erst ist der Weg frei für zielführende Beitrittsverhandlungen mit der. modernen Türkei.

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